Leben
17.07.2018

Selbstversorger-Haus: Obst und Gemüse von der eigenen Fassade

Mit dem Prototyp eines modernen Selbstversorger-Hauses will die Yale University zum Umdenken beim Wohnungsbau anregen.

Zucchini, Kartoffeln und Tomaten werden von der Hausfassade gepflückt, Wasser und Strom selbst produziert: Seit Montag steht vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York ein Prototyp eines modernen Selbstversorger-Hauses. Das sogenannte "Ecological Living Module" (ELM) der Yale University soll auf zwei Etagen Platz für eine vierköpfige Familie bieten. Diese muss allerdings platzsparend leben: Das kleine Modul bietet lediglich 22 Quadratmeter Wohnraum.

Gebaut wurde das Haus aus Holz und anderen erneuerbaren Rohstoffen. Die Herstellung der Module dauert vier Wochen, vor Ort kann es dann innerhalb von zwei Tagen zum trapezförmigen Container zusammengebaut werden. Trinkwasser wird aus Regenwasser und Luftfeuchtigkeit aufbereitet, Strom durch eine Solarfassade gewonnen, an drei Außenwänden kann Obst und Gemüse angebaut werden – von denen man mehr als acht Monate leben können soll.

In Nairobi (Kenia) und Quito (Ecuador) seien weitere Prototypen geplant, sagte Anna Dysen vom Achitektur-Institut der Yale University, die das Haus mit einer Architekturfirma entwickelt hat. Die Bauart unterscheide sich dort vom New Yorker Modell wegen anderer klimatischer Bedingungen und der anderen Höhenlage. Ziel sei jeweils, für vier Bewohner pro Tag je 20 Liter Wasser, zwölf Kilowattstunden Strom und rund sechs Portionen Obst und Gemüse herzustellen.

Das Wohnungswesen ist nach UN-Angaben für 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich und für mehr als ein Drittel des Ausstoßes von Treibhausgasen. "Wir brauchen eindeutig mehr Wohnraum, aber wir brauchen vor allem auch klügeren Wohnraum", sagte Erik Solheim, Chef des UN-Umweltprogramms ( UNEP), zum Yale-Projekt.