Bisher unveröffentlichte Visualisierung: Ein 55 Meter hoher Hotelblock und ein 27 Meter hohes Bürogebäude bilden den „Plan B“.

© Visualisierung/Stadt Wien, WertInvest

Chronik Wien
04/13/2021

Wiener Heumarkt: Und wieder wird umgeplant

Die Stadt und Investor Tojner verwerfen nach neuen Debatten ihren "Plan B" - und machen das Gebäude noch einmal niedriger.

von Stefanie Rachbauer, Christoph Schwarz

Es ist noch nicht einmal eine Woche vergangen, seit der KURIER den bis dahin geheimen „Plan B“ für den Heumarkt veröffentlicht hat: Der geplante Wohnturm, an dem sich die Welterbe-Hüter der UNESCO besonders stören, ist in dem Konzept gestrichen worden. Dafür wird das ebenfalls vorgesehene Hotel- und Kongressgebäude höher, konkret 55,2 Meter. Dass das für die UNESCO niedrig genug sei, daran wurden aber seit vergangener Woche massive Bedenken laut.

Jetzt ist schon wieder alles anders: Wie der KURIER erfahren hat, wird „Plan B“ von der Stadt nicht mehr weiterverfolgt. Es wird wieder einmal umgeplant – quasi auf „Plan C“.

Seit Anfang an wird vor allem über die Gebäudehöhen gestritten. Um den Welterbe-Status zu retten, der durch den Heumarkt-Umbau in Gefahr ist, hat die Stadt 2019 bekanntlich ein neues Baukonzept für das Areal angekündigt – den besagten „Plan B“ –, die Details aber stets unter Verschluss gehalten. Das alles erfolgte in Abstimmung mit Michael Tojner, der das Areal neu bebauen will.

55 Meter sind zu hoch

Eigentlich sollte der „Plan B“ die UNESCO besänftigen, die sich wünscht, dass sich der Neubau an der Höhe des bestehenden Hotel Intercontinental orientiert. Das wären aber 43 Meter – und nicht, wie im „Plan B“ vorgesehen, 55 Meter.

An dieser Stelle kommt der neue „Plan C“ ins Spiel. Er baut auf „Plan B“ auf. Die UNESCO habe der Stadt rückgemeldet, dass die Ansätze in „Plan B“ gut seien, sagt Ernst Woller (SPÖ), Landtagspräsident und Welterbe-Sonderbeauftragter, im Gespräch mit dem KURIER. Offenbar gab es aber auch Verbesserungsbedarf. Und deshalb verhandeln die Stadt, Tojner, der federführende Architekt Isay Weinfeld und die Welterbe-Hüter nun die neue Version.

Enges Korsett

„Wir arbeiten an geringfügigen Veränderungen, sodass eine Variante entsteht, die doch etwas anders ist“, sagt Woller. Wie diese genau aussieht, verrät er (noch) nicht. Aber: „Natürlich ist die Höhe der entscheidende Faktor.“ Die Gespräche seien „sehr kompliziert“. Nicht zuletzt, weil sie wegen Corona virtuell geführt werden müssen.

Und: Das Korsett, in dem man sich bewege, sei eng. Immerhin gelte es, auf der Fläche ein Hotel mit rund 460 Betten, ein Kongresszentrum für 2.000 Personen, den traditionsreichen Wiener Eislaufverein und öffentliche Wege unterzubringen.

Man versuche also, zwei Ziele miteinander in Einklang zu bringen, sagt Woller: den Erhalt des Welterbes und die neue Bebauung.

Wie diese vereint werden, das soll in den nächsten Wochen klar sein: Im Mai soll der neue Plan der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Gutachten wurde publik

Bewegung kommt zugleich in die Debatte um jenes Gutachten, das die Stadt beim renommierten Denkmalschutz-Experten Manfred Wehdorn in Auftrag gegeben hat. Dieses sollte die Welterbe-Verträglichkeit des nun überkommenen „Plan B“ bestätigen.

Auch das Gutachten, das 90.000 Euro kostete, wurde nie publik gemacht. Erst nach einem KURIER-Bericht hat es die Stadt jetzt auf ihrer Homepage veröffentlicht. 

Im Gutachten ist zu lesen, wie Wehdorn die Gebäudehöhe von 55 Metern rechtfertigt: Der „Vergleich mit anderen Bauten der Nachkriegsära“, die „unmittelbar an die Grenze des Welterbegebietes“ liegen, zeige, „dass es heute bereits im Stadtgefüge des Welterbeareals ähnliche Bauhöhen, Scheibenflächen und Volumen gibt“, schreibt Wehdorn. (Details siehe Faksimile.)

Heißt: Weil auch andere Bauten deutlich höher seien, solle die UNESCO beim „Kompromissvorschlag“ der Stadt eine Auge zudrücken.

Bezahlt wurde die Studie aus dem Budget von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) – was eigenartig anmutet. Die Offizielle Begründung: Die „Kulturabteilung“ sei für das kulturelle

Erbe Wiens zuständig. Der wahre Grund: Die SPÖ wollte nicht, dass die eigentlich zuständige Ex-Planungsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) vom Gutachten erfährt – und „versteckte“ es im Kulturressort. Als der Auftrag erfolgte, war die SPÖ mit Hebein schon zerstritten.

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