Leben
09.03.2017

App zählt, wie oft Männer Frauen ins Wort fallen

Die App "Woman Interrupted" soll mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass Frauen in Gesprächen häufiger unterbrochen werden als Männer.

Bei den TV-Duellen zwischen Donald Trump und seiner Kontrahentin Hillary Clinton während des Wahlkampfes fiel auf, dass Trump Clinton bei diesen viel häufiger unterbrach als umgekehrt. Am Ende von einem dieser Duelle stand es sogar 41 zu 7 für Trump. Das Phänomen, wenn Männer Frauen unterbrechen oder nicht ausreden lassen, wird mittlerweile als "Manterrupting" bezeichnet.

Frauen von beiden Geschlechtern unterbrochen

Dass "Manterrupting" Teil unseres Alltags ist, zeigt beispielsweise eine US-amerikanische Studie, die an der George Washington University durchgeführt und im Jahr 2014 im Journal of Language and Social Psychology veröffentlicht wurde. Die Haupterkenntnis dieser lautet, dass sowohl Männer als auch Frauen andere Frauen im Gespräch häufiger unterbrechen als Männer.

Der US-Wahlkampf brachte die brasilianische Werbeagentur BETC auf die Idee, die App "Woman Interrupted" zu entwickeln. Das berichtet das Onlineportal Mashable. Die App zählt, wie oft ein Mann einer Frau im Gespräch ins Wort fällt. Das soll über den Zugriff auf das Smartphone-Mikrofon funktionieren. Am Ende eines Gesprächs wird dann die Zahl der männlichen Unterbrechungen angezeigt. Dadurch sollen vor allem Frauen überprüfen können, wie oft sie nicht ausreden können. Vor dem ersten Einsatz der App muss die Nutzerin ein Profil anlegen und einzelne Sätze ins Mikrofon sprechen, damit die App ihre Stimmfrequenz kennenlernt und diese später von der unterbrechenden männlichen Stimme unterscheiden kann. Die Werbeagentur hat es sich mit der App zum Ziel gesetzt, "Bewusstsein und mehr Diskussion rund um Mannterrupting zu schaffen, vor allem in einem beruflichen Umfeld."

Weniger Nutzen für Männer

Auch als Mann kann man sich ein Profil anlegen, um zu testen, wie oft man Frauen ins Wort fällt. Die Aussagekraft der Statistik ist jedoch fraglich, weil sich Nutzer der eingeschalteten App bewusst ist und sich daher eher bemühen wird, seine Gesprächspartnerin möglichst nicht zu unterbrechen.

Seit dem Weltfrauentag am 8. März gibt es die App in der Beta-Version, später sollen Nutzer ihre Daten auch teilen können. Anhand dieser soll dann auf einer weltweiten Karte angezeigt werden, wo und wie oft Männern die Frauen nicht aussprechen lassen. Die Redaktion von jetzt.de hat die App bereits einem Test unterzogen, der jedoch sehr ungenau ausgefallen sei. Von drei absichtlichen Unterbrechungen eines Mannes im Gespräch mit einer Frau habe die App nur eine erkennen können. Bei einem zweiten Testlauf seien Männer erkannt worden, wo allerdings keine waren.