Kanarische Inseln: Ankunft von Migranten

© APA/AFP/DESIREE MARTIN

Meinung
11/30/2020

Welche Folgen Corona auch noch hat

Die Pandemie könnte noch viel mehr Menschen zu Migranten machen. Doch die EU wirkt darauf herzhaft unvorbereitet

von Ingrid Steiner-Gashi

Wer wissen will, welche neben den uns bekannten Folgen die Coronapandemie noch hat, der werfe einen Blick auf die Kanarischen Inseln: In den zu Spanien gehörenden Urlaubsparadiesen landen seit dem Spätsommer täglich Migranten an. Heuer sind bereits zehn Mal mehr Menschen aus diesen Fischerbooten gestiegen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Die Probleme dabei sind die alten, so wie man sie schon in schlimmster Form vom Flüchtlingslager des Schreckens „Moria“ auf Lesbos kennt: Überfüllte Lager, viel zu lange Asylprozeduren, schleppende Rückführungen, eine verzweifelte Inselbevölkerung – und das angesichts sehr vieler Wartender, die kaum Aussicht auf Asyl haben.

Denn – und das ist das Neue – mehr als 40 Prozent der heuer in Europa angelandeten Migranten und Flüchtlinge stammen aus Marokko, Algerien und Tunesien. Flüchtlingsbetreuer berichten: Fast alle dieser jungen Männer waren Straßenverkäufer, Tagelöhner oder Taxifahrer, als der Tourismus noch boomte. Doch dann kam Corona. Das Virus legte nicht nur den Gästestrom trocken und brachte die mageren Einkommensquellen zum Versiegen, sondern verschärfte auch noch die Wirtschaftskrise, die in ihren Heimatländern ohnehin schon herrscht.

Die UNO befürchtet, dass die Pandemie noch viel mehr Menschen zu Migranten machen könnte. Denn die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Corona-Wütens könnten sich schlimmer auswirken als die Seuche selbst.

In der Europäischen Union und in jedem einzelnen ihrer Mitgliedsstaaten sollte man das eigentlich auch wissen. Das heißt: Man sollte schon längst planen, wie mit einem zu erwartenden Zustrom an Migranten und Flüchtlingen umzugehen ist.

Seit Monaten liegt nun der mit großem Pomp und Trara angekündigte EU-Migrationspakt auf den Tischen der Regierungskanzleien, und herausgekommen ist bisher – nichts, außer dem alten Streit: Die einen Staaten nehmen keine Asylsuchenden auf, und die anderen pochen vehement auf Verteilung der Flüchtlinge in Europa.

Und dazwischen liegt das eher hilflos anmutende Angebot der EU-Kommission an Länder wie etwa Österreich, die sich kategorisch gegen Flüchtlingsquoten wehren: Als Zeichen ihrer „flexiblen Solidarität“ sollten diese Länder eben mehr Rückführungen von Migranten in deren Heimatländer organisieren.

Dass dieses halbgare Konzept keine Antwort auf die in Europa ungelösten Migrationsfragen liefert, liegt auf der Hand. Angesichts dieser anhaltenden Schwäche hat die EU dennoch auch ein wenig Glück: Denn insgesamt sind die Zahlen illegaler Migranten heuer so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr – auch das eine Folge der Corona-Pandemie.

Doch auf dieses Glück kann die EU nicht lange zählen.

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