© Stone/Getty Images

So leben wir morgen
05/21/2016

Urlaub im All

Das Ende einer Serie. Mit einem Ausflug in den Weltraum.

von Michael Horowitz

Vieles in dieser Zukunfts-Serie hat an Science-Fiction erinnert. Wie Urlaub im Weltall. Für manche eine beklemmende Vision. Andere schwärmen davon: Den ungetrübten Blick auf die Sterne genießen, in der Schwerelosigkeit schweben, alles auf der Erde zurücklassen.

Milliardäre wie Richard Branson und Robert Bigelow forcieren – trotz des Absturzes des SpaceShipTwo in der Mojave-Wüste, bei dem der Pilot ums Leben kam – ihre Vision für Urlaub im All weiterhin ungebremst. Bigelow, der über 70-jährige Pionier der privaten Raumfahrt, finanziert seine Weltraumtourismus-Pläne durch den Besitz einer Hotelkette. Auf der Erde. Jetzt will er auch die Vision von Hotels im Weltall verwirklichen: Kürzlich gab seine Firma Bigelow Aerospace bekannt, bereits 2020 ein voll funktionsfähiges Modul im All aufzubauen. Vorerst für wissenschaftliche Zwecke – später auch als Hotel genutzt.

Bigelows Technologie für Raummodule greift auf eine besondere Technologie zurück – sie sind aufblasbar. Zusammengefaltet werden die Module ins All geschossen und dort durch das Einpumpen von Pressluft auf die volle Größe ausgeweitet. Vor kurzem brachte Elon Musks Unternehmen SpaceX bereits das 1.360 kg schwere Bigelow-BEAM-Modul zur internationalen Raumstation ISS, in wenigen Tagen wird es aufgeblasen und mit Hilfe von Roboterarmen an der Raumstation andocken. Das Modul mit 3,2 Meter Durchmesser soll zwei Jahre an der ISS angedockt bleiben. Die Astronauten werden vor allem die Strahlenbelastung innerhalb der BEAM-Blase messen. Nach zwei Jahren wird das Modul zurück in die Erdatmosphäre geschubst und dort verglühen. Dann wird Bigelow wissen, ob er seinen Traum von Space-Hotels im Orbit weiterträumen kann.

Und wir werden wissen, ob unsere Enkel in 30, 50 Jahren Urlaub im All – vielleicht sogar auf dem Mond oder Mars – verbringen können. Und wollen. In einer extrem lebensfeindlichen Umgebung. Ohne Sauerstoff, bei sehr tiefen Temperaturen, starker Strahlenbelastung. Keine idealen Urlaubs-Bedingungen. Irmgard Marboe von der Universität Wien meint, Urlaub im All ist alles andere als Erholung: „Die psychischen und physischen Belastungen sind enorm. Aber es gibt ja auch Extrembergsteiger und Tiefseetaucher, die ihre Aktivitäten als Urlaub ansehen. Eine Kombination von beidem wäre wohl das Profil eines Weltraumurlaubers.“ Die Vision, dass ein Leben auf dem Mond oder Mars einmal möglich sein könnte, beschäftigt jedenfalls bereits Juristen: „Es gibt Überlegungen, wie sich eine Kolonie von Marsianern von den Erdianern für unabhängig erklären und ein eigenes Rechts- und Politiksystem aufbauen könnte“, meint Marboe ...

So, das war die letzte Folge unserer gemeinsamen Reise in die Zukunft. Vieles hat an Science-Fiction-Filme erinnert. Atemberaubende Visionen und Entwicklungen werden nachhaltig unser Leben verändern. Auch verbessern. Viele lebensbedrohliche Krankheiten werden heilbar, ein Kind, das heute geboren wird, hat eine 50-prozentige Chance, hundert Jahre alt zu werden. Die Wissenschaft weist uns den Weg. Doch gehen müssen wir ihn selbst. In einer Zeit, in einer Welt, die von manchmal beklemmendem Fortschritt geprägt ist. Wir müssen die Weichen für die Zukunft unseres Lebens stellen. Sonst ist es sinnlos, hundert Jahre alt zu werden.

Wie ist die Rechtslage im Weltraum? Juristen wie Irmgard Marboe von der Uni Wien suchen bereits nach Antworten.



Soeben erschienen:
Michael Horowitz
DIE WELT VON MORGEN
60 Visionen für ein besseres Leben
METROVERLAG 19,90 €


michael.horowitz@kurier.at

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