Artemis und Apollo: Warum die Rückkehr zum Mond so schwierig ist

Artemis 2 ist erfolgreich auf die Erde zurückgekehrt. Was die Mission vom Apollo-Programm unterscheidet - und was es diesmal deutlich anspruchsvoller macht als vor einem halben Jahrhundert.
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Zusammenfassung

  • Artemis-Missionen sind technisch und logistisch deutlich anspruchsvoller als Apollo, da komplexere Landungen am Mond-Südpol und präzisere Zielgenauigkeit gefordert sind.
  • Zeitdruck, Kostenexplosionen und Verzögerungen bei den Landefähren von SpaceX und Blue Origin erschweren das Rennen gegen China, das eigene Mondmissionen plant.
  • Im Fokus stehen diesmal wirtschaftliche Interessen wie Rohstoffe und wissenschaftliche Erkenntnisse, die für das Überleben der Menschheit wichtig sein könnten.

Artemis-2 ist sicher wieder auf der Erde gelandet. Doch seit Tagen wird vor allem diskutiert, wozu das ganze notwendig ist und warum milliardenteure Testflüge stattfinden, um dorthin zurückzukehren, wo vor fast 60 Jahren ohnehin schon Menschen waren - und das mit der Rechnerleistung eines heutigen Taschenrechners. Denn der 32 Kilo schwere Apollo Guidance Computer hatte einen Arbeitsspeicher von gerade einmal zwei Kilobyte. 

Dazu muss man wissen, dass die erste Mondlandung eine Hochrisikoaktion war. Die NASA schätzte die Überlebenschance von Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf 20 bis 40 Prozent ein. Deshalb hatte US-Präsident Richard Nixon bereits eine fertige Rede, mit der das Scheitern von Apollo-11 verkündet worden wäre. 

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Apollo-11: Armstrong, Collins und Aldrin

Zum Vergleich: Das Space Shuttle erreichte 98,5 Prozent (zwei Totalverluste bei 135 Starts) und Artemis sollte nochmals darüber liegen.

Außerdem landete Apollo in der relativ ebenen Äquator-Region. Artemis soll hingegen zum Südpol führen, der eine wilde Kraterlandschaft ist.

Artemis: Aus 400.000 Kilometern ein Fußballfeld treffen 

Während Armstrong seinen Landeplatz ohne Konsequenzen per Handsteuerung um sechs Kilometer verfehlte, muss Artemis nach 400.000 Kilometern ein Ziel in der Größe etwa des Wiener Praterstadions treffen. Ansonsten wird die Landefähre, für die es kein Notfallsystem gibt, bei der Landung umfallen, zumindest aber nicht mehr starten können. 

Da  viele Aufzeichnungen und Pläne vernichtet worden sind, musste die NASA bei Null beginnen. Während das Apollo-Programm nach heutiger Kaufkraft fast 200 Milliarden gekostet hat, soll Artemis trotz Kostenexplosion nur etwa die Hälfte verbrauchen.

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Die Saturn-V-Rakete wurde für die Apollo-Missionen verwendet 

Dabei wurde der Flug diesmal aufgeteilt. Eine Möglichkeit die in den 60ern ausgeschlossen wurde, weil zu komplex. Die NASA fliegt die Astronauten diesmal aber  omit dem Orion-Raumschiff in eine Mondumlaufbahn. Dort sollen sie in eine Landefähre umsteigen, zunächst in das Starship von SpaceX, später in die New Glenn von Blue Origin. 

Doch die Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos sind beide schwer im Verzug. Die Landefähren sind zu groß und zu schwer, weshalb die Triebwerke zu schwach sind. 

Während die Eagle von Apollo rund 25 Tonnen wog, soll das Starship bis zu 200 Tonnen haben. Ob es dieses Ungetüm jemals auf den Mond schaffen wird, ist noch offen. Das alles macht die Lage nun wieder riskanter.

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Die Crew von Artemis-2

Eigentlich hätte das Starship bereits vor zwei Jahren Weltraum-Touristen zum Mond für eine Umkreisung fliegen sollen. Doch mittlerweile rückt der Landetermin Chinas (geplant 2029) immer näher, weshalb die Mondlandung nun 2028 stattfinden soll, ohne dass das Starship jemals in der Nähe des Mondes war. 

Dabei wird auch die Zeit deshalb knapp, weil das Starship im Erdorbit erst kompliziert mit einem Dutzend Versorgungsflügen betankt werden muss. Allein dieses Manöver dauert fast sieben Monate, für Testflüge bleibt den USA schlichtweg keine Zeit mehr.

Donald Trump startete 2019 das Artemis-Programm

Abstriche musste man jedenfalls auch bei Apollo machen. Das 1961 gestartete Programm gipfelte 1969 in der Mondlandung. Präsident Donald Trump hingegen startete 2019 mit Artemis, bis zum „Gipfelsieg“ wird es diesmal länger dauern.  

FILE PHOTO: NASA's Artemis II mission to fly by the moon, lifts off from the Kennedy Space Center in Cape Canaveral

Artemis-2 startete mit jahrelanger Verzögerung 

China setzt dafür auf das Vorbild des Apollo-Programms. In den kommenden zweieinhalb Jahren sind Testflüge geplant, vermutlich sogar inklusive einer unbemannten Probelandung. Dazu werden zwei Sonden nach Landeplätzen und Wassereis suchen.

Mit der aktuellen Artemis-Mission waren nun 31 Menschen im Umfeld des Mondes, zwölf davon spazierten über die Oberfläche, einer spielte sogar eine Runde Golf. Während es damals vor allem um Prestige ging, stehen diesmal wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. 

Vor allem Rohstoffe wie Helium-3, das auf der Erde kaum zu finden ist, aber für die Kernfusion benötigt wird, sind im Fokus. Dazu Seltene Erden, aber auch Gold oder Titan. 

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Artemis-Besatzung sah Sonnenfinsternis hinter dem Mond

In den kommenden fünf Jahren sind deshalb 22 Flüge zum Mond geplant. Neben China und den USA planen Länder wie Japan, Russland oder Indien sowie vier Privatfirmen und Europa (ESA) unbemannte Landungen. Dazu sollen zwei permanent besetzte Mondstationen von den USA und China gebaut und im nächsten Jahrzehnt fertig gestellt werden.

Für die beteiligten Firmen ist es eher ein Nebeneffekt, aber der wissenschaftliche Teil ist noch viel bedeutender und könnte eines Tages die Menschheit vor dem Aussterben retten. Denn im Mondgestein können Krater von apokalyptischen Asteroiden untersucht werden.

Mond, Artemis, Apollo, ESA

Mond-Foto der Artemis-Crew

Gleiches gilt für die im Mondgestein gespeicherten Informationen über Sonnenwinde, denn die Eruptionen der Sonne könnten alle technischen Geräte auf der Erde mit einem Schlag funktionsfähig machen. Die Menschheit wäre zurück im Mittelalter. 

Der Mond beziehungsweise dessen Erforschung könnte also wichtig sein für das Wohlergehen aller Menschen. Wie sagte schon Neil Armstrong bei der Landung: „Ein kleiner Schritt für mich. Ein großer Sprung für die Menschheit.“

Alle Hintergründe zu den geplanten Mondlandungen

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