Leben
26.01.2018

Gefühle bestimmen, wie wir andere umarmen

Gefühle bestimmen, von welcher Seite wir Mitmenschen umarmen. Zu dieser Erkenntnis gelangten Forscher der Ruhr-Universität Bochum.

Umarmungen sind fixer Bestandteil sozialer Interaktion. Sie drücken Zuneigung und Freude aus, in Zeiten der Trauer trösten sie, Kindern vermitteln sie Geborgenheit. Herzt man jemanden, so kann das auch ein Akt der Begrüßung sein. Ähnelt eine Umarmung einer Umklammerung, geschieht sie meist aus Angst.

Ein wissenschaftliches Team rund um den deutschen Biopsychologen Julian Packheiser von der Fakultät für Psychologie an der Ruhr-University Bochum ist der Frage nachgegangen, wie die Intention einer Umarmung deren Ausführung beeinflusst. "Wir wollten wissen, ob umarmungsgebundenes Verhalten vom emotionalen Kontext der vorherrschenden Situation beeinflusst wird", erklärt Packheiser. Außerdem wolle man wissen, ob motorische Parameter, beispielsweise ob man Rechts- oder Linkshänder ist, die Lagerung von Umarmungen bestimmen.

Zu diesem Zweck untersuchte man über 2.500 Umarmungen. An einem deutschen Flughafen wurden rund 1.000 Umarmungen an den Ankunfts- und Abflugterminals analysiert. Man nahm an, dass Menschen im Abflugbereich eher von Gefühlen der Trauer oder anderen negativen Emotionen getrieben sind. Nicht nur, weil dort Abschied genommen wird, sondern auch, weil Studien zufolge rund 40 Prozent aller Flugreisenden Flugangst haben. Bei der Ankunft ging man hingegen davon aus, dass die Menschen von freudigen Gefühlen geleitet sind.

Um neutrale Umarmungen zu studieren, nutze man die Videoplattform Youtube. Man fand Clips, die Schauspieler dabei zeigten, wie sie mit verbundenen Augen Fremde auf der Straße umarmten. Man analysierte über 500 solcher Szenen.

Vorliebe für Umarmungen von rechts

Im Einklang mit älteren Erhebungen zeigte sich, dass viele Menschen eine Vorliebe für Umarmungen von rechts haben. Es zeigte sich aber auch, dass Umarmungen von links sowohl in positiven als auch in negativen Kontexten häufiger vorkommen. Die Forscher führen dies auf Aktivität in der rechten Gehirnhälfte zurück. Diese kontrolliert die linke Körperhälfte, außerdem werden sowohl negative als auch positive Emotionen dort generiert. "Wenn sich Menschen umarmen und die motorischen Zentren im Gehirn miteinander interagieren, wird ein stärkerer Hang nach links erzeugt", so Packheiser.

Um den Einfluss von Händigkeit zu untersuchen, wurden Probanden gebeten eine Schaufensterpuppe zu umarmen, nachdem ihnen positive, negative und neutrale Kurzgeschichten vorgespielt wurden. Man fand heraus, dass die Händigkeit tätsächlich einen Einfluss auf die Lagerung einer Umarmung hat: Rechtshänder umarmen lieber von rechts, bei Linkshändern ist es umgekehrt.

Die Studie wurde im Journal Psychological Research veröffentlicht.