Leben
14.12.2016

ÖOC: Wie sexistisch ist die "Sportler des Monats"-Wahl?

Ein Posting des Österreichischen Olympischen Comités zur Wahl des "Sportler des Monats" sorgt für Wirbel. Das ÖOC ortet in der Aktion kein Fehlverhalten.

Das Österreichische Olympische Comité (Olympic Team Austria, ÖOC) wirbt derzeit auf Facebook für die Wahl zum "Sportler des Monats". Für den Monat November haben die Fans die Wahl zwischen der Snowboarderin Anna Gasser, Skirennläufer Marcel Hirscher, Eishockeyspieler Michael Grabner und Tennisspieler Dominic Thiem.

Im Beitrag zum Voting werden sowohl die drei männlichen Athleten als auch die weibliche Sportlerin mit Bild gezeigt. Während Hirscher, Grabner und Thiem auf den Fotos in den für ihre Sportart typischen Sportoutfits abgebildet sind, zeigt man Gasser leicht bekleidet in (Ski)-Unterwäsche.

"Männer die Macher, Frauen die Objekte"

Mit einem Posting machte die österreichische Bloggerin Madeleine Alizadeh, die unter dem Namen Dariadaria bloggt, am Dienstag auf die unterschiedliche Darstellungsweise der männlichen und weiblichen Protagonisten - und damit auf den ihrer Meinung nach sexistischen Subtext des Postings - aufmerksam.

"Das Olympic Team Austria, zeigt sehr deutlich, was wir täglich von den Medien suggeriert bekommen: der Mann zeigt Dominanz, Macht, Stärke, die Frau ist schön, Symbol für Erotik und ist Erfüllungsgehilfin für männliche Heterosexualität", schreibt die junge Wienerin und stellt die Frage: "Wie wäre es, wenn man Anna Gasser so zeigt, wie ihre männlichen Kollegen auch dargestellt werden? Nämlich als herausragende, talentierte Sportlerin und nicht nur als die schöne Frau, die sie ist."

Für ihren Beitrag zum Thema erntet Alizadeh auf Facebook viel Zuspruch - aber auch Kritik. Eine Userin wird in den Kommentaren sogar persönlich: "Wie traurig bist du eigentlich? Ist doch bitte ein super Foto", schreibt sie und kündigt im selben Atemzug an, die Fanseite der Bloggerin zu entliken. "Hier geht es doch nicht darum, ob es ein schönes Foto ist, oder nicht, sondern darum, dass sie nicht für ihre Leistung als Sportlerin gleich wie ihre männlichen Kollegen dargestellt wird", kontert die Bloggerin.

ÖOC sieht in Posting kein Fehlverhalten

Das ÖOC sieht die Aktion auf Social Media unterdessen keineswegs problematisch. "Wir haben von Anna Gasser, seitdem sie ihre Saison gestartet hat, insgesamt sechs oder sieben Bilder auf Facebook geteilt. Auf allen war sie in sportlicher Bekleidung abgebildet. Um auf unserer Facebook-Seite nicht redundant zu werden, haben wir für das aktuelle Posting ein anderes Motiv aus einem ihrer Shootings gewählt", so Daniel Winkler vom Österreichischen Olympischen Comité gegenüber kurier.at. Tatsächlich finden sich auf der Facebook-Seite des Vereins keine weiteren Bilder von Gasser in unsportlicher Kleidung.

Zudem sei man beim ÖOC bemüht, Athletinnen und Athleten als Menschen zu zeigen, "in all ihren Facetten". "Das hat nichts mit Sexismus zu tun", betont Winkler. Und weiter: "Wenn wir ein Bild einer Sportlerin oder eines Sportlers verwenden, das er selbst verwendet, dann entsprechen wir damit der Darstellung ihres von sich forcierten Images." Die Sportler würden schließlich nicht nur im Sport Spitzenleistungen erbringen, sondern auch als Persönlichkeiten Eigenschaften besitzen, die sie auszeichnen. Er verstehe auch den konkreten Kontext der Anschuldigung nicht und sehe im Agieren des ÖOC kein Fehlverhalten.

"Das Comité tut viel für seine Sportlerinnen und Sportler und ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, dass wir sie als Menschen und individuell wahrnehmen. Diese Aspekte greifen wir auf und agieren quasi als Multiplikator", so Winkler. Man würde aber niemals versuchen jemanden anders darzustellen, als er oder sie sich selbst in der Öffentlichkeit präsentiert.

Auf die Frage, woher das Bild stammt, sagte Winkler, dass man beim ÖOC generell nur Material nutze, welches rechtefrei zu Verfügung gestellt wird oder für das man ein Honorar bezahlt. Das konkrete Bild stamme aus dem aktuellen Foto-Pool von Red Bull.

Anna Gasser findet Kritik "bisschen übertrieben"

Auch Anna Gasser selbst hat sich am Dienstag auf der Homepage des ÖOC zur Sexismusdebatte geäußert: "Ich finde die Kritik an der Bildauswahl ein bisschen übertrieben, aber ich freue mich schon darauf, hier bald Bilder meiner männlichen Kollegen in sportlicher Unterwäsche zu sehen", wird die Sportlerin da zitiert.

Klare Argumentationslinie des ÖOC

Mittlerweile haben sich auch andere User unter dem Posting des ÖOC über die Darstellung der weiblichen Sportlerin beschwert. Das ÖOC argumentiert auch online mit den gegenüber kurier.at vorgebrachten Argumenten.