CIA-Tipp und gehackte Kameras: Was wir über die Tötung von Khamenei wissen
Zusammenfassung
- Gezielte Tötung von Irans Oberhaupt Ali Khamenei durch US-israelischen Angriff mithilfe von CIA-Tipp, gehackten Kameras und gestörter Kommunikation.
- Jahrelange Vorbereitungen ermöglichten präzise Überwachung von Khameneis Residenz und Bewegungen, was eine taktische Überraschung am Angriffstag ermöglichte.
- Mit dem Angriff wurden mehrere hochrangige iranische Funktionäre getötet und der Präventivschlag gilt als militärisches Lehrstück.
Gehackte Kameras, Leibwächterrouten, gestörter Mobilfunk: Die gezielte Tötung von Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei bei US-israelischen Angriffen vor gut einer Woche war kein Zufallstreffer. US-Medienberichten zufolge verschaffte sich der israelische Geheimdienst unter anderem Zugriff auf das weit verzweigte Netz von Straßenüberwachungskameras in Teheran. Ein entscheidender Hinweis auf Khameneis Aufenthaltsort kam vom US-Auslandsgeheimdienst CIA.
Was passiert ist
Ali Khamenei wird am 28. Februar bei einem Luftangriff auf seine Residenz im Herzen Teherans getötet. Der Angriff erfolgt gegen 9.40 Uhr (Ortszeit, 7.10 Uhr MEZ). Zu diesem Zeitpunkt hält der oberste Führer in seinem Wohnkomplex in der Pasteurstraße ein Treffen mit wichtigen Sicherheitsvertretern ab.
US-Vertretern zufolge handelt es sich um einen israelischen Angriff, der durch Geheimdienst- und Kommunikationsüberwachungen der USA und Israels möglich wurde. Laut New York Times übermittelte die CIA den Israelis in der Früh des Angriffstages "äußerst zuverlässige" Informationen über den Aufenthaltsort des 86-Jährigen.
Israel habe sich sowohl auf die US-Informationen als auch auf eigene Erkenntnisse gestützt, "um diesen seit Monaten vorbereiteten Einsatz auszuführen", berichtet die Zeitung unter Berufung auf "informierte Kreise".
Was dem Angriff vorausging
Laut der Financial Times waren fast alle Verkehrskameras in Teheran bereits vor Jahren von Israel gehackt worden. Die verschlüsselten Daten wurden an Server in Israel übermittelt und dort von Experten in mühsamer Kleinstarbeit ausgewertet.
Eine besonders günstig angebrachte Kamera war demnach direkt auf Khameneis streng bewachten Wohnkomplex gerichtet - und erlaubte es den israelischen Analysten, die Identität, Gewohnheiten und Routen der Leibwächter sowie der Fahrer hochrangiger Funktionäre nachzuzeichnen.
Auf diese Weise erhielten die israelischen Geheimdienste der Zeitung zufolge "ein dichtes und präzises Bild" der iranischen Hauptstadt. "Wir kannten Teheran, wie wir Jerusalem kannten", beschrieb ein israelischer Geheimdienstmitarbeiter der Financial Times die jahrelangen Vorbereitungen.
Dem Bericht zufolge wurden in den Minuten vor dem Angriff zudem dutzende Mobilfunkmasten in der Gegend gezielt gestört, um Khameneis Sicherheitsdienst abzulenken. Die Zeitung erwähnt zudem eine mysteriöse "menschliche Quelle", die über das für diesen Morgen geplante Treffen Bescheid gewusst habe.
Überraschungsmoment
Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden sich laut New York Times in einem der Gebäude Generäle und Sicherheitsbeamte; Khamenei hält sich demnach in einem Nachbargebäude auf. Israel sei damit eine "taktische Überraschung" gelungen.
Demnach waren die Iraner angesichts zunehmender Spannungen und trotz laufender Verhandlungen mit den USA über das iranische Atomprogramm auf einen Angriff der USA und Israels durchaus vorbereitet. Allerdings rechneten sie mit einem solchen Angriff eher in der Nacht - und nicht am Samstagfrüh, dem jüdischen Feiertag Schabbat.
Wer bei dem Angriff noch getötet wurde
Zuerst sprach Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu von vielen "Anzeichen" für Khameneis Tod. Später verkündete US-Präsident Donald Trump: "Khamenei, einer der bösesten Menschen der Geschichte, ist tot." Iranische Medien bestätigten später den Tod von Khamenei und seiner Frau. Israelischen Medien zufolge wurde ein Foto der Leiche Khameneis Trump und Netanyahu vorgelegt.
Unter den bei dem Angriff Getöteten waren demnach zudem der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Moussavi, der Anführer der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour, und der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates, Ali Shamkhani. Ebenfalls getötet wurden demnach Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh und Polizeigeheimdienstchef Gholam Reza Rezaian sowie Khameneis Tochter, deren Ehemann und die gemeinsame Tochter.
Militärisches Lehrstück
Die Ausschaltung von Khamenei gilt in israelischen Expertenkreisen schon jetzt als militärisches Lehrstück bei Israels gezielten Angriffen auf seine Feinde. Mit der Tötung von Irans geistlichem Oberhaupt schaltete die israelische Armee seit dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober die gesamte Führungsspitze der iranischen "Achse des Widerstands" aus, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.
Seit 2024 töteten die Armee und die Geheimdienste bereits die Hamas-Anführer Mohammed Deif, Yahya al-Sinwar, und Ismail Haniyeh sowie Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. "Khamenei versteckte sich im Gegensatz zu Hassan Nasrallah nicht (...), auch wenn er Vorsichtsmaßnahmen traf", heißt es in dem Financial Times-Bericht. "Das ist, als hätte man ein Schild an der Tür: Hier wohnt die glückliche Familie Khamenei", spottet der israelische Journalist Ronen Bergman.
"Wenn die Details seiner Tötung bekannt werden, wird die ganze Welt sprachlos sein", schreibt der Journalist Ben Caspit in der israelischen Tageszeitung Maariv. Allein die Tatsache, dass Israel ein Foto von Khameneis Leiche erhalten habe, sei "einfach unvorstellbar". Aus Caspits Sicht wird "dieser Präventivschlag in den Militärakademien auf der ganzen Welt noch jahrelang Unterrichtsstoff sein".
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