© Alexi Pelekanos

Kritik
09/18/2021

"Othello": Toller Titelfight im Boxen, der letztlich aber nur Verlierer kennt

William Shakespeares Stück am Landestheater Niederösterreich.

von Peter Jarolin

Die Idee ist nicht neu, aber sie funktioniert sehr gut. Bereits im Jahr 2006 hat die deutsche Regisseurin Christine Mielitz an der Wiener Staatsoper Giuseppe Verdis „Otello“ in einem Boxring angesiedelt. Gleiches hat nun auch der britische Regisseur (und Nestroy-Preisträger) Rikki Henry am Landestheater Niederösterreich mit William Shakespeares Drama „Othello“ gemacht. Durchaus mit Erfolg.

Wir befinden uns also im „Boxklub Zypern“. Othellos große Schlacht gegen die Türken wird im Radio übertragen und endet mit K. O. in der ersten Runde. Othello kehrt mit dem Gürtel des Champions heim; er hat sich als Star des Klubs nach oben geboxt. Als „Goldjunge“ – Henry zeigt das mittels Projektionen und filmischen Schnitten – fungiert Cassio. Ein zukünftiger Titelanwärter?

Sparringpartner

Und Desdemona ist das hart zuschlagende „Million Dollar Baby“, das jedoch nicht nur im Ring (Bühne: Anna Sörensen und Leonie Kohut) gute Figur macht. Nur Jago ist als Sparringpartner zu niederen Aufgaben verpflichtet und sicher kein Champ. Außer in der hohen Kunst der Intrige; tödlicher Ausgang inklusive. Doch könnten Desdemona und Cassio nicht tatsächlich ein Verhältnis haben, wie es Jago suggeriert? Oder sind die Liebesspiele in Schwarz-Weiß-Bildern auf einer Leinwand bloß Hirngespinste des „Riesenbabys“ Othello?

Das lässt Henry in der Schwebe, zieht damit aber neue Ebenen ein. Das ist klug, denn Fragen der Ausgrenzung nur aufgrund der „falschen“ Hautfarbe deutet die Regie bloß an.

So kann der gebürtige Nigerianer Nicholas Monu mit schönem Akzent auch immer wieder ins Englische kippen, wenn sein Othello über die Maßen eifersüchtig ist. Monu spielt diese tragische Gestalt sehr intensiv, er ist Opfer und Täter zugleich. Tim Breyvogel gibt den Jago als fahrigen Intriganten der Superlative, von Unruhe und Hass getrieben.

Marthe Lola Deutschmann verleiht der Desdemona mehr Profil, als meist üblich. Diese starke Frau kann sich auch wehren. Tilman Rose (Cassio), Bettina Kerl (Emilia), Philip Leonhard Kelz (Rodrigo), Michael Scherff (Montano) und Laura Laufenberg (Bianca) agieren gut.

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