Politik | Ausland
12.11.2012

Prediger führt Anti-Assad-Block

Ein ehemaliger Imam führt nun die syrische Opposition an.

Ein prominenter muslimischer Prediger soll die zerstrittene syrische Opposition einen: Mit einer großen Mehrheit haben die Gegner von Präsident Bashar al-Assad den früheren Imam der berühmten Umayyaden-Moschee in Damaskus, Moaz al-Khatib, zum Vorsitzenden ihrer neuen Plattform gewählt, die offiziell den Namen "Nationale Koalition der syrischen Kräfte der Revolution und Opposition" trägt.

Beobachter sehen in dem 52-Jährigen eine Integrationsfigur. Als Sunnit vertritt er dem Glauben der Mehrheit in Syrien. Gleichzeitig gilt al-Khatib als unabhängig ohne Bindungen an die Muslimbruderschaft oder andere islamistische Gruppen. Anstatt die traditionelle Tracht der Imame zu tragen, zeigt er sich gerne in westlichen Anzügen ohne Krawatte. Oft warnte er die Oppositionsaktivisten vor der Gefahr religiöser Auseinandersetzungen und nahm auch die Minderheit der Alawiten, zu denen Assad gehört, vor Anfeindungen in Schutz.

Kritiker des Regimes

Der Prediger ist seit langem scharfer Kritiker des syrischen Regimes. Von der Führung in Damaskus wurde er als "Großmaul Imam" tituliert, weil er eine politische Lösung des Konflikts vorgeschlagen hatte unter der Bedingung, dass Assad und seine Helfer schleunigst das Land verlassen. Mehrmals wurde Al-Khatib seit Beginn des Aufstands im März 2011 inhaftiert. Im Sommer verließ er schließlich Syrien und ging in die ägyptische Hauptstadt Kairo.

Geboren wurde er im Jahr 1960 als Sohn einer angesehenen sunnitischen Familie in Damaskus. Er studierte angewandte Geophysik und arbeitete fast sechs Jahre als Ingenieur. In der Umayyaden-Moschee war er vor mittlerweile 20 Jahren als Imam tätig. Er predigte aber auch in vielen anderen Gebetshäusern. Al-Khatib engagierte sich außerdem als Präsident der Islamischen Gesellschaft für Städtebauentwicklung.