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Lifestyle Fragen an das Leben
02/28/2020

Darf ich dem Gastgeber sagen, dass ich im Fasten-Modus bin?

In der Fastenzeit verzichten viele auf bestimmte Nahrungsmittel. Wie geht man in dieser Zeit mit Einladungen um?

von Ingrid Teufl

Liebe Freunde, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte, laden zum Essen ein – und nach langem Suchen findet sich endlich ein Termin. Der liegt allerdings schon in der Fastenzeit; und den geplanten Verzicht will man dieses Jahr durchhalten. Nun sind allerdings die Gastgeber bekannt für ihre besonderen Menüfolgen, für deren Planung und Ausführung sie sich viel Zeit nehmen.

Verschweigen oder informieren?

Was also tun? Gleich absagen? Dann würde noch mehr Zeit bis zu einem schon ersehnten Treffen vergehen. Oder die Gastgeber über das Fastenvorhaben informieren? Zugegeben, diese Fragen klingen ein bisschen nach  Erste-Welt-Problemen; sie kommen aber gar nicht so selten vor.

Es ist wieder modern geworden, die  40-tägige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern  für einen bewussten Verzicht zu nutzen. Auch oder sogar, wenn man  der Kirche längst den Rücken gekehrt hat. 

In der christlichen Tradition konzentrierte sich dieses Vorhaben über Jahrhunderte auf das Verzichten auf Nahrung; und das ist noch immer die beliebteste Form.   Man verzichtet zum Beispiel auf Fleisch, Kaffee, Süßigkeiten, Alkohol – oder  auf alles zusammen. Doch auch das sogenannte strenge Fasten, die ursprüngliche kirchliche Vorgabe,  findet in einer Gesellschaft im Nahrungsüberfluss zunehmend Interesse. Da ist pro Tag nur eine sättigende Mahlzeit erlaubt sowie kleine Stärkungen zwischendurch (z. B. eine Scheibe Brot oder ein Stück Obst).

Charmant ansprechen

Wie auch immer man seine persönliche Fastenzeit auslegt: Offenheit und Informieren ist der ideale Weg bei privaten Essenseinladungen.  „Man darf sagen, dass man gerade im Fasten-Modus ist“, sagt KURIER-Kolumnistin und Gastrosophin Johanna Zugmann.

Sie empfiehlt, es auf die charmante Art kundzutun. Sonst kann es schnell nach einem Aufzwängen der eigenen Regeln klingen.   „Wenn man keinen Alkohol trinkt, könnte man sagen: ‚Mit uns wirst du diesmal keine große Freude haben, wir trinken gerade nichts. Willst du dir das wirklich antun?’“  Fleisch-Faster könnten wiederum auf die Vorbereitung  abzielen. Etwa so: „Nur wegen deiner Kalkulation – wir essen derzeit kein Fleisch.“ Der Gastgeber weiß damit Bescheid und kann  vegetarische Alternativen wie interessante Gemüsevariationen vorbereiten.

Eigene Befindlichkeit reduzieren

Für Eventmanagerin Hannah Neunteufel (Hannah’s Plan) ist bei Einladungen „das Reduzieren eigener Befindlichkeiten auf das absolute Minimum“ hingegen eine „Art von Anstand“ – Allergien oder Unverträglichkeiten natürlich ausgenommen. Ansonsten lässt man bei Tisch ohne viele Worte dann das Ungeliebte einfach weg oder nimmt nur eine halbe Portion.

Was die Fastenzeit betrifft, ist sie ein Fan klarer Worte. „Wenn ich streng faste, bitte ich um Verständnis, die Einladung  aus Höflichkeitsgründen dem Gastgeber gegenüber ausschlagen zu müssen.“ Dazu könne man ein späteres Nachholen in Aussicht stellen.

Wer selbst zum Essen einlädt, nimmt meist angesichts zunehmender Unverträglichkeiten  ohnehin das ganze Jahr über Rücksicht. „Ich frage immer nach, ob jemand etwas nicht isst“, sagt Johanna Zugmann. Neunteufel spricht von „Gastgeber-Empathie“: „Man kann in der Fastenzeit oder  aus Rücksichtnahme von vornherein leichte Speisen servieren oder auf Zucker verzichten, wenn man weiß, dass das Thema schlagend werden könnte.“