© ORF/Michael Pöhn

Kritik
12/20/2020

"Rosenkavalier" aus der Staatsoper: Hohe Qualität fürs Fernsehen

Wiener Staatsoper. „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss am 27. 12., ORF III.

von Peter Jarolin

Es gibt Kooperationen, die wahrlich ein Segen sind. Vor allem in – nicht nur kulturell – düsteren Zeiten. Eine solche segensreiche Zusammenarbeit besteht zwischen der Wiener Staatsoper und dem ORF. Fünf Produktionen aus dem Haus am Ring hat (beziehungsweise wird) ORF III im Rahmen von „Erlebnis Bühne“ und unter dem Motto „Wir spielen für Österreich“ ausstrahlen. Darunter auch die musikalische Neueinstudierung von „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss unter der Leitung von Neo-Musikdirektor Philippe Jordan und einer prominenten Besetzung.

Ritual

Das Ritual im Haus selbst ist den wenigen zugelassenen Journalisten längst bekannt. Maskenpflicht, Abstand und kein Applaus – es handelt sich ja um eine Fernsehoper. Auf dem Stehplatz, der vor dem (neuerlichen) Lockdown in einen Sitzplatz verwandelt wurde, tummeln sich die Kameraleute des ORF. Im Orchestergraben ist man – naturgemäß negativ getestet – in Vollbesetzung versammelt. Dirigent Philippe Jordan verbeugt sich vor den Musikern und vor einem (fast) leeren Auditorium.

Und dann kann es losgehen in der klassischen Inszenierung von Otto Schenk, die für diese Aufzeichnung zum 385. Mal gezeigt wird. Martina Serafin gibt die Marschallin mit mächtigem Sopran – Richard Wagner lässt grüßen – und mit viel Ausdruck. Ihr großer Monolog stimmt jedoch auch traurig. Oper live: Wann und in welcher Form wird es sie wieder für Publikum geben?

Die Marschallin weiß, dass Octavian sie für eine jüngere Frau (Sophie) verlassen wird. Die Kulturbranche aber steht weiterhin (trotz möglichem Spielbeginn ab 18. Jänner) vor vielen Ungewissheiten. „Und in dem ,Wie‘ da liegt der ganze Unterschied“, singt Serafin an einer Stelle. Genau dieses „Wie“ – es bleibt die große Frage.

Keine Fragen gibt es übrigens bei der Qualität der Aufführung. Denn neben Martina Serafin ist die Sopranistin Erin Morley eine attraktive Sophie mit schöner Stimme und Bühnenpräsenz. Man kann gut verstehen, dass sich Octavian (leider stimmlich wie darstellerisch gar etwas blass: Daniela Sindram) für diese Frau interessiert.

Spaß

Und wenn wir schon bei Bühnenpräsenz sind. Einen besseren Ochs auf Lerchenau als den so spielfreudigen und fabelhaft singenden Günther Groissböck wird man kaum finden. Denn Groissböck poltert nicht, er gestaltet, macht aus dieser Figur einen charmanten Möchtegern-Giovanni, der stets die passenden Pointen setzt. Auch die kleineren Partien sind gut besetzt. Jochen Schmeckenbecher als köstlicher, neureicher Herr von Faninal, Thomas Ebenstein als intriganter Valzacchi, Noa Beinart als Annina, Wolfgang Bankl als Kommissar oder auch Regine Hangler als Leitmetzerin.

Luxus

Ach ja, da wäre dann ja auch noch die kurze Rolle des Sängers, die im Haus am Ring von einem Weltstar gestaltet wird. Ausnahmetenor Piotr Beczala singt seine Arie hinreißend – das ist purer Luxus. Im Graben waltet Philippe Jordan souverän seines Amtes. Er setzt auf recht schnelle Tempi, ein Höchstmaß an klanglicher, wie auch musikalischer Struktur und sehr viel Transparenz.

Wer all das überprüfen will, sei auf den 27. Dezember um 20.15 Uhr und auf ORF III verwiesen.

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