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Leben
04/02/2019

Öffentliches Stillen: Vater verteidigt Mütter mit satirischem Posting

Simon Harris will Bewusstsein dafür schaffen, mit welchen Kommentaren junge Mütter konfrontiert sind.

von Elisabeth Mittendorfer

Das Stillen von Babys und Kleinkindern ist die natürlichste Sache der Welt. Dennoch sorgt es immer wieder für Aufregung, wenn es in der Öffentlichkeit passiert.

Laut einer im Jahr 2017 veröffentlichten Umfrage der Nationalen Stillkommission in Deutschland lehnen sechs Prozent der Bevölkerung öffentliches Stillen ab, jeder vierte Befragte steht dem öffentlichen Füttern zwiespältig oder ablehnend gegenüber. Jede zehnte Mutter gab an abzustillen, weil sie diese ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit stört.

Mit einem satirischen Posting auf Facebook wollte der 35-jährige Brite Simon Harris nun eine Lanze für das Stillen in der Öffentlichkeit posten. Der Vater von drei Kindern berichtet auf seinem Blog "Men Behave Dadly" über das Elternsein. Unter einem Bild, auf dem zu sehen ist, wie Harris seinen Sohn gerade mit der Flasche füttert, beschreibt er, wie er in einem Lokal diskriminiert worden sei, weil er nur ein T-Shirt anhatte und sein Bizeps sichtbar war. Die Situation, von der Harris berichtet, hat sich nicht wirklich so zugetragen und ist fiktional. Einigen jungen Müttern wird sie aber bekannt vorkommen.

Aufgepumpter Bizeps

"Ich bin absolut wütend! James wollte seine Flasche heute, während wir in einem Kaffee waren und als ich anfing, ihn zu füttern, kam eine Dame zu mir und sagte mir, dass ihr mein exponierter Bizeps den Appetit verdirbt und ich mir einen Pullover anziehen sollte", schreibt Harris. Eine Anspielung auf die Aufforderung sich zu bedecken, die stillende Mütter in der Öffentlichkeit immer wieder zu hören bekommen.

"Weil ich die Flasche in einem bestimmten Winkel hielt, sah mein rechter Bizeps aufgepumpter aus als sonst und sie sagte, sie würde sich beim Manager beschweren. … Ich sagte ihr, dass sie mich in Ruhe lassen soll, weil ich meinem Baby gerade Nahrung gebe." Schließlich sei der Manager auf ihn zugekommen und habe ihm angeboten, seinen Sohn in einem kleinen Raum zu füttern, in dem das Zubehör für den Geschirrspüler aufbewahrt wird. Dort wäre mehr Ruhe.

Am Ende des Posting schreibt Harris, dass dieses scherzhaft gemeint sei und er Menschen nicht verstehen könne, die komisch werden, wenn es um Brüste geht.

Viele Menschen fühlen sich von dem Posting des Vaters angesprochen, denn es wurde auf Facebook mittlerweile über 30.000 geteilt und über 4.700 Mal kommentiert.

Übersexualisierung

"Es gibt absolut keinen Unterschied zwischen einer Frau oder einem Mann, der das Baby mit einer Flasche füttert und einer Frau, die dieses stillt und es dafür an die Brust nimmt", wird Harris von der Daily Mail zitiert. Er könne nicht nachvollziehen, warum es sich dabei noch immer um ein Tabu handelt. "Es gibt in der Gesellschaft eine massive Trennung zwischen Brüsten für die Ernährung eines Babys und Brüsten als sexuelles Objekt – ich denke, dass sie noch immer übersexualisiert werden."

Er selbst könne sich erinnern, dass ihm im Laufe der Zeit klar geworden war, dass es darum geht, den Augenkontakt zu halten, wenn er sich mit einer stillenden Mutter unterhält. "Wenn es etwas ist, an das ich mich als heterosexueller Mann gewöhnen kann, bin ich sicher, dass jeder andere es kann."

Entscheidung der Mutter

Stillen sei eine persönliche Angelegenheit "und als Männer haben wir absolut keine Ahnung von der Realität der Situation", sagt Harris. Ob eine Mutter ihr Baby in der Öffentlichkeit füttern möchte oder nicht, sei ganz allein ihre Entscheidung. Wenn sie es tut, sollte sie sich aber auf keinen Fall unwohl dabei fühlen müssen.

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