Leben
22.11.2017

Frau wird Mansplaining-Beispiel gemansplaint

Maud Dromgoole hat auf Twitter einen besonders ärgerlichen Fall von Mansplaining dokumentiert. Einige Männer wollten ihr die Situation daraufhin erneut erklären.

Das Phänomen, wenn Männer Frauen ungefragt die Welt erklären oder ihre Aussagen korrigieren, ist bereits seit längerer Zeit als "Mansplaining" bekannt. Dabei ist es ganz egal, ob sich die Frau auf dem Gebiet besser auskennt als der Mann oder nicht. Der Begriff verbreitete sich rasant im Internet, nachdem die US-amerikanische Autorin Rebecca Solnit im Jahr 2008 den Essay "Men Explain Things To Me" in der Los Angeles Times veröffentlicht hatte, der auch Ausgangspunkt für ein später von ihr veröffentlichtes Sachbuch zum Thema war.

Die Autorin Maud Dromgoole hat nun einen besonders ärgerlichen Fall von Mansplaining auf Twitter publik gemacht. Sie berichtete, dass ihr ein Mann in einer Bar erklärt habe, was sexuelle Belästigung sei. Dann habe er zu ihr gesagt, dass ihr die Halskette, die sie trug, ein gewisses "Je ne sais quoi" verleihen würde.

Er fragte sie, ob sie wisse, was der französische Ausdruck bedeute. Sie antwortete daraufhin: "Ich weiß nicht was." Er sagte daraufhin, es ihr erklären zu wollen. Es würde in etwa so viel wie ein "spezielles Etwas" bedeuten, die wortwörtliche Übersetzung wisse er aber nicht. Der Mann schien gänzlich unbeeindruckt davon, dass ihm Dromgoole die wortwörtliche Übersetzung schon geliefert hatte.

Als Antwort auf ihren Tweet, in dem sie die Geschichte erzählte, fühlte sich ein Nutzer dazu berufen, hervorzuheben, dass die wortwörtliche Übersetzung "Ich weiß nicht was" lautet. Es folgten weitere Wortspenden, in denen der Begriff Mansplaining massiv dafür kritisiert wurde, Männern gegenüber diskriminierend zu sein.

Dromgoole erklärte gegenüber indy100, warum sie die Geschichte auf Twitter geteilt hat:

"Ich glaube, dass ich die Geschichte geteilt habe, weil sie mich zum Lachen gebracht hat. Sie fühlt sich wie ein prägnantes Beispiel für die Gespräche an, die ich jeden Tag führe. Wenn man in einer Bar arbeitet, gehen Menschen (und ich meine in Wirklichkeit Männer) davon aus, dass du weniger intelligent bist als sie und dass sie das Recht dazu haben, deine Zeit an sich zu reißen. Dieser spezielle Mann hat es auf sich genommen, mich über jede Menge Dinge 'aufzuklären', von denen er keine Ahnung hat, bevor es zu diesem Austausch kam."

Die Kommentare unter ihrem Tweet seien aus ihrer Sicht ein komplettes Durcheinander. "Vor allem jene Männer, die mir die Situation erklären wollten, ohne sie zu verstehen." Viele hätten sich außerdem an dem Begriff Mansplaining gestoßen. "Meiner Erfahrung nach handelt es sich dabei aber um ein ausschließlich männliches Verhalten."

Herabwürdigende Praxis

Vergangenes Jahr verlautbarte die schwedische Gewerkschaft Unionen, dass Mansplaining eine Methode der Unterdrückung sei, durch die am Arbeitsplatz Diskriminierung und mangelnde Chancengleichheit erzeugt werde. Um Bewusstsein für diese schädliche Praxis zu schaffen, die Frauen nach Angaben von Unionen herabwürdigen und weniger kompetent wirken lassen würde, richtete die Gewerkschaft eine temporäre Hotline für von Mansplaining ein. An diese konnten sich Frauen eine Woche lang wenden, wenn sie sich von männlichen Kollegen auf unangenehme Art und Weise belästigt und belehrt fühlten (kurier.at berichtete).