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Politik Ausland
11/26/2020

Propagandavorwurf gegen Konfuzius-Institute an Österreichs Unis

Tibeter, Uiguren, Hongkonger und Falun Dafa fordern Ende der Kooperation mit der chinesischen Regierung

von Ulrike Botzenhart

Sie sind wütend und empört, dass allen Aufrufen zum Trotz noch immer China mithilfe der Konfuzius-Institute an Österreichs Universitäten Einfluss üben kann. Vertreter von Save Tibet, Falun Dafa Österreich, "Stand with Hong Kong Vienna" und die Uigurische Gemeinde Österreich fordern erneut die Rektoren der Unis in Wien und Graz dringend auf, diese Kooperation mit der chinesischen Regierung zu beenden.

In ihrem offenen Brief an die Rektoren heißt es: "Was muss noch alles geschehen, damit die österreichischen Universitäten den Mut aufbringen sich von diesem Einfluss zu trennen und moralisches Rückgrat zu beweisen?"

"Heuchelei"

Die Unterzeichner des Schreibens erinnern an die Gedenkfeiern zum Ende des Holocaust vor 75 Jahren und den Mahnungen, dass dies nie wieder geschehen dürfe. "Aber ausgerechnet unsere Universitäten, die die Prinzipien der Freiheit, Wahrheit und Wissenschaft verkörpern, arbeiten mit einer fremden Regierung zusammen, welcher vorgeworfen wird Konzentrationslager in der chinesischen Provinz Xinjiang zu betreiben. Dies stellt eine Heuchelei und Verhöhnung der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit dar."

Sie erinnern die Rektoren daran, dass angesichts der massenhaften Internierung in KZ-ähnlichen Lagern von Muslimen in China prominente Vertreter verschiedener Religionen einen aufrüttelnden Appell unterzeichnet haben und zitieren daraus: "Mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in China sind in Gefangenenlagern inhaftiert und mit Hunger, Folter, Mord, sexueller Gewalt, Sklavenarbeit und erzwungener Organentnahme konfrontiert."

"Niveau eines Völkermordes"

Es gebe auch eine "Kampagne zur Zwangssterilisierung und Geburtenverhütung, die sich gegen mindestens 80 Prozent der uigurischen Frauen im gebärfähigen Alter" richte. Dieses Vorgehen könne das "Niveau eines Völkermordes" im Sinne der Völkermordkonvention von 1948 erreichen, heißt es in dem Appell - "eine der schrecklichsten menschlichen Tragödien seit dem Holocaust".

In dem Schreiben an die Universitätsrekoren in Wien und Graz wird auch an das Leid von Falun-Dafa-Praktizierenden erinnert. Sie seien die größte betroffene Gruppe des staatlich gebilligten Organraubs in China. "Am 9. Juli 2020 hat das österreichische Parlament eine Resolution verabschiedet, um den illegalen Organhandel in China zu verurteilen", erinnern die Unterzeichner. Ihren Angaben zufolge werden 80 bis 100 Millionen Falun-Dafa-Praktizierende seit 21 Jahren, durch das chinesische Regime verfolgt.

"Bedrohung für den Weltfrieden"

Über dieses brutale Vorgehen der chinesischen Regierung nicht nur gegen Falun Gong und die Uiguren sondern auch andere ethnische Minderheiten im Land wie Tibeter und Mongolen als auch gegen Chinesen, Hong Konger und Taiwanesen wird in dem Brief auf die Schlussfolgerung des Forschers Alexander Görlach von der Universität Cambridge verwiesen.

Dieser stellt fest: "Xis China hat somit fünf Genozide auf der Uhr, die in unterschiedlichen Stadien ihrer Vollendung entgegen laufen. Jedem in der freien Welt muss das Blut in den Adern gefrieren, wenn er oder sie sich das vor Augen führt." Unter Fürhung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sei das Land "nicht mehr eine Hoffnung für die Weltwirtschaft, sondern die Bedrohung für den Weltfrieden".

Auch der Dokumentarfilm „In the Name of Confucius“ der kanadisch-chinesischen Regisseurin Doris Liu beleuchtet die wachsende globale Kontroverse um Chinas milliardenschweres Konfuzius-Institut-Programm: Sind die Institute, an denen Sprache, Geschichte und Kultur des asiatischen Giganten gelehrt werden, harmlose Bildungseinrichtungen? Oder sind sie Teil des chinesischen Propaganda-Apparates, um die Linie der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in den akademischen Lehrbetrieb zu tragen.

Zwei Milliarden Dollar

Nach Recherchen der Filmemacherin ließ sich das Peking in 13 Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar kosten. Mehr als 5.000 chinesische Lehrer unterrichteten demnach im Jahr 2017 in 146 Ländern 1,7 Millionen registrierte Studenten.

Nach Ansicht von Kritikern wie Liu riskieren die Gastländer die Beeinflussung ihrer Gesellschaft durch China. Einige Universitäten, vor allem in den USA, haben die Kooperation deshalb wieder aufgekündigt.

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