© Novy Gilbert

Leitartikel
04/01/2021

Wie wir da wieder rauskommen

Das Vorbild des Journalisten Hugo Portisch könnte uns aus dem Schlamassel führen, in dem wir uns befinden. Mit Mut zur Tugend.

von Philipp Wilhelmer

Die Vierte Gewalt hat eine ihrer stabilsten Säulen verloren: Hugo Portisch schied mit 94 Jahren aus einem der bewegtesten Journalistenleben, die diese Republik gekannt hat.

Hugo Portisch wurde in eine Welt geboren, in der das Fernsehen erst erfunden werden musste. Er verließ sie zu einer Zeit, in der jede und jeder sein oder ihr eigener Sender ist.

Der Kontrast zwischen seiner Lebensleistung und dem chaotischen Chor der stets an Einzelaspekten herumkauenden Social-Media-Krieger könnte größer nicht sein: Reflexion kann und will sich niemand mehr leisten. Es geht vielmehr darum, sich Luft zu machen: Gegen gefühlte Ungerechtigkeiten. Die Profis, die deren Zusammensetzung und Hintergründe erklären, werden mit Behauptungen und Verleumdungen diskreditiert.

Die Lüge reist schnell, heißt es. Die Verlässlichkeit überdauert aber die Zeit, zeigt uns Portisch.

Wir alle – Journalistinnen und Journalisten, Politikerinnen und Politiker, Social-Media-Userinnen und -User – wären gut beraten, uns zumindest einen Teil seiner Tugenden gemeinsam anzueignen.

Es ist schon klar: Die Leserschaft will gerne ihre Meinung bestätigt bekommen – wir müssen ihr dennoch zumuten, auch die andere Seite zu hören. Ja – Wahlen werden nicht im Kopf, sondern mit dem Bauch gewonnen, dennoch sollten Regierende davon Abstand nehmen, den Verstand zu manipulieren.

Und natürlich: Bürgerinnen und Bürger sind zu Recht sauer, wenn Verwaltung und Medien den Anschein zulassen, ihren Job nicht ordentlich zu machen. Darauf aber mit ungezügeltem Hass und Halbwahrheiten im Internet zu reagieren, macht nichts besser. Es erodiert vieles – vor allem unser wechselseitiges Vertrauen.

Hugo Portisch, das zeigen die Reaktionen auf sein Ableben, war einer, auf den sich alle einigen konnten.

Pfad aus dem Schlamassel

Sein Vorbild könnte uns ein Pfad aus dem Schlamassel sein, in dem sich die Öffentlichkeit befindet: Fakten schaffen, indem sie hinterfragt werden. „Check, Re-Check, Double-Check“ sind geflügelte Worte, die alle im Journalismus verinnerlicht haben sollten. Der ehemalige KURIER-Chefredakteur hatte sie einst nach Österreich importiert.

Portisch war – sieht man von seiner überzeugten Haltung des Transatlantikers ab – so neutral, wie es das offizielle Österreich immer gerne gewesen wäre. Wer kann das noch von sich behaupten?

Wir benötigen ein gemeinsames Fundament, auf dem solche Giganten des Geistes wachsen können. Sie überstrahlen die Scharen an Überzeugungstätern und verblendeten Gefolgsleuten, die heute unseren Alltag prägen.

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