© Albertina/Michal Dziewulski

Albertina
10/19/2020

Sammlung Jablonka in der Albertina: Organtransplantation auf Probe

„My Generation“ ist die Präsentation der jüngsten Dauerleihgabe des mit vielen Privatsammlungen gesegneten Bundesmuseums

von Michael Huber

Jetzt hat auch Wien sein goldenes Klo: Es ist allerdings nicht jenes aus Massivgold gefertigte Objekt mit dem Titel „America“, das der italienische Kunst-Provokateur Maurizio Cattelan 2016/’17 im New Yorker Guggenheim platziert hatte und das 2019 aus dem englischen Blenheim Palace gestohlen wurde, nachdem es zwischenzeitlich Donald Trump als Leihgabe angeboten worden war.

Nein, die Wiener Version heißt „Buddha“ und ist eine von der Künstlerin Sherrie Levine angefertigte Variation der berühmten „Fountain“, mit der Marcel Duchamp 1917 das sogenannte Readymade etablierte: Seither lässt sich in unzähligen Varianten studieren, wie jedes neu im Museum (oder im Weißen Haus) platzierte Ding nicht nur selbst andere Bedeutungen annimmt, sondern auch die Bedeutung der jeweiligen Institution und der in ihm versammelten Dinge verschiebt.

Womit wir bei der Sammlung Jablonka wären.

Transformation

Diese Kollektion, die nun in der Schau „My Generation“ gezeigt wird (bis 21. 2. 2021), ist die jüngste Hinzufügung zum Kosmos der Wiener Albertina. Das Museum hat sich ja bereits viele Privatsammlungen einverleibt und seine Identität dabei mal mehr, mal weniger modifiziert (siehe unten.)

Die Sammlung des aus Polen stammenden Kurators und Galeristen Rafael Jablonka, der in Tirol lebt, ist eine Organtransplantation auf Probe: Mit sieben Jahren ist die Laufzeit der Dauerleihgabe vorerst recht kurz bemessen, es muss sich erst weisen, ob Sammler, Sammlung und Museum harmonieren.

„My Generation“ fokussiert auf großformatige Arbeiten einer Handvoll Künstler, die Jablonka teils über Jahrzehnte begleitete und die in der Schau mit Werken aus unterschiedlichen Phasen kurz porträtiert werden.

Viele davon hatten ihre Hoch-Zeit in den 1980er und 90er Jahren: Um Francesco Clemente, einst verehrter Star der Malerei, ist es etwa recht still geworden. Andere wiederum sind in neue Umlaufbahnen gestiegen – etwa Damien Hirst, dessen 1992 ersonnene Installation mit Tischtennisbällen, die mit Luftdruck in Schwebe gehalten werden, eine recht bescheidene Ecke der Ausstellung bewohnt.

Die Schau lädt ein, nachzudenken, wie gut manche Kunst die Zeit überdauert und andere nicht: die Malerei von Eric Fischl oder Ross Bleckner etwa betört ungemein, die Readymade-Variationen von Andreas Slominski wirken wie Gesten von gestern.

Im Netzwerk

Ein solches Urteil ergibt sich auch deshalb, weil die ’80er und ’90er – nicht nur, aber insbesondere in den USA, wohin Jablonka oft blickte – viel „Kunst über Kunst“ hervorbrachten: Jedes Werk verweist auf ein Netzwerk von Vorgängern, das im Wiener Kunstgeschehen aber lange nicht wirklich präsent war. Einen nachvollziehbaren Wien-Bezug gibt es nur bei Philip Taaffe, dessen überwältigendes Bild „Megapolis“ 1996 für die Secession geschaffen wurde, und bei Mike Kelley, der intensive Beziehungen zum Wiener Aktionismus pflegte.

Und sonst? Vielleicht ist es in der globalisierten Kunstwelt ja längst egal, wo ein Werk oder eine Sammlung letztlich andockt. Ganz gewiss braucht es Zeit, bis sich Dialoge zwischen einer bestehenden Sammlung und Neuzugängen entwickeln. Was die Jablonka-Sammlung zu sagen hat, werden wir erst sehen.

Info: Die gesammelten Sammlungen der Albertina

Rund 420 Objekte umfasst die Leihgabe, die Rafael  Jablonka der Albertina überantwortete – mehr als 200 davon,  Fotografien des Japaners Nobuyoshi Araki, sind nicht Teil der aktuellen Schau. Werke der Jablonka-Sammlung sollen  in naher Zukunft auch  in einer Schau über die Kunst der 1980er Jahre  in der „Albertina Modern“  sowie in einer Ausstellung mit  Arbeitstitel „How Real Is Real“ zu sehen sein.

Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder betont die Wichtigkeit  solcher Dauerleihgaben, um in Zeiten des coronabedingt  eingeschränkten Leihverkehrs Ausstellungen zusammenzustellen zu können. Die Strategie, die Museumsbestände offensiv  durch Privatsammlungen zu erweitern, verfolgt Schröder aber seit jeher – zunächst durch die Aufnahme der Sammlung Batliner im Jahr 2007, die mit dem Titel „Monet bis Picasso“ die Albertina-Schausammlung bildet. 

Die größte – und auch umstrittenste –  Sammlungserweiterung gelang der Albertina mit der Übernahme der Sammlung Essl  mit mehr als 5000 Werken im Jahr  2017 (der im Eigentum der Familie Essl stehende Teil wurde später dem Museum geschenkt, der  Hans-Peter Haselsteiner gehörende Teil bleibt bis 2044 Dauerleihgabe). Zuletzt  übernahm das Museum u. a. noch die Sammlung des Ehepaars Dagmar & Manfred Chobot mit Werken österreichischer Gegenwartskunst.

 

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