Leben
02.05.2017

Website will US-Frauen bei DIY-Abtreibung helfen

Die Reproduktionsrechte von Frauen geraten unter Donald Trump als US-Präsident immer stärker unter Druck. Eine Non-Profit-Organisation will Frauen mit rechtlicher und medizinischer Beratung dabei unterstützen, die Macht über ihren Körper zu behalten.

Abtreibungsverbote verhindern Abtreibungen nicht. Sie erhöhen sogar die Gefahr von unsicheren Abbrüchen. So lautet auch die Erkenntnis mehrerer Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Guttmacher-Instituts, die in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden. Das heißt, dass Frauen, denen eine legale Abtreibung verwehrt wird, nach einem Weg suchen werden, diese trotzdem durchzuführen. Damit setzen sie sich großen gesundheitlichen Risiken aus.

Die Trump-Administration hat bereits mehrmals gezeigt, dass es in ihrem Interesse liegt, die Reproduktionsrechte von Frauen zu beschränken. Zum Beispiel hat der US-Präsident zu Beginn seiner ersten vollen Woche im Amt die "Mexico City Policy", auch bekannt als "Global Gag Rule", wiedereingesetzt (kurier.at berichtete). Demnach dürfen künftig nur noch jene ausländischen Organisationen Entwicklungshilfe von den USA bekommen, wenn sie keine Abtreibungsberatung anbieten oder Abtreibungsempfehlungen aussprechen. Trump unterstützt auch die Aufhebung des richtungsweisenden Urteils Roe v. Wade aus dem Jahr 1973, mit dem Abtreibungen legal wurden.

Abtreibung ohne medizinische Betreuung

Die in den Niederlanden ansässige Non-Profit-Organisation Women Help Women hat auf dieses Vorgehen nun mit einer kontroversen Aktion reagiert. Sie hat Mitte April eine Website gestartet, die Frauen in den USA dabei helfen soll, ihre ungewollte Schwangerschaft selbst zu beenden. Und zwar mit Abtreibungsmedikamenten, die weder von medizinischem Fachpersonal ausgegeben worden sind, noch unter deren Aufsicht eingenommen werden.

"Frauen in den USA haben bereits solche Tabletten ohne Beratung eingenommen und tun es auch weiter", sagte Susan Yanow, US-Sprecherin der Gruppe zum Guardian. "Wenn eine Frau Angst hat und die Tabletten bereits besorgt hat und nicht weiß, was sie tun soll ... dann können wir ihr dabei helfen zu verstehen, was zu tun ist. Wir helfen ihr zu verstehen, was sie beachten muss und was passiert."

Laut dem Bericht gibt es bereits einen leichten Anstieg an Fällen, bei denen Frauen versucht haben, ohne medizinische Betreuung eine Abtreibung durchzuführen. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass die meisten dieser Frauen entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze leben würden und das Medikament Misoprostol verwenden würden. Durch dieses wird eine Fehlgeburt herbeigeführt. In einigen Apotheken in Zentralamerika kann man dieses legal kaufen, in den USA ist es allerdings nicht erlaubt, das Medikament außerhalb spezieller medizinischer Einrichtungen zu verabreichen. Women Help Women bietet Frauen nun an, über die Website Kontakt mit Beratern aufzunehmen, die ihnen in Echtzeit Schritt für Schritt erklären, wie das Medikament einzunehmen ist.

Schutz vor rechtlicher Verfolgung

Die Idee zur Website sei durch einen Bericht der amerikanischen Ausgabe des Guardian im November vergangenen Jahres entstanden. Dieser handelte von einer jungen Frau aus Texas, die sich keine Abtreibung in den USA leisten konnte und darum nach Mexiko reiste, um sich dort ein Abtreibungsmedikament zu kaufen. Gegenüber dem Guardian sagte sie, dass es ihr lieber gewesen wäre, die Abtreibung unter medizinischer Aufsicht durchzuführen.

Auf der Website selbst werden alle Beratungsgespräche nach sieben Tagen gelöscht, die Server stehen zum Schutz vor rechtlicher Verfolgung im Ausland.

"Den Frauen wird nicht geraten, die Tabletten zu nehmen", sagte Yanow zum Guardian. "Sie werden beraten, wenn sie sich bereits dazu entschieden haben, diese einzunehmen. Der Grund für das Projekt ist das Wissen darüber, dass die Frauen in dieser Angelegenheit auf sich allein gestellt sind.