© Kurier/Gerhard Deutsch

Reportage
11/06/2021

Alles gurgelt: Das Millionengeschäft mit den PCR-Tests

Die Firma Lifebrain investierte 40 Millionen Euro in ein modernes Covid-Großlabor in Wien und beschäftigt mittlerweile schon rund 1.000 Mitarbeiter. Ein Blick hinter die Kulissen von „Alles gurgelt“.

von Kid Möchel, Anita Staudacher, Gerhard Deutsch, Dominik Schreiber

Der Pavillon 17 auf dem weitläufigen Gelände des früheren Otto-Wagner-Spitals in Wien scheint etwas desolat und aus der Zeit gefallen. Auffällig ist, dass ein armdickes Datenkabel und mehrere Starkstromleitungen ins Innere des Backsteinbaus führen. Hellblaue Schilder am Eingang verweisen auf die Firma Lifebrain, einem Laborbetreiber aus Italien mit 350 Standorten und 400 Millionen Euro Umsatz. Die Österreich-Tochter ist in Wien der Platzhirsch bei der Auswertung der „Alles gurgelt“-Covid-Tests, die bei Bipa kostenlos erhältlich sind und in den Rewe-Filialen (Billa, Billa plus, Bipa, Penny) abgegeben werden können.

Überhöhte Preise

„Im Oktober des Vorjahres haben wir gesehen, dass es in Österreich einerseits ein deutlicher Engpass bei PCR-Testmöglichkeiten gibt und anderseits die Preise für PCR-Tests massiv überhöht waren. Es wurden 150, 160 Euro pro Test verlangt“, sagt Lifebrain-Chef Michael Havel im Gespräch mit dem KURIER. „Wir haben gewusst, dass die Materialkosten bei drei Euro liegen. Ich habe dann den Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker angerufen und ihm gesagt, wenn du willst, bauen wir ein Riesen-PCR-Labor. Er hat das für sinnvoll gehalten.“

Datenleitungen

Havel hat für sein Labor den leeerstehenden Pavillon 17 und ein weiteres Gebäude angemietet, umbauen und 18 Kilometer Datenleitungen verlegen lassen. „Wir haben auf der ganzen Welt Labor-Geräte eingekauft“, erzählt Havel. „Wir haben in China Firmen gefunden, die für uns Labor-Verbrauchsmaterialien produzieren.“ Nach sechs Wochen konnten bereits die ersten PCR-Tests ausgewertet werden. Lifebrain hat später dann auch öffentliche Ausschreibungen gewonnen.

Mittlerweile beschäftigt der Covid-Laborbetreiber knapp 1.000 Mitarbeiter aus 48 Nationen, die jeden Vormittag und Nachmittag jeweils rund 60 Lkw-Lieferungen mit Zehntausenden Tests aus großen Säcken verarbeiten.

Die Röhrchen werden ausgepackt und in speziellen Geräten 80 Minuten auf 70 Grad erhitzt, um etwaige Viren abzutöten. Danach werden die einzelnen Röhrchen registriert. Im Anschluss geht es ans sogenannte Pooling.

Jeweils zehn Proben werden in ein elftes Röhrchen zusammengemengt, um eine größere Testanzahl schneller verarbeiten zu können. Erst wenn dabei ein Virus entdeckt wird, werden die einzelnen Proben nochmals untersucht, um die betroffene Person zu identifizieren. Rund 170 Personen sind mit der Analyse der Tests beschäftigt. Ein positives Ergebnis wird dann der Gesundheitsbehörde und dem Betroffenen übermittelt.

Am bisher stärksten Tag wurden 220.000 PCR-Tests ausgewertet. „Wir haben noch Luft nach oben“, sagt Havel. Bis zu 500.000 Tests täglich könnten verarbeitet werden. Denn bei Lifebrain wird 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche gearbeitet.

500.000 PCR-Tests

Hauptkunden sind die Stadt Wien und das Land Oberösterreich. Beim Tennisturnier in der Wiener Stadthalle und beim City-Marathon wickelte Lifebrain die Tests ab. Zugleich zählt auch die Präsidentschaftskanzlei zu den Kunden.

Außerdem testet Lifebrain in Wien die Schüler ab der fünften Schulstufe, die Tests der Jüngeren wertet ein Mitbewerber aus. Pro Woche werden rund 500.000 Tests in Wiens Schulen durchgeführt.

Für Havel ist das Labor ein lukratives Geschäft, kassiert Lifebrain doch pro PCR-Test fast sechs Euro. „Wir haben aber noch nicht annähernd das zurückverdient, was wir investiert haben“, sagt der Mediziner. „Um die 40 Millionen Euro haben wir dafür in die Hand genommen und haben das auf fünf Jahre kalkuliert.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.