Spielbergs "Lincoln": Demokratie als Kuhhandel

Szene aus "Lincoln" …
Foto: Asdf Zwölf Oscarnominierungen für Steven Spielberg: Daniel Day-Lewis als Abraham Lincoln mit seiner depressiven Frau (Sally Field)Szene aus "Lincoln"

"Lincoln" ist Oscar-Favorit, aber nicht der beste Film des Jahres. Weiters: Dustin Hoffmans Regiedebüt "Qartett", "Movie 43", "Gangster Squad".


Beginnen wir mit dem staatstragenden Titel:
"Lincoln" suggeriert, es hier mit einer Biografie zu tun zu haben. Dem Leben jenes legendären amerikanischen Präsidenten, unter dem die Nord- und Südstaaten geeint wurden und die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde.

Er ist es nicht.

Der Film spielt nur in den letzten Monaten von Lincolns Leben und seiner Amtszeit. Und er spielt hauptsächlich im Büro. Er ist ein dreistündiger Bürofilm der sprechenden Köpfe, der Rede und Gegenrede – schließlich handelt er ausführlich davon, wie in der Demokratie Politik gemacht wird. Und dafür ist er, man muss es zugeben, gar nicht mal unspannend.

Ein Un-Film

Machen wir weiter: Mit zwölf Oscarnominierungen ist Steven Spielbergs Film der Favorit der kommenden Gala, was wiederum suggeriert, es handle sich um den besten Film des Jahres.

Er ist es nicht.

Es ist vielleicht für Spielberg in vielerlei Hinsicht ein Un-Film: untypisch, über lange Strecken unpathetisch und unsentimental (sieht man von Anfang und Ende ab). Mehr ein Film von Tony Kushner, der das Drehbuch geschrieben hat, als von Steven Spielberg. Dennoch hätte der Film ruhig noch ein wenig komplexer oder anders formuliert: weniger voll patriotisch wehender Fahnen sein dürfen. Wir befinden uns im Jahr 1865, draußen vor der Tür tobt der Bürgerkrieg, stapeln sich die Toten. Doch die sieht man ohnehin kaum in diesem Film. Wir befinden uns hauptsächlich in einem Gerichtssaal-Thriller, der davon handelt, wie man den Sklaverei-Paragraphen, den „13th Amendment“ im Gesamtgebiet der USA demokratisch abschaffen könnte.

Lügen und betrügen

Der Ort dafür ist das Repräsentantenhaus. Abraham Lincoln und seine republikanischen Gesinnungsgenossen spielen darin so was wie verhandelnde Anwälte, die Ja-Stimmen finden müssen und dafür lügen und betrügen, Parteigenossen überzeugen, bestechen und zu erpressen versuchen. Und darin liegt vor allem ein großer moralischer Konflikt:

Lincoln kann und will den Bürgerkrieg nicht beenden, weil sich danach niemand mehr gegen den Sklaverei-Paragraphen engagieren oder sich für das Schicksal der Schwarzen interessieren würde. Er zögert das Kriegsende also hinaus.

Heiligt der Zweck damit die Mittel? Wie etwa auch in der (zeitgenössischen) Terrorismusbekämpfung diskutiert wird?

Wie auch immer. Die Demokratie steht am Ende als einziger Kuhhandel da.

Den Oberkuhhändler spielt der oscarnominierte Daniel Day-Lewis ständig in mythische Düsternis gehüllt, und er spielt ihn wie alle seine Rollen: kalt und monolithisch. Perfekt, wie er hinkt, perfekt, wie er seinen Bart stutzt und perfekt, wie er spricht und (auch für seine augenrollenden Mitarbeiter schon nervig) langatmig Anekdoten erzählt. Doch dabei zuzuschauen, wie perfekt er sein kann, ist am Ende von drei Stunden zu wenig. Er schnallt sich Lincoln wie eine Rüstung um, Gefühle dringen kaum nach draußen. Am berührendsten noch, wie einsam und irgendwie verloren er manchmal durch diese Staatsaffäre stolpert (an seiner Seite Sally Field als depressive Ehefrau, die schauspielerisch nie an die Großartigkeit ihres historischen Kostüms heranreicht).

Dass „Lincoln“ in den USA einen Nerv getroffen hat, ist unbestreitbar. Spielberg zeigt Demokratie als einzigen gesellschaftlichen Weg, Sklaverei (damals), Terror (heute) oder Rassismus (damals wie heute) zu begegnen.

Ganz am Ende des Films wird Lincoln – im Gegensatz zum Beginn – daher Teil der demokratischen Masse werden und der Präsident fast in der Menge der Menschen verschwinden.

(Veronika Franz)

KURIER-Wertung: *** von *****

"Lincoln": USA 2013. 151 Minuten. Von Steven Spielberg. Mit Daniel Day Lewis, Tommy Lee Jones.

Was er anfasst, wird zu Gold: 14 seiner insgesamt 28 Filme spielten mehr als 100 Millionen Dollar ein. Mit unglaublicher Produktivität und Konstanz über vier Dekaden hinweg wurde Steven Spielberg so zum erfolgreichsten Regisseur Hollywoods: Steven Allan Spielberg wurde am 18. Dezember 1946 als Kind jüdischer Eltern in Cincinnati, Ohio geboren. Sein Vater war Elektroingenieur, seine Mutter Konzertpianistin. Seine Vorfahren haben auch österreichische Wurzeln. Sie arbeiteten um 1835 für den Grafen von Spielberg - daher auch der Name. Heute trägt der Hauptplatz der steirischen Gemeinde Spielberg bei Knittelfeld den offiziellen Namen Steven-Spielberg-Platz. Schon früh entdeckte Spielberg seine Leidenschaft für den Film: Seinen ersten Kurzfilm drehte er im zarten Alter von dreizehn Jahren. "Ich kann ehrlich behaupten, dass ich noch heute ein ebenso großer Filmnarr bin wie damals in der High School, als ich meine ersten Amateurfilme drehte", versichert der Regisseur im Vorwort zum Bildband höchstpersönlich. Bild: Als 17-Jähriger am Set von "Firelight". Seinem zweiten Film, mit dem er 600 Dollar einspielte. Begeistert von der Magie Hollywoods, schlich er sich als Teenager auf das Gelände der Universal Studios und wartete auf seine Chance. Die Hartnäckigkeit sollte sich lohnen: In Sidney Sheinberg fand er einen mächtigen Förderer. Nachdem Spielberg mit seinem Kurzfilm "Amblin" beim Atlanta Film Festival für Aufsehen sorgte, verpflichtete ihn der Präsident von Universal mit gerade einmal 24 Jahren für sein Studio. 1974 lieferte er mit "Sugarland Express" seine Feuerprobe für Universal ab und bestätigte seinen Ruf als Wunderkind. Bild: Spielberg bei der Besprechung einer Szene mit der jungen Goldie Hawn. Bereits ein Jahr später drehte er mit zarten 27 Jahren seinen ersten großen Blockbuster. "Der Weiße Hai" sollte den Mythos des erfolgreichsten Regisseurs Hollywoods begründen. Der Horrorstreifen führte sieben Jahre lang die Liste der erfolgreichsten Filme an.
Davon war bei den Dreharbeiten allerdings noch nichts zu bemerken:
Bild: Bei der Vorbereitung für den Dreh einer Szene von "Der Weiße Hai". "Ich war besinnungslos vor Angst. Ich sah aus wie 17 und hatte Akne, nicht gerade vertrauenserweckend für eine erfahrene Crew."
Es sind solche persönlichen Einblicke in das Seelenleben Spielbergs, die den Bildband von Richard Schickel auch zu einem besonderen Leseerlebnis machen. Daten und Fakten zu allen 28 Filmen werden durch zahlreiche Interviews, die Schickel mit Spielberg über die Jahre hinweg geführt hat, ergänzt. Der Filmhistoriker zeichnet so ein profundes Bild über einen Regisseur, der sich nach all den Erfolgen noch immer ehrlich - nie zynisch - für das Kino begeistert. Bild: "Bruce" (so wird die Hai-Attrappe am Set genannt) wird von Spielberg auf seine Fähigkeiten als Luftmatratze getestet. Die Privatperson Spielberg klammert Schickel dabei Großteils aus. Die beiden Ehen, aus denen Spielberg vier erwachsene Kinder hat, werden nur am Rande erwähnt. Im Vordergrund steht der Regisseur Spielberg. Bild: Einer der seltenen öffentlichen Auftritte mit Familie. Hier mit seiner Tochter Mikaela George bei der Oscar-Gala 2009. In den Folgejahren festigte Spielberg seinen Ruf, ein Gespür für gewinnträchtige Stoffe zu haben. Mit "Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes" folgte 1981 bereits der nächste große Erfolg.
Bild: Harrison Ford und Steven Spielberg am Set von Teil eins der Quadrologie. In Zusammenarbeit mit George Lucas, mit dem ihn auch eine enge persönliche Freundschaft verbindet, entstand so eine der erfolgreichsten Filmreihen Hollywoods. Denn auch die beiden Fortsetzungen "Der Tempel des Todes" (1984) und "Der letzte Kreuzzug" (1989 - Bild) wurden zu Kassenschlagern. Die Filme spielten im Schnitt 495 Millionen US-Dollar ein. 2008 erzählte er gemeinsam mit George Lucas - hier sind die beiden am Set von "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" zu sehen - und einem gealterten Harrison Ford ein letztes mal die Geschichte des legendären Dr. Henry Walton Jones, Jr. Der lange Zeit prägendste Film für Spielberg war jedoch "E.T. - Der Außerirdische". In dem Science-Fiction-Märchen erzählte er 1982 auch seine eigene Geschichte des "jüdischen Jungen, der immer anders war, als die anderen. Für mich ist E.T. der emotionalste Film, den ich je gemacht habe."
Typisch für Spielberg führte er darin ein junges Mädchen (Drew Barrymore) als Hauptfigur - in ein Genre ein, das zuvor nur tapfere Krieger und furchterregende Aliens kannte. Der Ausflug in das bis dato unbekannte Genre wurde zum Kassenschlager. Spielberg brach damit seinen eigenen Rekord, den er zuvor mit "Der Weiße Hai" aufgestellt hatte und war im Ranking der erfolgreichsten Filme ganze elf Jahre lang an der Spitze zu finden.
Bild: Spielberg und E.T. im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds. Für Steven Spielberg stellte E.T. die "Quintessenz meiner Kindheit" dar - und bedeutete zugleich aber auch ihr Ende. "Mit dem Erfolg des Films im Rücken wagte ich mich an ernstere Themen heran. E.T. war sozusagen der Freifahrtschein künftig auch einmal scheitern zu dürfen." Für das Kinopublikum und die Kritiker hatte er damit aber lange Zeit den Stempel des Märchenonkels - dem man schwere Themen nicht zutraute. In "Die Farbe Lila" mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle der tragischen Figur Celie wagte er sich 1985 erstmals an einen solchen Stoff: Das Südstaatendrama handelt von lesbischer Liebe und kontroversen Themen wie Inzest und Missbrauch. Doch auch das bedrückende Drama wurde zum Erfolg an den Kinokassen und spielte ein Vielfaches seiner Produktionskosten ein. Darüber hinaus konnte Spielberg erstmals auch die Filmkritiker überzeugen. Oscar gab es allerdings keinen: Von elf Nominierungen zog keine einzige. Den großen Oscar-Erfolg sollte er 1993 mit "Schindlers Liste" nachholen. In dem Schwarzweiß-Drama setzte sich Spielberg mit der Geschichte des Holocaust auseinander. "Es war mein erster Versuch, einen Film mit einer Botschaft zu machen. Sie ist ganz einfach: So etwas darf nie wieder geschehen." Sieben Oscars, darunter "bester Film" und "beste Regie" waren der Lohn dafür. 1993 sollte überhaupt zu Spielbergs Jahr werden. Mit "Jurassic Park" startete er im selben Jahr seine zweite große Filmreihe - und setzte abermals neue Maßstäbe an den Kinokassen. Das Action-Spektakel mit den Kreaturen aus der Kreidezeit spielte weltweit 920 Millionen ein - und auch die beiden Fortsetzungen waren dem Blockbuster-König würdig. Spielberg selbst sieht seinen Erfolgsfilm mittlerweile kritisch: "Es ist mir peinlich, dass ich mit 'Jurassic Park' nur versucht habe, eine Fortsetzung von 'Der Weiße Hai' zu drehen - nur eben an Land. Das war unverfroren. Das kann ich heute zugeben." In den 90er-Jahren fokussierte Spielberg zusehends auf seine Tätigkeit als Produzent. 1994 gründete er mit "Dreamworks Pictures" sein eigenes Filmstudio, das sich vor allem mit Animationsfilmen ("Antz") einen Namen machte. Spielberg selbst konzentrierte sich vor allem auf die Förderung junger Talente und drehte erst 1997 wieder einen eigenen Film. Der "Der Soldat James Ryan" wurde 1998 zu einem weiteren Karrierehöhepunkt. Für den Kriegsfilm wurde er mit seinem zweiten und bislang letzten Regie-Oscar belohnt.
Die Zusammenarbeit mit Tom Hanks bezeichnete er in einem Interview mit Richard Schickel als "die beste Erfahrung, die ich je mit einem Schauspieler gemacht habe." Kein Wunder, dass die beiden Kapazunder - die auch abseits der Leinwand eine persönliche Freundschaft verbindet - noch öfters gemeinsam arbeiteten: Auch in "Terminal" (2004) war Hanks die erste Wahl. Als Produzenten blieben sie ihrem gemeinsamen Thema treu und arbeiteten gemeinsam an "Band of Brothers" (2001) und der Kriegsserie "The Pacific" (2009). Nach "Minority Report" mit Tom Cruise 2002 drehte er im selben Jahr "Catch me if you can". Leonardo DiCaprio wurde für seine Rolle als Trickbetrüger für den Golden Globe nominiert, Christopher Walken, der in der Gaunerkomödie seinen Vater spielte, für den Oscar als bester Nebendarsteller. Wieder mit dabei: Tom Hanks als FBI-Agent. Auch mit Tom Cruise gab es ein Wiedersehen: 2005 in "Krieg der Welten". In dem Sci-Fi-Thriller setzt Spielberg wieder auf sein Erfolgsrezept aus den 80ern: Durchschnittsbürger, die in außergewöhnlichen Situationen und untypischen Genres zu Helden reifen.  Zu Spielbergs Filmerfolgen kamen 2005 erstmals auch berufliche Rückschläge: Seine Produktionsfirma "Dreamworks Pictures" musste nach finanziellen Schwierigkeiten an Paramount Pictures verkauft werden. 2011 brachte Spielberg seinen ersten Animationsfilm in die Kinos. Für das ehrgeizige Projekt "Die Abenteuer von Tim und Struppi" tat er sich mit einem zweiten Blockbuster-Spezialisten zusammen: Peter Jackson. Gemessen am Einspielergebnis ist der Neuseeländer mit seiner "Ringe-Trilogie" sogar noch erfolgreicher als Spielberg selbst. Der zweite Teil der "Tim und Struppi"-Trilogie soll erst 2015 in die Kinos kommen. Aktuell feiert sein Historiendrama "Lincoln" Kritikererfolge. Das epische Biopic mit Daniel Day Lewis als legendärer Präsident der Vereinigten Staaten ist mit 12 Nominierungen der Topfavorit bei den diesjährigen Oscars. Bei den Golden Globes ging Spielberg aber leer aus. Egal, ob er am 24. Februar auch noch seinen dritten Oscar als "Bester Regisseur" in Empfang nehmen darf - an seinem Status als Hollywoods Lieblingsregisseur wird das wohl nichts ändern. "Steven Spielberg. Seine Filme, sein Leben" // Mit einem Vorwort von Steven Spielberg und der kompletten Filmografie // Gebunden, 280 Seiten // mit 400 farbigen Abbildungen // Preis € 41,10. // erschienen im Knesebeck Verlag 2012.

Im Kino: "Lincoln"

Quartett

Dustin Hoffmans Regiedebüt: Leben in einer Altersresidenz

Quartett - Filmladen - Honorarfrei!!!…
Foto: Filmladen

Drama. Nein, bei „Quartett“ handelt es sich nicht um ein Kinderkartenspiel. Es geht hier zwar darum zu spielen, aber noch mehr darum: zu singen. Zu viert nämlich, im Quartett. Und wie es dazu kommt, erzählt ein Film, der in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert ist. Es ist das Regiedebüt von Dustin Hoffman, und nicht unbeeindruckend, welchen Stoff er sich da ausgesucht hat.

Alte Menschen, die in einer Nobelresidenz für ehemalige Opernsänger und Orchestermusiker leben und ein Konzert anlässlich Verdis Geburtstag vorbereiten. Da proben und streiten, trällern und singen alle mit Verve, wenn auch nicht mehr so grandios wie in ihren Glanztagen. Die Neuankunft von Opernstar Jean (Maggie Smith) wirft dann Fragen auf: Wie wichtig ist es, einen Ruf zu verlieren? Was bedeutet ein Leben im Ruhestand? Gibt es den überhaupt für Künstler?

Inspiriert wurde die Geschichte von Daniel Schmids Doku „Casa Verdi“ über ein Altersheim in Mailand, das Verdi selbst gestiftet hat. Dustin Hoffman macht als Regisseur seine Sache passabel – ohne große visuelle Ideen lässt er das ambitionierte Starensemble Spaß an der Komödie haben. Viele echte Musiker spielen auch Rollen: darunter vor allem die große Gwyneth Jones.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: "Quartett". USA/GB 2013. 98 Min. Von Dustin Hoffman. Mit Maggie Smith, Tom Courrtenay, Pauline Collins.

Neu im Kino: "Quartet"

MOVIE 43

Ein Hodensack mit Haaren am Kehlkopf

Komödie. Der Mann scheint perfekt: Er ist reich und Single. Außerdem sieht er gut aus. Zumindest, bis er seinen Schal abnimmt. Dann wird’s gruselig. Denn wo andere einen Adamsapfel haben, hängt bei ihm ein Hodensack am Hals. Mit Haaren dran.

Das ist der krasse Humor der Farrelly-Brüder. Und es wird krasser: die Frau, die ihrem Verlobten gesteht, dass sie gerne Fäkalsex hätte. Der Typ, der mit seiner Katze Zungenküsse austauscht. Der Vater, der sich bei der Regelblutung seiner Tochter anspeibt.

Verschiedene Regisseure – darunter Peter Farrelly – haben kleine Kurzkomödien gedreht, die sich darum bemühen, möglichst tiefe Witze zu reißen, die sich möglichst unter der Gürtellinie abspielen. Eine feine Sammlung an schlechtem Geschmack, sozusagen, die lose davon zusammen gehalten wird, dass zwei Teenager im Internet surfen und sich von einem Kurzfilm zum nächsten klicken. Warum der Radikalhumor nie wirklich abhebt, ist schwer zu sagen. Vielleicht, weil das Format der Nummern-Revue zu wenig Zeit lässt, um den Humor mit genügend Milieu auszustatten.

(Alexandra Seibel)

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: "Movie 43". USA 2012. 90 Min. ­Von Peter Farrelly, Steven Brill u. a. Mit Hugh Jackman, Kate Winslet.

Im Kino: "Movie 43"

GANGSTER SQUAD

Viel Blut und auch viel Starglanz, aber keine Substanz

Thriller. Er ist der Held der Unterwelt, hält sich für Gott: Gangsterboss Micky Cohen schreibt die Chronik von Los Angeles mit Blut. Dass ein paar Cops gegen ihn aufstehen, damit rechnet er nicht,

Klingt wie eine packende Mobster-Geschichte à la Scorsese, ist es aber nicht. Regisseur Ruben Fleischer schafft es trotz Starpower – Sean Penn, Josh Brolin, Nick Nolte – nicht, Spannung und Tiefe in dieses ultrabrutale Gangsterstück zu bringen. Schade um die Ressourcen, die hier nicht genützt wurden. (S.L.)

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: "Gangster Squad". USA 2013. 113 Min. Von Ruben Fleischer. Mit Nick Nolte, Sean Penn, Ryan Gosling

Im Kino: "Gangster Squad"

KINO IN KÜRZE

Tim Burton, Denzel Washington, Doku über Independent-Filmer

"Frankenweenie"

3D-Animation. Ein kleiner Bub verliert bei einem Autounfall seinen Hund, will sich aber damit nicht abfinden. Also kommt Victor auf die Idee, Sparky nach Frankenstein’scher Art wiederzubeleben. Tim Burtons schauerlich-zärtlicher Liebesfilm von Hund und jungem Herrl ist nicht sein bester. Aber immer noch gut.
Mehr über Tim Burtons "Frankenweenie"

KURIER-Wertung: **** von *****

"Flight"

Thriller. Der Film von „Forrest Gump“-Regisseur Robert Zemeckis besticht nicht nur mit einem atemberaubendem Flugzeugabsturz. Auch Denzel Washington (lesen Sie am Sonntag ein Interview in der KURIER-Kultur) brilliert im Abstürzen als Pilot und Alkoholiker. Er kann das kaputte Flugzeug zwar bravourös landen, nachdem er es auf den Kopf dreht und so den meisten Passagieren das Leben rettet. Als Held gefeiert stellt sich dann aber heraus, dass er zum Zeitpunkt des Flugs betrunken war. Ein Film über Sucht, Wunder , den Glauben an sich und eine Dreiliter-Flasche Wodka.
Mehr über Denzel Washington und "Flight" lesen Sie demnächst.

KURIER-Wertung: **** von *****

"Blank City"

Doku. New York in den späten 70er-Jahren: Die Doku wandelt auf den Spuren amerikanischer Künstler damals. Independent-Filmer wie Jim Jarmusch, Schauspieler wie Steve Buscemi oder Musikerinnen wie Patti Smith und Debbie Harry zwischen Aufbruch und Drogenkonsum.

KURIER-Wertung: **** von *****

Im Kino: "Frankenweenie"

Kinomagier Tim Burton kehrt mit dem Animationsfilm "Frankenweenie" zu seinen Wurzeln zurück.

Im Kino: "Flight"

Neu im Kino: "Blank City"

(kurier) Erstellt am
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