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Mein Freitag
04/16/2021

Ein hohes Haus in einer Innenstadt mit anderen hohen Häusern

Was soll passieren, wenn die UNESCO der Wiener Innenstadt tatsächlich ihren Status als Weltkulturerbe aberkennt?

von Julia Schrenk

Perspektive. Schön mittig vor den Stufen platzieren, Blick nach vorne. So klappt es mit dem Canaletto-Blick. Benannt nach Bernardo Bellotto – Spitzname Canaletto – zeigt er den unverstellten Blick vom Oberen Belvedere auf die Innenstadt in der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Was auffällt, wenn man sich diesen berühmten Blick dieser Tage gönnt?

Nix.

Der Stephansdom ragt noch immer dort heraus, wo er schon seit jeher herausragt, die Kuppel der Karlskirche auch, nur die Baukräne stehen öfters woanders. Am Beginn der Debatte um das Hochhaus am Heumarkt ging es vor allem um den Canaletto-Blick. Den dürfe das böse Hochhaus nämlich keinesfalls verstellen.

Acht Jahre ist das her. Seitdem wurde dreimal umgeplant, es hätte fast die Wiener Grünen gesprengt, aber passiert ist immer noch nichts.

Das liegt vor allem an der UNESCO, die Wien in (un)regelmäßigen Abständen mit der Aberkennung des Welterbestatus droht, wenn das Hochhaus zu hoch wird. Das ist lustig, weil der Welterbestatus rein symbolischer Natur ist. Indem sie Kultur- und Naturstätten zum Welterbe macht, schützt die UNESCO diese etwa vor drastischen baulichen Eingriffen. Das ist toll – grundsätzlich.

Man kann es aber auch übertreiben.

Was soll passieren, wenn das Hochhaus gebaut wird und die UNESCO den Status tatsächlich aberkennt? Der Wien Tourismus muss seine Folder umschreiben und seine Website aktualisieren? Die Kaffeehäuser können noch mehr angeben, weil sie weiterhin „immaterielles Kulturerbe“ sind?

Bei der Urlaubsplanung werden potenzielle Wien-Touristinnen und -Touristen wohl kaum sagen: Oh, na wenn die Wiener Innenstadt kein offizielles Weltkulturerbe mehr ist, dann fahren wir da jetzt nicht hin!

Die Stadt wäre gut beraten, sich nicht noch länger von allen Seiten Handlungsanleitungen geben zu lassen. Das kann ganz schön den Blick verstellen, vor allem auf das Wesentliche: Das Hochhaus am Heumarkt ist auch nur ein hohes Haus in der Innenstadt einer Millionenstadt, in der schon andere hohe Häuser stehen.

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