Billigkräfte in der Pflege: Das Leid der Betreuerinnen

Billigkräfte in der Pflege: Das Leid der Betreuerinnen
Niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten setzen den 24-Stunden-Betreuerinnen zu. Dabei sind sie eine tragende Säule im Sozialsystem. 14 Betroffene berichten, wie sie behandelt werden.

"Ich fühle mich manchmal wie eine Prostituierte. Du machst deine Arbeit, jeder nimmt sich seinen Teil, und du stehst blank da", sagt Dubravka. Die Kroatin ist 24-Stunden-Betreuerin und nur eine von vielen, die dem KURIER Einblick in eine Branche im Schattendasein gewährt hat. Zu Wort kommen sie in der Öffentlichkeit nur selten. Dabei sind sie eine wesentliche Säule im Sozialsystem und sorgen dafür, dass Zehntausende Menschen zu Hause versorgt werden können.

Viele beklagen unwürdige Arbeitsbedingungen, beinahe alle zu niedrige Löhne und Arbeitszeiten, die an die Substanz gehen. "Manche Familien erwarten, dass wir für 700 bis 800 Euro Lohn 14 Tage am Stück arbeiten - und täglich zwei oder gar drei Schichten verrichten", berichtet Betreuerin Edita.

Die meisten Frauen nennen zwei Ursachen für die Missstände in der Branche: den Staat und die Agenturen. Letztere werben die Betreuerinnen an und vermitteln sie an Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen. „Das ist organisierter Kriminal. Und der Staat schaut weg“, sagt Betreuerin Dubravka. Große Hoffnung setzt sie in die Organisation vidaflex, die gegen Missstände in der Branche mobilmacht.

Kommentare