© REUTERS/LEONHARD FOEGER

ngen
09/01/2020

Anschobers Covid-19-Erklärung: "Eine Vorlesung mit historischem Exkurs"

Wie war die Corona-Rede des Gesundheitsministers? Politik-Analystin Kathrin Stainer-Hämmerle hörte überraschend viel Selbstmitleid.

von Christian Böhmer

Zwei Regierungsmitglieder, zwei Reden – und ein Thema, nämlich: die Covid-19-Pandemie. Nachdem Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitag zur Lage der Nation gesprochen hat, zog der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Dienstag nach. Was die Inhalte angeht, blieb bei Anschobers „Erklärung“ vor allem hängen, dass der Minister noch im Jänner darauf hofft, dass in Österreich eine Schutz-Impfung gegen Covid-19 vorhanden ist; im Idealfall hofft er auf eine Durchimpfungsrate von 50 Prozent.

Wie aber war die Rede insgesamt? Und vor allem: Wie war sie im Vergleich zu jener des Regierungschefs?

„Knapp zusammengefasst hatte Anschobers Rede den Charakter einer Vorlesung mit historischem Exkurs“, urteilt Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle im KURIER-Gespräch.

Der Minister habe sehr viel über die Vergangenheit gesprochen und sich vor allem ob der Kritik der vergangenen Tage und Wochen souverän und gelassen gezeigt.

Rationale Aufklärung

Im Vergleich zu Kurz sei bei Anschobers Rede aber deutlich geworden, dass der Minister und der Regierungschef mit völlig anderen Mitteln überzeugen wollen: „Anschober versucht die Menschen rational auf seine Seite zu ziehen. Er erklärt viel und hofft, dass die Menschen aus Vernunft mitgehen bzw. bei Maßnahmen mitmachen.“

Demgegenüber setze der Bundeskanzler mehr auf persönliches und emotionales Vertrauen. Anders gesagt: Sebastian Kurz baut darauf, dass die Wähler ihm grundsätzlich vertrauen und einfach zutrauen, dass er das Richtige tut – unabhängig davon, ob und welche Daten und Fakten er zitiert.

Das bringt mit sich, dass Kurz Zahlen eher sparsam einsetzt. „Bei Anschober kamen – auch in dieser Rede – sehr schnell sehr viele Zahlen. Da ist man als Zuhörer fast ein wenig ertrunken“, sagt Stainer-Hämmerle.

Als eher riskant bewertet die Politikwissenschafterin, dass Anschober in seiner Erklärung sehr viele Vergleiche mit der normalen Grippe sowie der Spanischen Grippe herangezogen hat. „Anschober meinte es sicher ganz anders und wollte auf die Gefährlichkeit von Pandemien hinweisen“, sagt Stainer-Hämmerle. „Seine Vergleiche haben zum Teil aber die Argumente der Corona-Verharmloser aufgegriffen – das kann nach hinten losgehen.“

Leistungsbilanz

Vor allem am Beginn der Rede verwendete der Grüne viel Zeit auf die Leistungsbilanz seines Hauses. „Der Minister hat davon gesprochen, dass von 91 Verordnungen, die das Ministerium gemacht hat, nur drei kritisiert worden sind“, sagt Stainer-Hämmerle. „Mitunter kippte er da in Selbstmitleid. Das war untypisch und überraschend.“

Handwerklich sind der Analystin noch zwei Dinge aufgefallen. „Das eine war das Taferl. Für Anschober ist es mittlerweile ja typisch. Allerdings hat er es diesmal verwendet, obwohl er vor einer Leinwand stand, auf die er alle Zahlen und Grafiken hätte projizieren können.“

Die zweite Sache war die Länge: „Obwohl sie in den sozialen Medien übertragen wurde, war die Rede nicht für dieses Format geeignet“, sagt Stainer-Hämmerle. „Es muss ja nicht kurz wie ein TikTok-Video sein. Aber in der Form war die Ansprache zu lang – das konnte man auch in vielen Kommentaren lesen, die neben der Rede gepostet wurden.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.