Andreas Herzog: In Tel Aviv nur auf Glasgow fokussiert. 

© EPA/Piotr Nowak

Meinung
02/23/2020

Wie Österreicher Israel helfen und Schottland einen Exit bescheren wollen

"Tagebuch": Andreas Herzog will seinen Landsmännern zur EM folgen.

von Wolfgang Winheim

In seinem Appartement mit Meerblick schaut Andreas Herzog ... Fußball-Videos.

Und von den nach Donald Trumps „Friedensplan“ aufkeimenden Palästinenser-Konflikten bekomme er so „gar nichts mit“.

Seinen Nebenjob als Bundesliga-Analytiker für Sky hat Herzog ruhend gestellt. Heimatbesuche wurden rar. Denn der österreichische Rekordinternationale unternimmt als israelischer Teamchef alles, um den Schotten am 26. März nach ihrem (mehrheitlich unfreiwilligen) Brexit einen Fußball-Exit in Europa zu bescheren. Soll heißen: Mit Israel in Glasgow siegen und einen EM-Platz ergattern, den Österreich bekanntlich fix hat.Vor 13 Monaten sah das anders aus, als Eran Zahavi das ÖFB-Team beim 4:2 fast im Alleingang erlegte. Ausgerechnet der China-Legionär, dem Herzog zur Empörung israelischer Promi-Kolumnisten zum Teamcomeback verholfen hatte.

Guangzhou-Torjäger Zahavi, dem wegen der Corona-Seuche (ebenso wie Schanghai-Stürmer Marko Arnautovic) die Spielpraxis fehlt, nahm soeben in Israel an einem Teamlehrgang teil, den die Liga Sportdirektor Willi Ruttensteiner und Herzog genehmigt hatte. Im März wird in Hinblick auf Glasgow sogar die israelische Liga gestoppt – für ein zweites Camp, in das Herzog auch „zehn bis 13 Legionäre“ holen wird. Darunter mit Munas Dabbur (jetzt Hoffenheim) Salzburgs letztjährigen Liga-Schützenkönig und den aktuellen Führenden der Torjägerliste Shon Weissman vom WAC.

Israels Schwachstelle ist nicht die Offensive. Vielmehr treibt’s Herzog den Blutdruck an (Länderspiel)-Tagen der offenen Tür in den 180er-Bereich . Deshalb ließ er Martin Stranzl einfliegen und die Israeli mit ihm drei Tage lang das Defensivverhalten üben. „Sehr klug“, meinen Ex-Teamchef Josef Hickersberger und ÖFB-Nachwuchscoach Rupert Marko, der Stranzl ebenfalls schon für seine Jungen als Individualtrainer haben wollte. Herzog: „Auch mir hat Martin abgesagt. Doch als ich ein Handy-Foto vom Fischen sah, habe ich ihm gesagt: „Leg die Angel weg, komm’ nach Israel!“

Der Südburgenländer Stranzl brachte es noch nach seinem Team-Rücktritt 2009, obwohl nie die Nähe der Medien suchend, zu viel deutscher Anerkennung und 118 Spielen für Borussia Mönchengladbach. Jenem Klub übrigens, der am 23. Februar 1970, vor genau 50 Jahren als erster deutscher Bundesligaklub in Israel spielen hatte dürfen.

Laut Günter Netzer sei Israels Teamchef Emanuel Schaffer beim Pausenstand von 0:3 händeringend auf Borussias-Trainerlegende Hennes Weisweiler zugegangen mit der Bitte, seine Spieler mögen einen Gang zurückschalten, weil er sonst hinausfliegen würde. „Doch wir machten gnadenlos das halbe Dutzend voll.“ Trotzdem, seien sie, als 6:0-Sieger, so Netzer, von israelischen Zuschauern gefeiert, umarmt und auf deren Schultern vom Feld getragen worden. Was damals eine Generation nach dem Holocaust niemand erwarten hatte dürfen.

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