Leben
23.07.2018

"Schwuchtel" auf Rechnung: Lokal in Rom beleidigt Homosexuelle

Die Beleidigung wurde auf die Rechnung gedruckt. Im Internet wurde nach dem Vorfall ein Foto der Quittung veröffentlicht.

Die Beleidigung eines homosexuellen Paares in dem Restaurant "Locanda Rigatoni", das im Zentrum der Stadt Rom liegt, hat für Empörung gesorgt. Unter den bestellten Speisen und Getränken stand auf der Rechnung für das Abendessen "Nein Pecorino" und in der nächsten Zeile "Ja Schwuchtel", wie italienische Medien, unter anderem La Repubblica, am Samstag berichteten. Zur Pasta Carbonara hatten die beiden Männer zuvor statt Pecorino (italienischer Käse, der traditionell aus Schafmilch hergestellt wird, Anm.) Parmesan geordert.

Das Gay Center Rom, an das sich das Paar nach dem Vorfall gewandt hatte, veröffentlichte bereits am vergangenen Donnerstag auf seiner Homepage und auf sozialen Netzwerken ein Foto der Quittung.

Nachdem der 21-jährige Gast und sein Freund die Beleidigung auf der Quittung bemerkten, hätten sie gegenüber dem Kellner klargestellt, dass ein solcher Kommentar nicht witzig wäre, berichtete Fabrizio Marrazzo von der italienischen LGBT-Hilfsorganisation. Der Kellner habe daraufhin gelacht und erklärt, es habe sich lediglich um einen Computerfehler gehandelt. Dabei habe er weiter schlechte Witze gemacht. Schließlich sei auch die Besitzerin des Lokals eingeschritten. Auch von ihr habe das Paar nur fadenscheinige Ausreden zu hören bekommen. Nach etwa einer halben Stunde wurden dem Paar die Kosten für das Essen erlassen. Für die homophoben Beleidigungen entschuldigt habe sich niemand, berichtete das schwule Paar.

Untersuchung angekündigt

Der Vorfall in dem Restaurant sei sehr ernst, aber beileibe keine Ausnahme, sagte Marrazzo vom Gay Center. "Wie erhalten jedes Jahr mehr als 20.000 Meldungen über homophobe Vorkommnisse." Die Bürgermeisterin der Hauptstadt, Virginia Raggi, müsse dem Lokal die Lizenz entziehen, forderte Sprecher Fabrizio Marrazzo. Bürger und Touristen seien aufgefordert, das Lokal zu boykottieren. Die Stadtverwaltung sprach von einem "schwerwiegenden Vorfall" und kündigte eine Untersuchung an.

Kein Einzelfall

Es ist nicht das erste Mal, dass Kunden in Restaurants aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden. In Wien sorgte 2015 ein Fall für Empörung: Aufgrund eines Kusses wurde ein lesbisches Paar damals aus dem bekannten Kaffeehaus Prückel in der Innenstadt verwiesen. Es folgten Protestkundgebungen (mehr dazu hier). In den USA verweigerte eine Familie einer lesbischen Kellnerin im vergangenen Jahr das Trinkgeld, weil sie ein Tattoo trug, mit dem sie ihre Zugehörigkeit zur LGBTQ-Community zeigte.