„Man weiß ja nicht, was mit einem wird“

Richard Pils, Bauernbub, Lehrer, Verleger. Seit Ende der 1980er ist er im Waldviertel daheim
Der Waldviertler Verleger Richard Pils über seinen Freund Herbert Achternbusch und die Zeit, die ihm mit 75 davon rennt

Jeden Vormittag um zehn versammeln sie sich um den Holztisch in der Küche. Verleger Richard Pils, Kollegen, Autoren, wer halt grad da ist.

Auch Herbert Achterbuch saß oft hier. Der bayrische Schriftsteller und Regisseur, dessen Bücher Pils verlegte, wohnte in der Nähe. Am 10. Jänner ist er gestorben, sein Tod hat Pils getroffen. Aber gehört das in die Zeitung? Freundschaft ist privat. Und doch wird der Verleger im Gespräch immer wieder darauf zurückkommen. Wird sich erinnern, wie er mit dem Achternbusch „einfach so, aus lauter Blödelei“ nach Parma gefahren ist, um sich einen „g’scheiten Borsalino“ zu kaufen. „Der Achternbusch war auch so ein Vagant wie ich.“

Die Zeichen der persönlichen Wertschätzung von Freunden und Weggefährten sind unübersehbar, hier, im Hof in Großwolfgers, wo Richard Pils, nach vielen Wegen samt Abzweigungen, 1989 jenen des Verlegers eingeschlagen hat. „Bibliothek der Provinz ist die beste“, hat die Kinderhand der zehnjährigen Achternbusch-Tochter Naomi einst mit Buntstiften festgehalten und dazu eine Burg gemalt. Es muss die Burg Raabs an der Thaya sein, die Pils 1996 gekauft hat. 20 Jahre lud er dort jeden Sommer zum Poetenfest ein. „Ich hab mir einen Haxen ausgerissen, um die Burg zu erhalten.“

„Man weiß ja nicht, was mit einem wird“

„Bibliothek der Provinz ist die beste“, hat die Kinderhand der zehnjährigen Achternbusch-Tochter Naomi einst mit Buntstiften festgehalten und dazu eine Burg gemalt. Es muss die Burg Raabs an der Thaya sein, die Pils 1996 gekauft hat.

Mitte der 80er verschlug es den Oberösterreicher Pils ins Waldviertel. Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Aber heute, auf dieser Küchenbank, ist er daheim, wieder in seiner Kindheit. „Man ertappt sich immer wieder in der Vergangenheit.“ Richard Pils lacht viel, während er erzählt. Als würde er sich über das, was in seinem Leben gelungen oder passiert ist, wundern. Der Schalk in den Augen blitzt, selbst wenn die Dinge, die er erzählt, nicht alle lustig sind. Sie handeln auch von Menschen, die er vermisst und dem Wahnsinn der Welt. Den oberösterreichischen Zungenschlag hat er nie abgelegt. Wurzeln sind wichtig. Zum Beispiel die Großmutter. Der hat er früher das Haar geflochten. Als Reminiszenz an sie trägt er sein ganzes Erwachsenenleben schon einen langen Zopf. Der Zopf ist schmal geworden, wie sein Träger.

„Man weiß ja nicht, was mit einem wird“

Wurzeln sind wichtig. Zum Beispiel die Großmutter. Der hat er früher das Haar geflochten. Als Reminiszenz an sie trägt Pils sein ganzes Erwachsenenleben schon einen langen Zopf.

Kommentare