Fotoserie thematisiert Vergewaltigungs­kul­tur

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Foto: Yana Mazurkevich Künstlerin Yana Mazurkevich setzt sich gegen Victim Blaming ein.

Künstlerin Yana Mazurkevich setzt sich mit einer Fotokampagne gegen Victim Blaming ein.


Im Lichte aktueller Fälle von sexualisierter Gewalt hat die Künstlerin Yana Mazurkevich Frauen im Rahmen einer Fotostrecke portraitiert. Den Fokus legte die US-Amerikanerin auf die Problematik des Victim Blamings, eine ideologische Strömung innerhalb der sogenannten Rape Culture (zu Deutsch: Vergewaltigungskultur), die sexuelle Gewalt und Vergewaltigung nicht nur weitgehend toleriert und duldet, sondern auch die Verhinderung von Vergewaltigungen den Opfern überträgt. Damit gehen wiederum die Verharmlosung des Missbrauchs an sich und die Herabsetzung Betroffener oder potentieller Opfer zu Sexualobjekten (Victim Shaming) einher.

"Mein Rock war zu kurz"

Um Frauen im Kampf gegen diese Schuldzuweisungen eine Stimme zu verleihen, hat Mazurkevich Frauen vor ihre Kamera gebeten und sie zusammen mit Botschaften, die die Absurdität und Allgegenwärtigkeit des Victim Blamings verdeutlichen sollen, abgelichtet.

Durch die plakative Inszenierung verschiedener Zitate ("Mein Rock war zu kurz", "Ich hätte wissen müssen, dass das passieren wird") arbeitet Mazurkevich die in der Rape Culture gängigen Argumente auf. Meist wird Frauen geraten bei der Wahl ihrer Kleidung, ihrem Auftreten, Augenkontakt und ihrem gesamten Gehabe vorsichtig zu sein.

Der Fall Brock Turner

Die für die Website currentsolutions.co tätige Fotografin agierte dabei in Anlehnung an einen konkreten Vergewaltigungsfall, der im Jänner 2015 für Schlagzeilen gesorgt hatte. Damals hatte Brock Turner, ein 20-jähriger Elite-Schwimmer der Stanford University in Kalifornien, nach einer Verbindungsparty eine bewusstlose junge Frau vergewaltigt. Nachdem ihn zwei Austauschstudenten ertappt hatten, wurde er von der Polizei festgenommen.

Anfang Juni dieses Jahres folgte nach einem aufsehenerregenden Prozess schließlich der Urteilsspruch: sechs Monate Haft. Auf das milde Urteil folgte eine Welle der nationalen und internationalen Empörung. Der Unmut wurde in erste Linie durch die Argumentationslinie des Richters ausgelöst. Dieser hatte das Urteil mit Turners sozialen Herkunft und seiner sportlichen Karriere begründet. Zudem tauchte wenige Tage nach der Urteilsverkündung einen Brief von Turners Vater auf, in dem dieser bekräftigte, dass sein Sohn für "20 Minuten Action" zu hart bestraft worden sei.

Eine von drei Frauen erfährt sexuelle Gewalt

Im Zuge einer repräsentativen europaweiten Untersuchung ("Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung") wurde im Jahr 2014 eine umfangreiche Erhebung zum Thema Gewalt gegen Frauen realisiert. Das zentrale Ergebnis: Eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, einer von fünf Frauen wurde nachgestellt und jede zweite Frau war mit einer oder mehreren Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert.

(kurier) Erstellt am
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