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Meinung
11/08/2021

Neue E-Scooter-Ordner als Armutszeugnis

Die Initiative selbst ist nicht schlecht. Dass ein Ordnerdienst überhaupt notwendig ist, ist es allerdings schon.

von Agnes Preusser

In Wien werden ab sofort zwei Ordner unterwegs sein, die sich der herumliegenden E-Scooter in der Stadt annehmen. Und das ist schlicht ein Armutszeugnis.

Nicht die Initiative selbst ist schlecht, die übrigens von drei der fünf Leihroller-Anbieter finanziert wird. Dass man etwas gegen das Chaos auf den Gehwegen tun muss, ist schließlich ziemlich offensichtlich.

Insbesondere, da die kreuz- und querliegenden E-Scooter für mobilitätseingeschränkte Personen ein großes Hindernis und für sehbehinderte Menschen sogar eine Gefahr darstellen.

Nicht das erste Mal

Es ist vielmehr ein Armutszeugnis, dass ein Ordnerdienst überhaupt notwendig ist. Es ist nicht das erste Mal, dass in der Stadt ein grundsätzlich erstrebenswertes Projekt nachjustiert werden muss.

Im Jahr 2002 wurde zum Beispiel Viennabikes ins Leben gerufen – gratis Räder für die Bewohner. Weil zu viele Räder im Donaukanal landeten, wurde alles neu aufgesetzt. Beim jetzigen Angebot, Citybike Wien, muss man sich registrieren und haftet selbst für das Rad.

Räder konnte man also nicht kostenlos zur Verfügung stellen, weil es lustiger war, sie in den Fluss zu werfen. E-Scooter, die einem ebenfalls nicht gehören, werden einfach fallen gelassen, weil es schon irgendwer wegräumen wird.

Quer durch alle Altersschichten

Jetzt alles Teenagern zuzuschreiben, dürfte übrigens nicht der richtige Schluss sein. Der E-Scooter ist in fast allen Altersschichten angekommen. 40 Prozent aller Unfälle (die teilweise wohl auch mit Selbstüberschätzung tun haben) verursacht laut Kuratorium für Verkehrssicherheit etwa die Altersgruppe 25 bis 39 Jahre.

Wenn so einfache Dinge des gesellschaftlichen Miteinanders nicht funktionieren, darf man sich jedenfalls nicht wundern, wenn in der Stadt Waste Watcher das Aufräumen kontrollieren oder in der U-Bahn das Essen verboten ist.

Und in Wahrheit darf man sich auch nicht wundern, wenn mit diesen Voraussetzungen in einer Pandemie mehr auf strenge Verordnungen und weniger auf Eigenverantwortung gesetzt werden muss.

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