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Meinung
01/26/2020

Großer Sport und kleiner Grenzverkehr

"Tagebuch": Die Streif forderte keine ernsthaft Verletzten, obwohl Geschwindigkeiten erreicht wurden, die auf der Autobahn verboten sind.

von Wolfgang Winheim

Als Matthias Mayer mit Nummer 13 zum Sieg raste, fehlte mit Werner Kogler der (in diesem Jahrtausend bereits) 13. politische Obersportler der Alpenrepublik. Was den neuen Sportminister nicht unbedingt Sympathien kosten muss, wenn er sich konträr zur Tradition von Vorgängern vom winterlichen Jahrmarkt der Eitelkeiten fernhält. Zudem gab es in Kitz ohnehin genug Gründe, um das alpine Spektakel durch die rot-weiß-rosa Ski-Brille zu sehen.

A) konnte erstmals in dieser Saison nach einer Weltcup-Abfahrt die österreichische Hymne gespielt werden. B) wurde im Nationencup der Rückstand gegenüber der Schweiz so sehr verringert, dass ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wieder realistisch hoffen darf, dass in dessen 30-jähriger Erfolgsära die Nummer-1-Position doch nicht erstmals eingebüßt wird. Und C) ist nach dem Ausfall von Kitz-Vorjahressieger Dominik Paris (Kreuzbandriss beim Training in Kirchberg) erstmals in dieser Saison bei einem Weltcup-Speedspektakel die Unfallserie gerissen.

143 Stundenkilometer

Sowohl beim Super-G als auch bei der Abfahrt blieb der Rettungshubschrauber auf dem Boden. Just die Streif forderte (weil bestens präpariert) keine ernsthaft Verletzten, obwohl Geschwindigkeiten erreicht wurden, die auf der Autobahn verboten sind: Beat Feuz 143,3 km/h, Steven Nyman 142,4, Mayer 142,0, Max Franz 141,9, Thomas Dreßen 141,5, ... Vincent Kriechmayr 139,2.

Noch zu Hermann Maiers Rennzeiten musste gelogen werden, dass sich die 2,18-Meter-Latten bogen, durften Tempomessungen (um Versicherungen zu täuschen) nicht an den schnellsten Passagen erfolgen. Auch hohe Veranstalter-Preisgelder galten jahrzehntelang anders als bei vielen anderen Sportarten als undenkbar.

100.000 Euro

Matthias Mayer wird von Kitzbühel mit 100.000 Euro brutto belohnt. Zum Vergleich: Dominic Thiem hatte sein Kitzbüheler Turniersieg im Juli 90.390 Euro (exklusive inoffiziellem Startgeld) beschert.

Der Kitzbüheler Ski-Club zahlt die höchsten Prämien. Dabei wussten dessen Funktionäre, dass nicht ein einziger Euro der Rekordpreisgelder an einen Kitzbüheler gehen und Hansi Hinterseer (Slalom-Triumphator 1974) weiterhin der letzte siegreiche Lokalmatador bleiben werde. Mehr noch:

Kein Tiroler gehört dem aktuellen ÖSV-Speedteam an. Zumal der einstige Junioren-Weltmeister Romed Baumann aus Hochfilzen als Siebenter die 36 Weltcuppunkte für den Deutschen Ski-Verband einfuhr. Baumann hat eine Bayerin geheiratet und im Sommer nach einer verpatzten Saison die ÖSV-Freigabe ohne viel Trara für den DSV erhalten. Wie überhaupt der kleinen Grenzverkehr amikal zu funktionieren scheint. So lebt der Schweizer Beat Feuz mit seiner Tiroler Lebensgefährtin nahe Innsbruck, so zog der Bayer Thomas Dreßen der Liebe wegen nach Oberösterreich. Der Norweger Henrik Kristoffersen und der Franzose Alexis Pinturault wiederum haben ihren Wohnsitz aus sportlichen Gründen ins Salzburger Land verlegt. Knapp 40 Autominuten vom steirischen Schladming entfernt.

Den Nachtslalom am Dienstag nennt Kristoffersen sein Heimrennen. Dort fühlt sich auch der Steirer Kogler wie z’haus. Dort hatte er sich an der Planai unter die 50.000 gemengt, als noch überhaupt keine Red’ von Vizekanzler und Sportminister gewesen war.

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