Leben
22.11.2018

Kostenfalle Pflege: Warnung vor unseriösen Anbietern

Der VKI hat 26 Vermittlungsagenturen getestet. Viele Angebote sind intransparent, die Gebühren überteuert.

Ein Branchensprecher jener Agenturen, die in Österreich 24-Stunden-Betreuer vermitteln, hat sich zuletzt über die negativen Berichte zu seiner Branche beschwert. Er wollte darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur dubiose Geschäftemacher, sondern auch viele seriöse Anbieter gibt.

 

Es mag Zufall sein, denn die Tester des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) haben ihren Zufallsgenerator angeworfen. Doch die Mehrheit der 26 vom VKI getesteten Agenturen (insgesamt gibt es 800) präsentierte sich alles andere als vertrauenerweckend.

Preisschwankungen

Die Ergebnisse sind zwar etwas besser als beim ersten Test 2011, dennoch rät VKI-Juristin Ulrike Docekal den Kunden und deren Angehörigen zu größtmöglicher Vorsicht beim Abschluss von Verträgen. Einige sind sogar für Juristen gar nicht leicht zu durchschauen.

Bei genauerer Prüfung der Vermittlungs-, Betreuungs- und Organisationsverträge zeigen sich enorme Preisschwankungen. So wird für die einmalige Vermittlung zwischen 240 und 793 Euro verlangt, die laufenden Kosten belaufen sich auf Beträge zwischen 249 und 3600 Euro pro Jahr. Für die tägliche Betreuung muss man somit 39 bis 110 Euro einrechnen. Hinzu kommen noch die Fahrtkosten der Betreuer (die meisten reisen aus der Slowakei und Rumänien an). Diese Kosten können je nach Angebot zwischen 50 und 420 Euro schwanken.

Als besonders problematisch bewertet Docekal die von der Hälfte der getesteten Agenturen vorgelegten Inkassoverträge. Diese Verträge sehen vor, dass das gesamte Honorar direkt an die Agentur bezahlt werden muss: „Das würde ich als Kundin eher nicht abschließen, weil ich damit die Kontrolle aus der Hand gebe. So kann ich mir nicht sicher sein, wie viel Geld sich die Agentur einbehält und wie viel Honorar die Betreuerin tatsächlich ausbezahlt bekommt.“

Docekal erzählt von Agenturen, die ihre Betreuerinnen dazu zwingen, mit dem firmeneigenen überteuerten Sammeltaxi nach Hause und zur Arbeit zu fahren.

Ihre Kollegin Angela Tichy ist in neun Verträgen auf Konkurrenzklauseln gestoßen, die sie als unverschämt bezeichnet: „Diese Klauseln sollen dann zur Anwendung gelangen, wenn Kunden ihre Agentur umgehen und mit ihren Betreuungskräften direkt verrechnen.“ Tichy stieß auf einen Anbieter, der mit einer Strafe von satten 10.000 Euro droht.

Nicht gesprächsbereit

Für den Test haben zunächst zwei VKI-Mitarbeiter und eine 24-Stunden-Betreuerin anonym angefragt. Im Anschluss daran wurden die ausgewählten Agenturen vom Verein für Konsumenteninformation offiziell kontaktiert. Auch da zeigten sich einige Anbieter alles andere als gesprächsbereit: Nur elf der 26 Agenturen kamen der Aufforderung nach, einen Fragebogen zu Leistungen und Kosten auszufüllen. Die 15 Anbieter, die nicht reagierten, wurden von der VKI-Rechtsabteilung auf ihre Informationspflicht hingewiesen. Nur acht sahen danach einen Handlungsbedarf.

Allgemein halten Docekal und Tichy fest, dass für die Kunden die Rechtsdurchsetzung in der Branche der Personenbetreuer immer noch sehr schwierig ist. Der Test, der ab heute im Konsument nachzulesen ist, wird jedenfalls nicht der letzte gewesen sein.

Tipps von den Konsumentenschützern

Vorsorgen: „Rechtzeitig drauf schauen, dass man es hat, wenn man es braucht,“ so lautete einmal der Slogan einer österreichischen Bank. Dazu raten auch die Konsumentenschützer Ulrike Docekal und Angela Tichy. Patienten und ihre Angehörigen sind mit einem oft plötzlichen Schicksalschlag emotional und rational überfordert.

Vergleichen: Der Vergleich macht nur sicher, wenn es etwas zu vergleichen gibt. In abgelegeneren Regionen gibt es oft nicht mehr als einen Anbieter. Grundsätzlich ist laut Angela Tichy ein monatliches Honorar für eine 24-Stunden-Betreuung von 1500 bis 2000 Euro angemessen. Dazu kommen noch die Gebühren für die Agentur und die Fahrtkosten.

Verhandeln: Auf keinen Fall Inkassoverträge akzeptieren! So weit möchte die Juristin Ulrike Docekal nicht gehen, dennoch rät sie dazu, bei nicht transparenten All-in-Verträgen zu verhandeln. Wer im übrigen wissen möchte, wie viel Geld die Betreuer tatsächlich erhalten, sucht am Besten das persönliche Gespräch mit den Betroffenen.

"Warum eigentlich, Frau Pilz?"