Leben
05.07.2018

Wie Medien unwissentlich Geld an Melania Trump bezahlt haben

Eine Vereinbarung mit Getty Images sieht vor, dass bestimmte Bilder der Trumps nur für positive Berichte verwendet werden dürfen.

Seit dem Amtsantritt ihres Mannes soll Melania Trump allein im Jahr 2017 mit einem lukrativen Fotodeal zwischen 100.000 und einer Million Dollar verdient haben. Das geht aus einem Bericht des amerikanischen Senders NBC hervor. Laut diesem zeige die jüngste Offenlegung der Einkommensverhältnisse des Ehepaars Trump, dass zahlreiche Medienunternehmen indirekt Lizenzgebühren an Melania Trump bezahlt hätten. Hintergrund ist ein Vertrag zwischen der First Lady und der Fotoagentur Getty Images, demzufolge sie Tantiemen für ausgewählte Bilder der belgischen Fotografin Regine Mahaux erhält. Insgesamt umfasst der Vertrag 187 Fotos der Familie Trump, die zwischen 2010 und 2016 entstanden sind.

Weiters sieht die Vereinbarung vor, dass die Bilder nur im Rahmen einer positiven Berichterstattung verwendet werden dürfen. Die Bildagentur weist auf diese eingeschränkten Nutzungsbedingungen in den Bilddetails hin.

Verschwiegenheitsklausel

Für Prominente ist es prinzipiell nichts Ungewöhnliches, an den Tantiemen für die eigenen Bilder mitzuverdienen. Im Fall der Ehefrau eines gewählten Beamten sei das jedoch unüblich, vor allem wenn die Fotos ausschließlich für eine positive Berichterstattung verwendet werden dürfen. Sowohl Getty Images als auch das Weiße Haus wollen keine Informationen veröffentlichen, wie häufig und von welchen Nachrichtenorganisationen die Bilder verwendet wurden. Getty Images sagte gegenüber NBC News, dass die Details des Vertrags einer Verschwiegenheitsklausel unterliegen.

NBC News fand jedoch heraus, dass sie von zahlreichen Medien wie beispielsweise NBC News, Yahoo News, The Daily Mail oder Marie Claire verwendet wurden.

 

Nach der Veröffentlichung des Berichts von NBC entfernten einige Nachrichtenmedien die Bilder von ihren Websites. Ein Sprecher von NBC News sagte, dass man nie darüber informiert worden sei, dass ein Teil der Lizenzgebühren an die Familie Trump geht. Man habe außerdem keiner Vereinbarung zugestimmt oder unterschrieben, die Bilder nur im Zusammenhang mit einer positiven Berichterstattung zu verwenden. Auch Yahoo gab in einem Statement bekannt, von der Vereinbarung nichts gewusst zu haben. Die Redaktion sei davon jedenfalls nicht beeinflusst. Man habe sich dennoch dazu entschieden, die Bilder von der Website zu entfernen.

Inszenierte Bilder

Die Fotografin Mahaux sagte telefonisch gegenüber NBC, dass alles legal sei und sie weitere Fragen per Mail beantworten würde, was sie jedoch nicht tat. Sie arbeitet seit dem Jahr 2010 mit den Trumps zusammen. Gegenüber einer französischen Nachrichtenagentur sagte sie im Jahr 2017: "Ich mag es, mit dem Image der Familie zu arbeiten – es spricht mich an. Es inspiriert mich." Nicht selten sind die Trumps auf den inszeniert wirkenden Bildern in einem luxuriösen und pompösen Umfeld zu sehen.

 

Mahaux fertigte auch das offizielle First-Lady-Porträt von Melania Trump an, das der Lizenzvereinbarung nicht unterliegt. Dieses wurde jedoch aufgrund der stark eingesetzten Fotoretouche heftig kritisiert.

Ob das Geld von dem Fotodeal mit Getty Images gespendet wurde, ist nicht bekannt. Die beiden Vorgängerinnen von Melania Trump haben ihre gesamten Einnahmen jedenfalls an wohltätige Organisationen weitergegeben.