Es herrscht Uneinigkeit bei der Arbeitserlaubnis für Asylwerber.
Es herrscht Uneinigkeit bei der Arbeitserlaubnis für Asylwerber.

© APA/dpa/Marijan Murat

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07/19/2021

"Kriminalität würde sinken, wenn man mehr Möglichkeiten zum Arbeiten hätte"

Seit über zehn Jahren lebt Mohammad B. in Österreich. Acht davon verbrachte er im Asylverfahren.

von Naz Kücüktekin

Im Jahr 2011 flüchtete der gebürtige Afghane Mohammad B. nach Österreich. Krieg, die Taliban und fehlende Zukunftsaussichten, waren bei ihm, wie bei vielen anderen jungen Afghanen auch, Grund, die Heimat zu verlassen. „Eigentlich will niemand weg von der eigenen Heimat. Aber viele von uns sind schon im Krieg geboren. Ich konnte deswegen nie eine Schule besuchen. Man hat kaum andere Aussichten, als irgendwann getötet zu werden“, erzählt er.

Seither lebt Mohammad B. in Wien. Er hat hier viele Freunde, eine österreichische Familie, die im Jahr 2013 aufgenommen, spricht einwandfrei Deutsch und hat einen Job als Lieferant bei einem Liefer-Service. Immer wieder betont er, wie sehr er diese Stadt liebt und was für ein Glück er hat, hier zu wohnen. „Ich sehe meine Zukunft in Wien“, sagt der gebürtige Afghane.

Fast abgeschoben

Bis Mohammed B. in Österreich auf eigenen Beinen stehen konnte, war es aber ein langer Weg. Acht Jahre dauerte es, bis sein Asylverfahren beendet wurde. Mehrere negative Asylbescheide, zweimal Schubhaft und androhende Abschiebungen nach Kabul durchlief der 27-Jährige. „Das erste Mal hätte ich 2013 abgeschoben werden sollen. Da wurde aber nicht nach Afghanistan abgeschoben. Daher wurde ich geduldet“, erzählt er.

Das zweite Mal hätte Mohammad B. 2017 abgeschoben werden sollen. „Um fünf Uhr in der Früh standen auf einmal Polizisten in meinem Schlafzimmer und nahmen mich mit in die Schubhaft“, erinnert er sich zurück. Nach einem langen Kampf, auch von Familie und Freunden, durfte Mohammad dann doch bleiben. „Die Abschiebung beruhte auf der Entscheidung aus dem Jahr 2012 und war nicht mehr zulässig“, so Mohammad B. Seit 2019 hat er nun einen positiven Asylbescheid.

Ehrenamtliche Arbeit

Das Schwierigste in all den Jahren, sei für ihn gewesen, nicht die Hoffnung zu verlieren. „Man glaubt immer, man verlässt Afghanistan und kann dann in Sicherheit und Freiheit leben. Aber als Flüchtling hat man in Österreich kaum Freiheiten. So wie es jetzt ist, kann man eigentlich gar nicht selbstständig sein“, erzählt er.

Mohammad B versuchte dennoch immer aktiv zu sein. Er war etwa Teil des Vereins "Afghanische Jugendliche – neuer Start in Österreich", hat ein Fußballturnier unter dem Motto "Von Kabul bis Wien" organisiert oder für die Volkshilfe gearbeitet. Das alles machte er ehrenamtlich. „Damit werde ich auch in Zukunft nicht aufhören“, betont er.

Zuletzt durften Asylwerber nur befristet als Saisonarbeiter oder Erntehelfer eingesetzt werden. Nach der Klage einer Tiroler Spenglerei hob der Verfassungsgerichtshof vergangene Woche zwei Erlässe auf, die zu diesen Beschränkungen führten. Verschiedene NGOs, Grüne und Neos begrüßten die Entscheidung. Endgültig dürfte sie aber nicht sein. Das  Arbeitsministerium will am Status quo festhalten. Minister Martin Kocher (ÖVP) hat per Erlass festgelegt, dass das AMS bei der Jobvermittlung im Einzelfall stärker darauf achten muss, ob für die Stelle nicht auch ein Österreicher, EU-Bürger oder jemand mit Aufenthaltstitel zur Verfügung steht.

Eigenes Geld verdienen

Dass die Menschen gerade während des Asylverfahrens die Möglichkeit bekommen, ihr eigenes Geld zu verdienen, ist für Mohammad B. aber ein wichtiger Punkt.
„Wenn man von 40 Euro in der Woche leben muss, überrascht es mich nicht, dass Asylbewerber schwarzarbeiten gehen oder auf die schiefe Bahn geraten. Davon haben aber weder sie noch der österreichische Staat etwas. Ich bin mir sicher, die Kriminalität bei Flüchtlingen würde sinken, wenn man ihnen mehr Möglichkeiten zur Arbeit und Ausbildung geben würde“, ist der 27-Jährige überzeugt.

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