Leben
23.04.2018

Wenn Kinder übers Gesundheitssystem fachsimpeln

Aktionstage: Medizin und Gesundheitspolitik werden bei der "KinderGesundheitsWoche" verständlich gemacht.

Wie wollen Sie die Abwanderung von jungen Ärzten aus Österreich verhindern? Wie geht es mit den Primärversorgungszentren weiter? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der Jugendgesundheit?

Es sind erstaunlich konkrete Fragen, die die Schülerinnen und Schüler der „Vienna European School“ (Wien 18) stellen – und sie richten sie nicht an irgendjemanden, sondern an Verantwortungsträger des heimischen Gesundheitssystems. Anlässlich der Wiener „ KinderGesundheitsWoche“ in der Zentrale der Wiener Berufsrettung haben sich die 13- und 14-Jährigen im Unterricht intensiv im Unterricht damit auseinandergesetzt, welche aktuellen „heißen Eisen“ es gibt und was das für Jugendliche bedeutet.

Angehende Ärztin?

Marie etwa interessiert sich sehr für Medizin, eventuell später als Studium. Dass sie wissen will, was man gegen die Abwanderung von Jungärzten tut, liegt da fast auf der Hand. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres will bei verbesserten Rahmenbedingungen für Jungmediziner ansetzen. Und bricht nebenbei eine Lanze für den Arztberuf. „Wenn du Spaß an Medizin hast, kann ich diesen Beruf nur empfehlen.“

Was können Primärzentren

Charlotte will mehr über die medizinische Versorgung wissen, konkret die Zukunft der Primärversorgungszentren. Ihr antwortet Alexander Biach, Vorsitzender des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger: „Die Zentren werden eine wichtige Ergänzung zum Hausarzt sein. Patienten und auch Ärzte wünschen sich mehr Flexibilität und Versorgung unter einem Dach.“ Bis 2020 soll es österreichweit 75 solcher Zentren geben.

Österreich in der Forschung

Leonie hat sich wiederum mit der Forschung beschäftigt: „Wo steht Österreich?“ Für ein kleines Land gar nicht so schlecht, kann Robin Rumler von Pfizer Österreich berichten. Unter anderem in der Kinderkrebsforschung im St. Anna Kinderspital habe es viele Erfolge in den vergangenen 20 Jahren gegeben, die international gewürdigt wurden.

Generation Smartphone

Was in der kritischen Fragestunde nicht fehlen darf: der Blick auf die eigene Generation. „Für Jugendliche spielt sich vieles am Smartphone ab“, leitet Bernhard seine Frage nach den größten Herausforderungen für die Jugendgesundheit ein. Hier herrscht Einigkeit bei den Experten: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen – bei den 15-Jährigen steht Österreich international nicht gut da. Bei den Rauchern liegen wir in Europa an drittletzter Stelle (vor Ungarn und Griechenland).

Anreize schaffen

„Wir wissen, dass zwischen elf und 15 Jahren der Antrieb, sich zu bewegen, stark abnimmt. Da muss man immer wieder Anreize schaffen“, sagt Szekeres. Er würde etwa eine tägliche Turnstunde begrüßen. Neue Anreize können für Alexander Biach auch über die modernen Kommunikationsmittel gesetzt werden, die nicht zuletzt mit ein Grund für die Bewegungsdefizite von Jugendlichen sind. „Nicht ermahnen, sondern spielerisch nutzen und informieren lautet die Devise.“ Er nennt etwa die Kampagne „fit & strong“, die bereits über mehr als 10.000 WhatsApp-Abonnenten verfügt.

...und ab zu den Workshops

Hat die Fragestunde die Erwartungen der Schüler erfüllt? Ja, lautet ihr Resümee: „Es war sehr viel Neues dabei.“ Dann wendet sich die Gruppe dem Workshop-Angebot zu, wo man Erste- Hilfe-Maßnahmen üben oder die motorischen Fähigkeiten testen kann. Und wer will, erfährt, welchen Nutzen Schmerzen haben – oder er kann sich über die Entwicklung von Medikamenten informieren.