Ungarn: Regierungsnahe Medien schließen sich zusammen

Ungarn: Regierungsnahe Medien schließen sich zusammen
Beinahe 500 Medientitel sind nun in einer Holding vereint. Geleitet wird diese von einem Verbündeten Viktor Orbáns.

Es mag vielleicht wie der Anfang eines Witzes klingen, schreibt das regierungskritische ungarische Nachrichtenportal 24.hu über die aktuellen Ereignisse in Ungarns Medienlandschaft, aber es ist tatsächlich so passiert.

Am Mittwoch haben sich beinahe sämtliche regierungsnahe Medien zusammengeschlossen. Sie gehören nun zu einer erst im Sommer gegründeten Nonprofit-Holding der Mitteleuropäischen Presse- und Medienstiftung (Közép-Európai Sajtó és Média Alapítvány). Geleitet wird diese von einem engen Vertrauten von Ministerpräsident Viktor , Gábor Liszkay. Die Holding wolle die "Interessen der Leser zu dienen und bürgerliche Werte zu repräsentieren", hieß es in einer Aussendung.

In einem ersten Schritt hat Orbáns Jugendfreund Lőrinc (ehemaliger Installateur und mittlerweile einer der reichsten Männer Ungarns) mehrere Verlage anderer Oligarchen aufgekauft. Darunter Informdes österreichischen Investors Heinrich Pecina sowie Lapcom . Als zweiten Schritt hat Mészáros sowohl die neuen als auch die ohnehin schon in seinem Besitz befindlichen Medien der Holding übergeben.

Damit sind u. a. sämtliche Regionalblätter, eines der meistgelesenen Nachrichtenportale (origo.hu) sowie mehrere Radiosender an einem Tag in eine Hand gelangt. Aber auch zwei Fernsehsender haben nun den Besitzer gewechselt - darunter HírTV, jene TV-Anstalt, die erst im Sommer quasi über Nacht umgefärbt worden war.

Das regierungskritische Portal atlatszo.hu schätzt, dass insgesamt 476 Medientitel zur neuen Holding gehen - genauer könne man das erst sagen, wenn die Formalitäten geklärt seien.

Denn die Wettbewerbsbehörde muss den Deal erst absegnen - da auch an deren Spitze ein Verbündeter Orbáns steht, dürfte es sich nur um eine Formsache handeln.

Grund für die ganze Aktion dürfte laut 444.hu sein, dass Orbán nicht mehr zufrieden ist mit der Arbeit seiner Strohmänner: Die hätten die ihnen anvertrauten Medien als ihre eigenen betrachtet und wären mit dem Geld zu freizügig umgegangen.

Die Aktion habe vor allem symbolischen Charakter, sagte Zselyke CsakyForschungsdirektorin für Europa und Eurasien von der Nichtregierungsorganisation Freedom House, der New York Times. Denn die betroffenen Medien waren bereits davor auf Regierungslinie. Mittlerweile, meinte Csaky weiter, gebe es Parallelen zu den Staatsmedien im Kommunismus.

Die regierungstreuen Medien der neuen Holding bejubelten die Übernahme am Mittwoch: Während die rechten Medien stärker werden, könnten sich linksliberale Medien ohne Unterstützung aus dem Ausland kaum über Wasser halten, lautete der Tenor.

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