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Mein Freitag
11/26/2021

Ein Lockdown-Spaziergang ins bürgerliche Wien – und die 1930er-Jahre

Der Eingang zum Mietshaus am Modenapark 3 ist vielleicht einer der schönsten in Wien.

Beige schimmerndes Mosaik, filigrane Stehlampen mit goldenen Stehern auf grünen Marmorsockeln. Grau-roter Terrazzoboden, roter Teppich. Auf jeder Seite ein großer und ein kleiner Terracotta-Blumentopf.

Nur eine leere Colaflasche links zerstört die Art-Déco-Symmetrie.

Endlich stand die Tür zum Haus Nummer 3 am Modenapark einmal offen. Der Eingang zu diesem Mietshaus ist vielleicht einer der schönsten Wiens. Über das Haus selbst ist nicht viel bekannt. Es stammt aus den frühen 1930er-Jahren und wurde wahrscheinlich von Architekt Friedrich Mahler geplant. Große Fenster, eine Zeile mit Balkonen, kein Schnickschnack.

„Bemerkenswert“, wie Historikerin Barbara Feller von der Architekturstiftung sagt, ist aber das Ensemble, in das das Haus mit der Nummer 3 eingebettet ist. Dort, beim Modenapark in der bürgerlichsten Ecke des 3. Bezirks, stehen Häuser aus verschiedenen Epochen so beieinander, als hätten sie schon immer zusammengehört.

So etwas wie dort, sehe man in Wien sonst nie.

Es sind moderne private Wohnhäuser. Einige sind zur Zeit des Austrofaschismus entstanden, als kommunaler Wohnbau kaum stattfand. Das Eckhaus mit der Nummer 7 und den großen, grünen Fenstern ist von Architekt Rudolf Frass und wurde von 1930 bis 1931 erbaut.

Das Hochhaus ganz hinten stammt aus den 1960er-Jahren. Geplant hat es Carl Appel, jener Architekt, der auch für das Wiener Hotel Intercontinental verantwortlich zeichnete. Beeindruckend ist auch das Wohnhaus in der Neulinggasse 52, das Siegfried Drach von 1935 bis 1938 gebaut hat: Das Stiegenhaus ist mit Stahlblech verkleidet, die Hofseite – damals ganz untypisch – verglast.

Bleibt zu hoffen, dass die Tür zu diesem Haus bei einem der nächsten Lockdown-Spaziergänge auch endlich einmal offen steht.

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