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Kultur
04/22/2020

Sind Künstler "nur beliebt, wenn die Zeiten rosig sind?"

Freischaffende Künstler in Europa fordern Hilfe ein - unterstützt von Stars. Wo Kooperation klappt, und wo nicht.

von Georg Leyrer, Peter Jarolin

So leer Venedig jetzt auch ist: Das soll nicht so bleiben. Auch kulturell nicht. Denn das Filmfestival in Venedig soll, wie geplant, von 2. bis 12. September am Lido stattfinden. Diese Aussicht auf so etwas wie kulturellen Alltag bekräftigte die Biennale-Leitung nun wieder. Und deren Präsident Roberto Cicutto schlug auch gleich einmal eine Tür zu, die sich zuletzt ein wenig zu öffnen schien: „Es gibt keinen Dialog“ mit Cannes, sagte er – und erteilte den Avancen des Chefs der Filmfestspiele an der französischen Rieviera eine Absage. Kurz hatte es so ausgesehen, als hätte es zu einer wahrhaft historischen Kooperation zwischen den beiden wichtigsten Filmfestivals geben können. Cannes und Venedig gemeinsam, das wäre ein Signal gegen die Krise gewesen.

Dass Italien hier nun einen Riegel vorschiebt, ist, je nach Auslegung, ein Dämpfer im künstlerischen Zusammenhalt. Oder ein Signal, dass demnächst derartiges wirklich nicht mehr nötig ist.

„Nicht nur Sängerleins“

Ein derartiger wiedergewonnener Alltag – es gibt Auftritte und damit auch Einnahmen – ist für viele Künstler jedoch in weite Ferne gerückt. Vor allem freie Künstler sehen sich in vielen europäischen Ländern nicht von den Hilfspaketen für Wirtschaft und Kultur erfasst. Und sie formieren sich, wie der KURIER berichtete, mit Unterstützung prominenter Künstler zu Initiativen. Ein Ausgangspunkt war etwa eine Petition von Opernsängern unter Koordination des Tenors Wolfgang Ablinger-Sperrhacke an Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne).

Die Forderung: Ein „runder Tisch“ zwischen Politik, Vertretern der Institutionen und freischaffenden Künstlern, die seit der Corona-Pandemie kein Geld mehr verdienen können, um eine einheitliche Lösung in Sachen Hilfe zu finden. Prominente Mitstreiter wie Elisabeth Kulman, Tomas Konieczny oder Günther Groissböck waren schnell gefunden. Inzwischen sind neben weiteren Opernstars wie Angela Denoke, Christiane Karg oder René Pape auch viele Künstlerinnen und Künstler aus anderen Sparten mit an Bord. „Wir sind nicht nur mehr ein paar freischaffende Sängerleins“, sagt Ablinger-Sperrhacke zum KURIER.

Auch Dirigent Franz Welser-Möst unterstützt „vollinhaltlich die Initiative von Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, in diesen schwierigen Zeiten den Einkommensschwachen und -schwächsten der freischaffenden Künstler zu helfen“, wie er betont.

Und auch in Deutschland, Frankreich und Spanien formieren sich die Künstler. Von der IG Freie Theater in Österreich bis zu Musicalstars wie Drew Sarich oder Ann Mandrella. „Es geht hier um alle Freischaffende, unabhängig von Gage oder Karriere“, betont Mandrella.

Einen „runden Tisch“ in Österreich aber gibt es bis dato immer noch nicht.

Pape, Dirigent Christian Thielemann und andere fragen derweil in einem offenen Brief in Deutschland im Namen der Künstler: „Sind wir nur beliebt, wenn die Zeiten rosig sind?“

Das ist eine gute Frage.

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