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Leitartikel
09/08/2021

Grüner Aktionismus gefährdet Jobs

Eine zu schnelle Transformation der Autoindustrie kann Europas Konzerne bedrohen. Die Politik sollte den Verbrenner noch nicht aufgeben.

von Robert Kleedorfer

Eine Handvoll Aktivisten hat die Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA am Dienstag in München dazu genutzt, um publikumswirksam vor den Messetoren zu zeigen, was sie vom motorisierten Individualverkehr hält: so gut wie nichts.  Die Branche sei rücksichtslos und betreibe ein schmutziges Geschäft. Die Umstellung weg vom Verbrennermotor hin zum Elektroantrieb komme viel zu spät, so der Hauptvorwurf, primär  an die deutschen Autobauer im Land gerichtet. Die Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace haben nun sogar Klimaklagen gegen die Hersteller angekündigt, um zu verhindern, dass diese nach 2030 noch Autos mit Verbrennermotoren produzieren.

Der Vorwurf des langsamen Handelns ist bei genauerer Betrachtung  ziemlich aus der Luft gegriffen. Die Branche steckt Dutzende Milliarden in den technologischen Wandel und treibt diesen sogar aktiv voran. VW-Tochter Audi etwa  will schon Mitte des Jahrzehnts das letzte Verbrennermodell in Europa auf den Markt bringen. Die EU strebt erst für 2035 ein Neuzulassungsverbot für Verbrenner an.

Simple Fahrräder

Der größte Umbruch in der Branche kann schlichtweg nicht von heute auf morgen erfolgen, dazu ist die Entwicklung und Fertigung zu komplex. Die Ideen zu jenen Neuwagen, die heute in den Schauräumen stehen, wurden erstmals rund um 2015 geboren. Ein Auto ist schließlich kein vergleichsweise technisch recht simples Fahrrad.

Es wäre wirtschaftspolitisch auch höchst fahrlässig, die ohnehin schon laufende Umstellung weiter zu beschleunigen. Denn noch immer besitzen  die deutschen Autobauer generell die Technologieführerschaft (bezüglich Elektro holen sie rasend schnell zu Tesla auf) und die Marktmacht. Wer sich in Hektik übt und sich dabei überdribbelt, kann schnell auf der Verliererstraße landen. Und dabei Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr bringen, auch bei Zulieferern im In- und Ausland. Schon jetzt wackeln infolge von Chipmangel und der beginnenden Transformation viele Jobs.

Schwache Infrastruktur

Zudem: was nützen viele Elektroautos, wenn die Infrastruktur dafür hinterherhinkt?  Sprich: eine entsprechende Zahl
an (Schnell-)Lademöglichkeiten und ein leistungsstarkes Stromnetz, durch das ausreichend (grüne) Energie fließt, sind Voraussetzung für den Marktdurchbruch.

Da nützen auch die (teils übertrieben hohen) Förderungen  nichts, wenn die Menschen in E-Autos keine Vorteile sehen und lieber ihre alten Fahrzeuge so lange fahren, bis diese auseinanderbrechen. Und das wäre im Sinne der Umwelt kontraproduktiv. Ohnehin richtig wäre es, wenn die Konsumenten über den Antrieb ihrer Wahl entscheiden. Der Verbrenner hat sein gesamtes Potenzial noch nicht abgerufen. Technologieoffenheit wäre daher der richtige Zugang. Doch das ist politisch nicht opportun.

 

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