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Politik Ausland
06/09/2021

Deutscher Araber-Clan: Luxusvilla und 400.000 Euro Sozialhilfe

Nordrhein-Westfalen: Mega-Razzia gegen Einrichtungen und "Hauptquartier" einer der mächtigsten Großfamilien.

von Walter Friedl

Er gilt als einer der mächtigsten Araber-Clans in Deutschland, doch jetzt versetzten Sicherheitskräfte den Al-Z.s einen schweren Schlag. Schon lange im Visier der Fahnder, boten sie 600 Beamte auf, um den kriminellen Machenschaften der ursprünglich aus dem türkischen Anatolien über den Libanon nach Deutschland gezogenen Großfamilie die Grundlage zu entziehen. Gleich 31 Häuser, Wohnungen, Büros und Geschäftsräume stürmten die Ermittler in Nordrhein-Westfalen. Darunter auch eine Luxusvilla in Leverkusen, die gleichsam als Hauptquartier des Clans diente.

Dort wurde laut Bildzeitung Badia al-Z. festgenommen. Der 46-Jährige galt im Clan als „Schlichter“, der bei Streitereien am deutschen Rechtssystem vorbei „Urteile“ gesprochen haben soll. Zuletzt soll sich der Staatenlose zum neuen Boss in der „Firma“ ausgerufen haben, nachdem der frühere, Mahmoud al-Z., 54, im Jänner in die Türkei ausgereist war, nachdem ihm die Abschiebung ins Haus gestanden war.

Auch Frau und Söhne in Haft

Neben dem Hauptbeschuldigten Badia al-Z. wurden auch seine Söhne Mahmoud, 28, und Sehmus, 24, sowie seine Ehefrau Hajere, 42, festgenommen. Ihnen wird unter anderem bandenmäßiger Betrug sowie Geldwäsche zur Last gelegt. Allein für das Jahr 2019 werden 227 unterschiedliche Mitglieder des Clans für 441 Straftaten in Nordrhein-Westfalen (NRW) verantwortlich gemacht. Die Vorwürfe reichen von Tötung über Schutzgelderpressung bis Raub, Diebstahl und Drogenkriminalität.

Besonders perfid: Während die Familie in der Luxusvilla residierte, die Fachleute auf einen Wert von einer Million Euro taxieren, sollen drei dafür extra gebildete „Bedarfsgemeinschaften“ in den vergangenen sechs Jahren an die 400.000 Euro Sozialleistungen bezogen haben.

Allein der Kauf der Villa 2018, die später durch Umbauten eine Wertsteigerung erfuhr, durch Sohn Sehmus um 650.000 Euro ist offenbar Geldwäsche in Reinkultur: Eine Reihe von Personen hätten laut Ermittlern größere Geldbeträge als Schenkung oder Darlehen an den heute 24-Jährigen überwiesen und später von Unbekannten erstattet bekommen.

Bei den Razzien wurden allein in dieser Villa, die nun grundbürgerlich dem Staat übertragen wird, 290.000 Euro an Bargeld, eine Armbanduhr im Wert von 30.000 Euro sowie Schmuck und Luxusartikel sichergestellt, dazu Waffen.

„Das ist ein Schlag gegen die erste Liga der Clan-Kriminalität“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul.

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