Politik | Ausland
01.03.2013

Bersanis Abfuhr an Berlusconi

Sozialdemokrat Pier Luigi Bersani schließt eine große Koalition aus und sieht sich mit Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert.

Der Mitte-Links-Block um Pier Luigi Bersani hat zwar als stärkstes Bündnis die Mehrheit in der Abgeordnetenkammer erobert, die Pattsituation im Senat, der unerwartet starke Wahlerfolg der Grillo-Truppe sowie des Mitte-Rechts-Blocks um Silvio Berlusconi setzen Premierkandidat Bersani jedoch ziemlich unter Druck. Dieser hatte vor dem Urnengang am Sonntag und Montag mit einer klaren Mehrheit in beiden Parlamentskammern gerechnet.

Interne Kritik

Mehrere Schwergewichte in Bersanis Demokratischer Partei ( PD) üben offen Kritik an seiner Wahlkampagne. "Wir haben im letzten Monat Wahlkampf vieles falsch gemacht. Unser Parteichef ist leider ein Mann des 19. Jahrhunderts", attackierte Ex-Premier Massimo D'Alema. Auch PD-Gründer Walter Veltroni sparte nicht mit Kritik am Führungsstil Bersanis.

Während Berlusconi die Rückerstattung der Immobiliensteuer versprach und Beppe Grillo eine Generaloffensive gegen die politische Kaste leitete, habe Bersani einen farblosen Wahlkampf ohne Schwung und ohne Ideen geführt.

Aufarbeitung

Um die Wahlergebnisse zu analysieren und die künftige Strategie in Hinblick auf die Regierungsverhandlungen zu besprechen, hat Bersani für den kommenden Dienstag eine Sitzung des Parteigremiums einberufen. Hier wird er scharfe Kritik seitens seiner internen Gegner hinnehmen müssen.

Diese behaupten, dass die PD wesentlich besser abgeschnitten hätte, wenn nicht Bersani, sondern sein junger Herausforderer bei den Vorwahlen im November, der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, die Wahlkampagne geführt hätte. Nicht ausgeschlossen ist, dass Bersani die Partei bis zu dem im kommenden Herbst geplanten PD-Kongress führen und dann das Handtuch werfen wird.

Zuvor hatte Bersani eine Koalition mit Berlusconi ausgeschlossen. "Ich will das ganz klar sagen: Die Idee einer Großen Koalition existiert nicht und wird nie existieren", sagte Bersani in einem Interview der Zeitung La Repubblica.