Saatgut-Expertin Mischa Arndorfer erklärt, wie man Samen richtig abnimmt.

© Arche Noah

Axels Terrasseneintopf
10/11/2019

Wie man Lieblingsblume und perfekte Paradeisersorte vermehrt

Lieblingsblume und perfekte Paradeiser möchte man auch in der kommenden Saison noch haben. Also heißt es: Samen abnehmen!

von Axel Halbhuber

Bei mir ist es die Akelei. Jeder Leidenschaftsgartler hat die Blume, vor der er immer wieder stehen bleibt und sie bewundert. Und während die meisten Akeleien in sattem Lila daherkommen, ist mein Prunkstück rosa-gelb. Das Problem: Die ordinären Lilafarbenen streuen ihre Samen in jeden Winkel, gewünscht oder nicht. Die elegante Rosagelbe hingegen nicht.

Wer eine solche Lieblingsblume hat, möchte sie vermehren. Ebenso wie die Paradeisersorte, die heuer „so perfekt“ war. Man findet in dem Dschungel von Pflanzenmärkten und Hunderten Sorten ja mittlerweile die eine perfekte nicht mehr leicht wieder.

Stundeneibisch und Pergamentkapsel

Für solche Sorgen hat Michaela Arndorfer, die sich selbst als „Mischa“ vorstellt, eine Lösung. Sie leitet das Saatgutarchiv des Vereins Arche Noah und kennt sich aus: „Einjährige Blumen werden primär über Samen vermehrt.“ Sie zeigt auf eine hübsche Blume, die sie als „Stundeneibisch“ vorstellt: „Bei dem zum Beispiel muss man recht früh dran sein. Wenn sich die Kapseln verfärben und pergamentartig werden, öffnen sie sich bald und die Samen perlen heraus.“

Auch ein- und zweijährige Kräuter vermehrt man meist über Samen. Das ist schwierig bei besonders kleinen Samen (z. B. Majoran oder Oregano – „Die verpilzen auch sehr leicht“), aber im Wesentlichen simpel: Sobald der Blütenstand am Abreifen ist und sich die Kelchblätter braun verfärben, reibt man aus den Blütenresten Samen heraus. „Wichtig ist, dass sie nicht mehr teigig sind, sondern hart und knackig. Aber meist lösen sich eh nur die reifen Samen.“

Mehrjährige Kräuter, die verholzen, lassen sich auch gut über Ableger oder Absenker vermehren, die so genannte vegetative Vermehrung. „Funktioniert zum Beispiel bei Salbei sehr gut: Man vergräbt die Beugung eines weghängenden Zweiges in der Erde, dort bildet er Wurzeln. Nach vier Wochen kann man ihn von der Mutterpflanze trennen und versetzen.“ Alternativ dazu kann man auch über Stecklinge vermehren, wozu man einen grünen, noch nicht verholzten Teil abscheidet und weitgehend entblättert. Dann steckt man ihn in feuchte Erde und stülpt ein Sackerl drüber – um die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten. „Das geht bei Salbei ganz gut, bei Lavendel zum Beispiel nicht so gut.“

Trocken und kühl lagern

Für die Lagerung müssen die Samen trocken sein, aber „das sind die meisten ohnehin, wenn sie ausfallen. Bohnen müssen für die Lagerung wirklich hart sein – und sich mit dem Fingernagel eindrücken lassen. Sonst haben sie zu viel Feuchtigkeit und fangen an zu schimmeln.“ Die perfekte Aufbewahrung ist dann kühl und luftdicht, am besten in Papiersackerln in einem Glas, und ohne direktes Licht.

Und die Lieblingsparadeiser? „Die muss man im eignen Saft zwei Tage angären lassen, danach kriegt man die Fruchtreste auch leichter weg. Und dann trocknen.“ Die halten dafür mindestens fünf Jahre. Richtig schnell verlieren vor allem Petersilie und Pastinake ihre Keimfähigkeit: „Meist schon nach einem Jahr.“