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Suárez
06/26/2014

...und jetzt zerbeiß’ ich’s !

Mensch beißt Mensch – das ist kein Einzelfall. Allerlei Kurioses rund um den menschlichen und tierischen Kauapparat.

von Gabriele Kuhn, Ute Brühl

Ob und wie sehr Uruguay-Star Luis Alberto Suárez Díaz künftig doch noch an Gewissensbissen leiden wird, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Dreierlei ist jedoch fix:

1. Ein paar Menschen sind durch seine Biss-Attacke im WM-Spiel gegen Italien ein bisschen reicher geworden. So etwa der 23-jährige Norweger Thomas Syversen, der mit 32 norwegischen Kronen (3,85 Euro) darauf wettete, dass der Stürmer erneut zubeißen werde. Immerhin gewann er damit 675 Euro.

2. Suarez hat sich durch seine "Zahnbehandlung" zum Affen gemacht. Vor der Affäre wurde sein Name weltweit 100.00 Mal bei Twitter erwähnt, danach waren es zwei Millionen Mal. Die Beißattacke hat Folgen für das Team der Urus: Suárez für vier Monate gesperrt.

3. Hätte der beißfreudige Kicker großes Unheil anrichten können. Denn Menschen sind effektive Beißer, wie australische Forscher vor einigen Jahren herausgefunden haben. Homo sapiens übertrifft in Sachen Bisskraft den Menschenaffen. Der moderne Mensch beißt genauso gut wie Paranthropus boisei, der "Nussknackermensch". Und der war in punkto Kauapparat Weltmeister.

Sciencebuster und Physiklehrer der Nation, Werner Gruber, erklärt Beißkraft anhand der Tierwelt anschaulich: "Der Weiße Hai kann ganz leicht einen Oberschenkelknochen zerbeißen." Was das heißt, weiß jeder, der einmal versucht hat, einen Hühnerknochen zu zermalmen. Wobei: "Hartes zu zerbeißen, ist einfacher als Weiches zu kauen. Das ist der Grund, warum wir Fleisch erhitzen – dadurch wird’s hart." Gummibär-Konsistenzen machen uns da schon mehr Schwierigkeiten. Womit wir im weitesten Sinne wieder bei der Causa "Fußballer beißt Fußballer" gelandet wären: "Die bunten Gelatineklumpen haben fast genau dieselbe Konsistenz wie Haut. Die besteht aus Kollagen. Kocht man dies, entsteht Gelatine."

Vorsicht bissig!

Hai

dapdIn this 2009 photo provided by the National Park Service, a Burmese python is wrapped around an American alligator in Everglades National Park, Fla. The National Academy of Science report released Monday, Jan. 30, 2012, indicates that the proliferatio

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müder Tiger in Duisburg

Liverpool's Suarez reacts during their English Pre

Wölfe

Woman watches piranhas at the Mora sweet water aqu

Wildkatzendorf Hütscheroda

Beißwütig

Dass Menschen Menschen beißen, ist nicht neu. Herr Suarez ist kein Einzelfall. Wer sich zum Thema Beißwut auf die Suche begibt, wird rasch fündig. "Wienerin beißt Lover in den Penis" (so angeblich im Jahr 2012 bei einem One Night-Stand passiert). Oder: "Frau beißt Mann auf Oktoberfest die Lippe ab". Das sagt der Unfallmediziner dazu: "Wer gebissen wird, muss sofort zum Arzt." Christian Fialka, Primar am Unfallkrankenhaus Meidling hat schon einige (menschliche) Bissverletzungen verarztet. Ein Klassiker: der Faustschlag auf den Mund. "Dabei beißt der Angegriffene meist zu und es kommt zur Bissverletzung." Laut Definition seien alle Wunden, bei denen Zähne irgendeine Rolle spielen, Bissverletzungen. Das Fiese daran: "Die Verletzung geht meist in die Tiefe – bei Tierbissen ist das fataler als bei Menschenbissen. Besonders bei den Katzen, deren Eckzähne wie Spritzen wirken." Weil sich im Maul besonders viele Bakterien und Viren tummeln, sei die Infektionsgefahr hoch. Fialka rät bei allen Bisswunden den Besuch beim Arzt. Und einen Blick in den Impfpass – ob die Tetanusimpfung aufgefrischt werden muss.

Für die Beißkraft gibt es eine Formel: Sie gibt an, wie hoch der Druck eines Bisses in Newton pro cm² ist. Im Regelfall werden Bisswunden nicht genäht: "Im Mund gibt es viele Keime, die keinen Sauerstoff brauchen. Eine verschlossene Wunde wäre eine wahre Brutstätte für diese Keime."

Wer den Schaden hat, braucht für die Memes nicht zu Sorgen

Was uns zum Beißen bewegt

Ein markantes Gebiss, medienwirksam vor Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt in Szene gesetzt: Uruguays Stürmer Luis Suárez dritter Verlust seiner Beißhemmung polarisiert das Fanvolk. Die einen sind empört, ob einer Verrohung der Gesellschaft, die anderen verspüren so etwas wie einen gruseligen Hauch von Vampir-Fantasien.

Psychiater finden aus der Ferne mehr an den psychodynamischen Prozessen hinter dem Biss Gefallen. Die wichtigste Nebensache der Welt emotionalisiert sogar die Erforscher der menschlichen Psyche. "Ich finde es interessant, dass er gerade mit seinem auffälligsten Körperteil – seinem Gebiss, das er nicht sanieren lässt – diese schweren Fouls begeht", sagt etwa Psychiater Georg Psota, Leiter des Psychosozialen Dienstes in Wien. "Abgesehen von seinen Bissen ist Suárez ja nicht so auffällig in Sachen Fouls." Analysieren lasse sich die Psyche dieser Fußballer-Persönlichkeit daraus natürlich nicht. Aber: "Faktum ist, er setzt damit ein Zeichen."

Beißlust

Der Ursprung der menschlichen Beißlust liegt jedenfalls in der Kindheit. Vor allem Kleinkinder beißen gern und oft. Erst später lernen sie, dass dieses Verhalten von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Und nach Sigmund Freud wird, wer als Kind zu oft zubeißt, überhaupt ein zynischer, sarkastischer und dominanter Erwachsener. Psychologen wissen hingegen, dass der erwachsene Beißer vor allem männlich und jung ist. Zugebissen wird laut Statistiken am häufigsten im Frühling und Sommer, fast immer im Streit und oft unter Alkoholeinfluss. Bevorzugte Körperregionen sind Hals oder Nacken.

Vielleicht ist der aktuelle Fehl-Biss des Fußballers aus Uruguay aber nur ein Relikt aus der menschlichen Evolutionsgeschichte. "Der urgeschichtlich verankerte Reflex des Beißens war eine Waffe, die dem Überleben im Kampf diente", erklärt der Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Der moderne Mensch habe gelernt, diese Reflexe gut zu hüten. Doch ein Fußballturnier ist ein Ausnahmezustand, "eine Form des kultivierten Krieges, in dem kriegerische Elemente vorhanden sind". Es gehe um Geld, Aufrüstung, Taktik – und besonders um Begeisterung und Emotionen.

Primitive Mechanismen

Vor diesem Hintergrund und massenhafter Adrenalin-Ausschüttung am Höhepunkt des Kampfes drängen auch primitive Mechanismen und Reflexe leichter an die Oberfläche, glaubt der fußballbegeisterte Gerichtspsychiater. "Beißen ist auch eine Demütigung des Opfers." Beispiele á la Suárez gibt es schließlich in der Sportgeschichte zuhauf: Von Boxer Mike Tyson, der 1997 im WM-Kampf seinem Kontrahenten Evander Holyfields ein Ohr anbiss, bis zu Bayern-München-Torhüter Oliver Kahn, der 1999 bei einem Ligamatch dem Borussia-Dortmund-Spieler Heiko Herrlich bisstechnisch an den Hals ging.

Am ehesten lässt sich derartiges Verhalten wohl mit Kontrollverlust erklären, sagt Haller. "Ich glaube, das überflutet einen Menschen richtiggehend. Ich hatte das Gefühl, Suárez war selbst überrascht." An einen derart verbissenen Wiederholungseffekt in diesem Turnier glaubt er aber nicht. "Ich hoffe, seine Reaktion war wirklich so schambesetzt, wie sie sich mir dargestellt hat. Sonst wäre er ein Psychopath."

Kultiges aus dem Dentalbereich

Zähne, die Geschichte schrieben

Mann beißt Mann

Da wird diskutiert, warum "Mann beißt Hund" die bessere Story ist als "Hund beißt Mann" und dann zeigt uns der WM-Fußballer Suarez, was der echte Schlager ist: "Mann beißt Mann". Endlich wird der Fußball auch für Uninteressierte spannend. Endlich erfahren auch sie WM-News von höchster Relevanz. Zum Beispiel: Parken Sie Ihr Auto nie so ein, dass andere nicht ausparken können. Das erhöht Ihr Risiko, gebissen zu werden, signifikant. Ebenso die Berufswahl Fahrscheinkontrollor. – Sagen Psychologen.

Was sagen Immunologen? – Höchste Infektionsgefahr! Menschenbisse können zu Hirnhautentzündung führen.

Die Interview-Maschinerie läuft: Was sagt das historische Bissopfer Evander Holyfield? Was sagt der deutsche Bundestag? – Nicht viel. Aber alle sind dagegen.

Kaum liest man sich ins Thema ein, kann man gar nicht genug kriegen von allen Aspekten: berühmte Bissattacken der Sportgeschichte, Alkohol und Beißhemmung, Analogien aus dem Tierreich, Bisswunden beim Sex, ... Das Thema ist heiß. Höchste Infektionsgefahr!

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