© Kurier/Gilbert Novy

Leben
02/15/2019

Axels Terrasseneintopf: Topf-Neurose nach Valentinstag

Nie soll jemand eine lebende Pflanze in den Mist werfen. Schon gar nicht die Pflanze der Liebe.

von Axel Halbhuber

Der Valentinstag ist vorbei und die Rosen verderben schon. Bei Schnittblumen ist das so vorgesehen und okay, bei Topfrosen jedoch ist es schändlich. Die Modepflanze wird einem heutzutage bei jeder Supermarktkassa zu Preisen nachgeworfen, die förmlich schreien: Ich kann unmöglich für die Ewigkeit gemacht sein.

Das kann natürlich kein echter Gartler goutieren. Erstens sollten Topfpflanzen nie zu einem Wegwerfprodukt werden. Was sagt es zweitens über eine Liaison aus, wenn die Pflanze der Liebe nach einer Woche im Mist liegt? Und sollten wir drittens nicht im Andenken an die kürzlich verblichene Pilcher Rosa die Minirosen ehren, die ja nichts anders sind als Pilchers Geschichten: Große Liebe im Format des Alltagstopfs.

Es ist auch gar nicht notwendig, sie verkommen zu lassen. denn auch wenn die Rose als kapriziöses Wesen gilt, ist sie an sich ein robustes Geschöpf. Ja, sie mag keinen Trockenstress. Und keine Staunässe. Sie hat gewisse Ansprüche an den Standort (wobei alle Rosengewächse prinzipiell lieber draußen als im Zimmer stehen, gell!): hell, sonnig bis halbschattig.

Für richtigen Umgang muss man einmal wissen, welche Rose man da im Topf hat – eine Kleinstrauchrose oder bloß eine kleinwüchsige Sorte? Oder irgendeine wilde Hybridzüchtung? Die Rosen wurden schon vor gut 2000 Jahren von den Griechen zur „Königin der Blumen“ gekürt und damit setzte ein gewisser zivilisatorischer Ehrgeiz ein, sie für den Topf zu adaptieren. Die erste verbriefte Zwergrose wurde trotzdem erst vor 200 Jahren verkauft („Pompon de Paris“, ach, der Name könnte von Pilcher sein), ab den 1970ern setzte der Boom ein (einsetzende Natur-Manie der Städter).

Dank heutigem Wegwerfkonsum bekommt man zwar viele Farben und Formen, aber leider keine Fachinformation, welche Rose man da genau kauft und welche Ansprüche sie hat (etwa ob sie lieber bei plus 5 oder auch bei minus 10 Grad überwintert – es gibt beides). Außerdem sind die angebotenen Minirosen oft billig produziert – wenn zum Beispiel dünne Triebe in der Erde stecken, die im Gegensatz zum gewachsenen Stock nicht eingewurzelt sind. Ergebnis: Viele Blüten (jö, schau wie schön, die nehmen wir auch noch mit), aber nur geringe Überlebenschancen.

Doch der Versuch lohnt: Zunächst nach der Blüte auf fünf Zentimeter über Erde zurückschneiden (Rosen sind vom Blühen geschwächt und welke Blüten schimmeln oft). Dann in Blumenerde setzen (hoher Topf, sie sind Stark- und Tiefwurzler). Am besten Langzeitdünger dazumischen (Pferdemist, Hornspäne) und für guten Wasserabzug sorgen (Löcher). Solange sie drinnen bleibt (sicherheitshalber bis Frostende) eher in kühlen, aber hellen Räume ohne trockene Heizungsluft.

Wenn dann langsam die Wachstumshemmer (ja, das kriegen die auch, pfui) nachlassen, gedeihen die Roserln an gutem Standort draußen oft prächtig (luftig, um Mehltau vorzubeugen). Gießt man genug (durstige Blume!), sollte sie fast immer blühen.

Nette Idee: Gegen Herbst weniger gießen und dann in einen kühlen Raum stellen, im Advent langsam wieder in wärmeren und wässern. Dann könnte sie zu Weihnachten blühen. Und zum Valentinstag schon ein Geschenk mit Geschichte sein.

axel.halbhuber@kurier.at