Ein Melancholiker mit Humor und Seele

Nachruf: Abschied von Publikumsliebling Karlheinz Hackl, der eigentlich nie aufhören wollte.

Publikumsliebling mit politischem Engagement: Karlheinz Hackl.

Lange schien der Dämon gebannt. Im Vorjahr feierte Karlheinz Hackl seinen zehnten Wiedergeburtstag, also ein rundes Jubiläum der Genesung von seinem Gehirntumor. Sein Bühnen-Comeback gelang. Den quälend mühsamen Weg zurück ins normale Leben – vor allem auch für seine Ehefrau Maria Köstlinger – beschrieb er in seinem 2009 erschienenen Buch "Meine zwei Leben – Ein ziemliches Theater."

Das Bangen blieb. Und am Sonntag hat der Film- und Bühnenschauspieler 65-jährig den Kampf gegen seine Krebserkrankung in Wien verloren.

Vieles hat er gemacht in seinem Leben: Bei Rapid in der Jugendauswahl gespielt. Kellneriert und Platten aufgelegt in einem Barfußtanzlokal in der Porzellangasse. Betriebswirtschaft studiert. Und Schauspiel bei Fritz Muliar, der über Hackl sagte: "A schöner Mensch und doch kein Depp."

Bei Gustav Manker am Volkstheater hat er gleich "junges Charakterfach" gespielt – "weil laut Spielplan keine jugendlichen Liebhaber gefragt waren".

Publikumsliebling

1978 wurde Hackl Ensemblemitglied des Burgtheaters. Hier avancierte er zum Publikumsliebling und war u. a. als Demetrius in Shakespeares "Sommernachtstraum", als Karl Moor in Schillers "Die Räuber", als Alfred in Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald", als Molnars "Liliom" und Osbornes "Entertainer" zu sehen.

Er galt als Spezialist für weltmüde Melancholiker, für elegante und schlüpfrige Frauenhelden, für den Strizzi mit Seele. Bei den Salzburger Festspielen spielte er die Titelrolle in "Der Schwierige" (1991) oder den Doktor von Aigner in Schnitzlers "Das weite Land" (2012). Musicalerfolge feierte Hackl u. a. als Partner von Frank Hoffmann im "Käfig voller Narren" sowie als "Mann von La Mancha" an der Volksoper.

Unvergessen auch seine Auftritte in der Eigenbrötler-Komödie "Sonny Boys" gemeinsam mit Heinz Marecek.

2012 bekam Hackl den Nestroy-Preis für sein Lebenswerk. Aufgegeben hat er sich nie. Aber ohne Humor und Selbstironie hätte er es nicht gepackt. Die Krankheit habe ihn verändert, sagte er, der sich einen "Zyniker mit Humor" nannte: "Plötzlich ist das Leben so endlich. Ich bin lockerer geworden, weil mir vieles wurscht ist."

Seine Lieblingsbeschäftigung war zuletzt urwienerisch: "Ich häng herum und bin mieselsüchtig."

Stationen einer bewegten Karriere

Am 16. Mai 1949 in Wien geboren, absolvierte Karlheinz Hackl nach der Matura sowohl ein Betriebswirtschaftsstudium als auch die Schauspielschule Krauss. 1972/73 debütierte er schließlich am Wiener Theater Die Courage. Nach einem ersten Vertrag an der Josefstadt war Hackl von 1974 bis 1976 am Volkstheater engagiert, danach holte ihn Boy Gobert für zwei Jahre ans Hamburger Thalia-Theater. 1978 wurde Karlheinz Hackl Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Hier avancierte er zum Publikumsliebling und war unter anderem als Demetrius in Shakespeares "Sommernachtstraum", als Karl Moor in Schillers "Die Räuber", als Alfred in Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald", als Molnars "Liliom" und Osbornes "Entertainer" zu sehen.
Bild: Hackl bei den Festspielen Reichenau 1988 mit Robert Meyer und Kurt Sinowetz bei den Festspielen Reichenau Starke Unterstützung: Karlheinz Hackl mit seiner Ehefrau und Schauspiel-Kollegin Maria Köstlinger beim Kurier-Interview vergangenes Jahr. Bei den Salzburger Festspielen spielte der Kammerschauspieler, der u.a. auch mit der Kainz-Medaille, einer "Romy" (Bild) ... ... und 2012 auch mit einem "Lebenswerk-Nestroy" ausgezeichnet wurde und am Wiener Reinhardt-Seminar unterrichtete, u.a. 1991 die Titelrolle in "Der Schwierige" oder 2012 den Doktor von Aigner in Schnitzlers "Das weite Land". Musicalerfolge feierte Hackl u.a. als Partner von Frank Hoffmann im "Käfig voller Narren" sowie als "Mann von La Mancha" an der Wiener Volksoper. 1988 feierte Hackl am Volkstheater mit Neil Simons "Brooklyn Memoiren" sein Regiedebüt. Danach inszenierte er u.a. Ibsens "Nora", Shakespeares "Romeo und Julia", Feydeaus "Ein Floh im Ohr", Raimunds "Verschwender" und Nestroys "Der Färber und sein Zwillingsbruder". Neben seiner Bühnentätigkeit wirkte Hackl in zahlreichen TV- und Filmproduktionen mit.
Bild: Karlheinz Hackl bei der Romy-Gala
 2010 Sein schauspielerisches Comeback nach der ersten Krebserkrankung feierte Karlheinz Hackl im Jänner 2005 ausgerechnet mit der Wiederaufnahme des "Zerrissenen": Schließlich war er 2003 während einer Vorstellung des Stücks zusammengebrochen, worauf Diagnose und Operation gefolgt waren.
Bild: Karlheinz Hackl in seiner Paraderolle. Als Zaza im "Käfig voller Narren", 2006. Am Sonntag verlor Karlheinz Hackl seinen Kampf gegen den Krebs nun endgültig. Er starb im Alter von 65 Jahren. Hier geht's zum Artikel

Reaktionen

"Inbegriff der österreichischen Schauspielkunst"

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) würdigte den Verstorbenen in einer Aussendung als "bedeutenden Volksschauspieler", der aber auch als Regisseur, Lehrer, Buchautor und Kabarettist "den Menschen in unserem Land viel Freude bereitet hat".

Für Karin Bergmann war Karlheinz Hackl "der Inbegriff der österreichischen Schauspielkunst", wie die Burgtheater-Direktorin in einer Erklärung mitteilte. Bergmann würdigte Hackl insbesondere für seine Darstellung von Figuren Nestroys, Raimunds und Hofmannsthals. "Das Burgtheater bedauert zutiefst diesen großen Verlust für die Theaterwelt", schrieb sie.
 

(KURIER) Erstellt am
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