Leben
20.10.2017

US-Politikerin: Frauen selbst schuld an sexueller Gewalt

Viel wird aktuell über sexuelle Gewalt gegen Frauen diskutiert. Die republikanische US-Kongressabgeordnete Eddie Bernice Johnson sorgt mit ihrer Wortspende in der Debatte für Wirbel.

Intensiv, laut und prominent wird der Diskurs rund um sexuelle Gewalt gegen Frauen derzeit geführt. Anlass für die breite gesellschaftliche Debatte ist der Fall Harvey Weinstein. Zahlreiche Schauspielerinnen, darunter Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Lupita Nyong’o werfen dem US-Filmproduzenten sexuelle Belästigung und Missbrauch vor (mehr dazu hier). Aktrice Alyssa Milano rief nach dem Aufkommen der Vorwürfe Frauen unter dem Hashtag #metoo dazu auf, ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen zu teilen und damit aufzuzeigen, dass Gewalt nicht nur in Hollywood allgegenwärtig ist (mehr dazu hier).

Während zahlreiche Menschen, unter anderem der US-amerikanische Filmemacher und Autor Jackson Kat, sexuelle Gewalt gegen Frauen als Männerproblem sehen, verortet die texanische Kongressabgeordnete Eddie Bernice Johnson die Verantwortung für derartige Vorfälle – zumindest teilweise – bei Frauen.

"Die Verantwortung der Frau"

Wie die Huffington Post und CNN berichten, sagte Johnson im Gespräch mit dem Regionalsender NBC 5, dass sie angesichts der Berichte über Harvey Weinsteins Verhalten gegenüber Frauen verärgert und enttäuscht sei. Dennoch sieht die 82-Jährige die Verantwortung für sexuelle Übergriffe durch Männer auch bei den weiblichen Opfern. "Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Frauen die gleiche Verantwortung wie Männer trugen, wenn es darum ging, wie man sich anzieht und wie man sich verhält. Ich bin von der alten Schule, wo bestimmte Verhaltensweisen einladend sein können. Es kann so interpretiert werden. Das ist, wie ich meine, die Verantwortung der Frau", sagte sie im Interview.

Außerdem betonte sie, dass sexuelle Belästigung und Missbrauch oft passieren, weil Frauen es zulassen. "Ich denke, wir müssen anfangen darüber zu sprechen, welche Kontrollmacht Frauen in solchen Situationen haben. Ich denke, dass Männer oft damit durchkommen, weil Frauen ihnen erlauben damit durchzukommen."

Täter-Opfer-Umkehr

Mit ihren Äußerungen folgt Johnson einer bekannten Argumentationslinie, die sich im Rahmen der

Täter-Opfer-Umkehr
vollzieht. Dabei handelt es sich um eine Verhaltensweise innerhalb der sogenannten Rape Culture (zu Deutsch: Vergewaltigungskultur), die sexuelle Gewalt und Vergewaltigung nicht nur weitgehend toleriert und duldet, sondern auch die Verhinderung von Vergewaltigungen den Opfern überträgt. Damit gehen wiederum die Verharmlosung des Missbrauchs an sich und die Herabsetzung Betroffener oder potenzieller Opfer zu Sexualobjekten (Victim Shaming) einher.

Nachdem die Huffington Post und andere Medien Johnsons Aussagen aufgriffen, wandte sich die Kongressabgeordnete mit einem Statement an die Öffentlichkeit und stellte darin unter anderem klar, dass "sexuelle Gewalt gegen Frauen unentschuldbar sei".

Auf Twitter verbreitete sich die Nachricht über Johnsons Äußerungen unterdessen wie ein Lauffeuer. Zahlreiche User taten ihre Kritik an dem Standpunkt der Politikerin kund: