Leben
06.12.2018

Nikolaus oder Weihnachtsmann? Wer heute die Geschenke bringt

Advent-Rituale, Teil 6: Wie einer der beliebtesten Bräuche in der Vorweihnachtszeit entstand.

Es ist einer der bekanntesten Bräuche im Advent: Am 6. Dezember kommt der Nikolaus. Dahinter steht eine der ältesten Heiligenfiguren des Christentums. An seinem Sterbetag bekamen Kinder über Jahrhunderte hinweg Geschenke, bis Martin Luther, der die katholische Heiligenverehrung generell ablehnte, das Beschenken auf Weihnachten umlagerte (und nebenbei auch das Christkind erdachte, aber das ist eine andere Geschichte).

Der Nikolaus, der als alter Mann in Bischofskleid und -stab dargestellt wird, geht auf jenen Nikolaus zurück, der im 4. Jahrhundert als Bischof von Myra in der heutige Türkei lebte. Arme und Schutzbedürftige sollen ihm ein besonderes Anliegen gewesen sein. Daher ist er nicht nur der Schutzpatron der Kinder, sondern auch von Kaufleuten und Seefahrern.

Und der Weihnachtsmann, der dem Heiligen Nikolaus äußerlich ähnelt? Seine Ursprünge dürften auf die Nikolausfigur zurückgehen, die die Niederländer Sinterklaas nennen. Der kam mit holländischen Immigranten in die USA und wurde dort zum Santa Claus. Das von Coca Cola geprägte Bild des dicken, rotgewandeten Mann mit Zipfelmütze und Knollennase entstand übrigens erst Anfang der 1930er-Jahre und verbreitete sich dank guten Marketings um die Welt.

In der mitteleuropäischen Gegenwart sorgt dafür der alte „Einkehrbrauch“ vom Nikolo immer wieder für Kontroversen, etwa in Kindergärten. Da gibt es einerseits den Wunsch, Religiöses völlig herauszuhalten, andererseits die Mär von einem generellen Nikolaus-Verbot. In Wien sprachen sich heuer alle konfessionellen und überkonfessionellen Kindergarten-Träger für die Vermittlung der Traditionen der Weihnachtszeit aus – auch das Nikolo-Fest, das aber je nach Organisation unterschiedlich gestaltet wird.

Was sich zu früher geändert hat: „Der Nikolaus darf keine Angst machen und die Verhaltensweisen der Kinder nicht moralisch beurteilen“, heißt es bei der St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien. Der Nikolaus ist eine den Kindern vertraute Person, die sich vor oder mit den Kindern verkleidet. Eine Entzauberung sei das keine. Denn sobald eine Person verkleidet ist, werde sie für die Kinder zum Nikolo.

Machen Sie mit!

Bis zum 25. Dezember stellt der KURIER jeden Tag ein weihnachtliches Ritual vor. Wir freuen uns, wenn auch Sie Ihre persönlichen Weihnachtsrituale und Bräuche mit uns teilen und Ihre Berichte, Fotos und Videos an lebensart@kurier.at schicken. Einen Auszug daraus veröffentlichen wir am Christtag.