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Meinung
11/23/2021

ORF 2022: Die größte Elefantenorgel

Der ORF wird 2022 teurer, etwas türkiser und noch ein bisschen rustikaler. Das ist aber nicht alles, was wir von ihm erwarten dürfen

von Philipp Wilhelmer

Der ORF wird kommendes Jahr wieder teurer – aber was haben wir davon? Am Dienstag präsentierte der Öffentlich-Rechtliche seine Programminnovationen für das kommende Jahr, das in mehrerlei Hinsicht speziell ist. Mit Jänner übernimmt der türkise Wunsch-General, Roland Weißmann, das Chefzimmer am Küniglberg, die Gebühren werden um geschätzte 50 Millionen Euro pro Jahr erhöht (Details ließ sich der ORF bisher noch nicht entlocken), und auch sonst steht das Unternehmen so sehr auf dem Prüfstand wie selten zuvor.

Kann Weißmann die größte Medienorgel des Landes bedienen? Und wie hält er es mit der Nähe zu jenem politischen Lager, das ihn mit großem Nachdruck in den Sattel gehievt hat?

In der Programmvorschau 2022 deutet nichts darauf hin, dass Weißmann es nicht könnte, wiewohl da auch Noch-Generaldirektor Alexander Wrabetz seine Handschrift angebracht hat. Was auffällt: Das kleinkarierte rot-weiße Tischtuch, das der ORF zunehmend übers Land ausbreitet, ist wieder ein Stückchen größer geworden.

Starmania etwa, das sich auch in der Wiederauflage als breitenwirksame Fläche bewährte, auf der junge Menschen ihre Identität in der Öffentlichkeit ausprobieren durften, wird in der Fortsetzung im März „erweitert“: Der Schlager soll auch seinen Platz haben, soviel Harmlosigkeit muss sein (sollte dort Andreas Gabalier als Juror auftauchen, wären wir zumindest nicht mehr überrascht). Und die 50 zusätzlichen Gebührenmillionen machen auch eine dritte Starnacht im Burgenland möglich. Wenn der ORF nicht achtgibt, wird er in der Unterhaltung ein Servus TV mit mehr Budget für Liveshows.

Das mag rustikal sein, (partei-)politisch ist das alles noch nicht. Es ist auch nicht anzunehmen, dass sich die ÖVP darüber freut, dass die politische Satire wieder ausgebaut wird – der rasende „Reporter“ Peter Klien wurde jüngst dabei beobachtet, wie er Sebastian Kurz mit der Kamera verfolgte.

Wie sehr die Politik bei Personalentscheidungen mitredet, ist unabhängig davon auch weiterhin befremdlich.

Stellt sich einmal mehr die Frage: Was wollen wir als Publikum für unser nicht ganz freiwillig überwiesenes Geld?

Kritische Nachrichten wie die ZiB 2, aufklärende Sendungen wie die jüngste Stöckl zum Thema Impfen, die Impflotterie und überhaupt: mehr leicht konsumierbare Fakten für breite Gruppen der Bevölkerung zu den Leidensthemen unserer Zeit. Pandemie und Klimaerwärmung bieten große Flächen für falsche Information, schlechte Abwägungen und üble Propaganda. Hier braucht es ein starkes Gegengewicht. Und neben den seriösen Zeitungen kann das der Elefant ORF perfekt verkörpern.

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