© Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kritik
09/12/2021

"Roxy" an der Volksoper: Künstlerischer Kantersieg mit genialem Zug zum Tor

Paul Abrahams „Roxy und ihr Wunderteam“ hatte am Samstagabend Premiere.

von Peter Jarolin

Sie machen sich nichts aus Fußball? Und Operette interessiert Sie auch nicht wirklich? Dann, liebe Leserin, lieber Leser, lassen Sie sich bitte doch eines Besseren belehren. Geben Sie dieser Kombination eine Chance. Denn mit Paul Abrahams zwischen allen musikalischen Welten beheimatetem Stück „Roxy und ihr Wunderteam“ ist der Wiener Volksoper ein absoluter und frenetisch umjubelter Smash-Hit gelungen.

Ja, Fußball und Musik – das geht bestens zusammen. Zumindest dann, wenn solche „Wunderspieler“ wie Abraham (Musik) sowie seine Textdichter Paul Grünwald und Hans Weigel am Werk waren. 1937 im Theater an der Wien erfolgreich uraufgeführt, fristete diese „Roxy“ bis dato ein Schattendasein an den großen Bühnen.

 

Pflichtspiel

Zu Unrecht, wie die Neuproduktion im Haus am Gürtel zeigt. Denn Regisseur Andreas Gergen, Dirigent Kai Tietje und Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz (er spielt auch mit) haben diese „Roxy“ zu einem Pflichtspiel in der Kategorie Champions League gemacht.

Worum es in der herrlich grotesken Geschichte geht? Die titelgebende Roxy (als Nichte eines klischeehaft geizigen schottischen Mixed-Pickles-Fabrikanten) flieht vor ihrer geplanten Hochzeit mit dem dümmlichen Bobby Wilkins aus London in die Arme der ungarischen Nationalmannschaft, die eben erst England besiegt hat. In Wembley!

Doch das Rückspiel naht, und das Trainingslager am Plattensee wird auch durch die Damen eines Mädchenpensionats, der Liebe Roxys zum attraktiven Mittelstürmer Gjurka sowie dem notorischen Aufreißer Jani Hatschek zu einem köstlich-lebensfrohen Fast-Fiasko. Das entscheidende Spiel können nur die Mädels richten; viele Paare sind nach dem Sieg gegen England vereint. Sogar der geizige Onkel findet seine „billige“ Bestimmung.

Pressing

Was die Volksoper aus diesem Stoff macht, ist – um im Fußball-Jargon zu bleiben – Pressing pur mit totalem Zug zum Tor. Das ist vor allem Regisseur Andreas Gergen zu verdanken, der in Sam Madwars variablen Bühnenbild (es gibt starke Video-Projektionen) und den tollen 30er-Jahre-Kostümen von Aleksandra Kica eine sensationelle Revue-Show macht.

Da fliegt eine Mary Poppins über den Himmel, wird die (junge) Queen angebaggert, da haben die Chippendales ihren Auftritt, da wird auch (ein Gruß an Viktor Orbán!) die Regenbogenfahne gehisst, da wird Tohuwabohu zum lustvollen Gesetz.

Vom Walzer über Csardas, Jazz, Stepptanz bis hin zu (fast) Pop und Rock, auch Dirigent Kai Tietje hat am Pult des famosen Orchesters (samt Jugendchor und Ballett) alles fest im Griff. Das ist Operette, Musical und Vaudeville zugleich. Hits wie „Lass Dir einen Cocktail mixen von den kleinen Donaunixen“ oder das tänzerische „Black Walk“ zünden genial.

Auch dank einer überragenden Besetzung: Katharina Gorgi ist eine vokal wie darstellerisch phänomenale, steppende und Geige spielende Roxy, Jörn-Felix Alt ist ihr sympathischer, angebeteter Mittelstürmer, Peter Lesiak und Juliette Khalil sind eine Wucht, mit Robert Meyer (der Onkel) und Julia Koci stehen zwei Kaliber auf der Bühne. Das übrige Ensemble führen Jakob Semotan und Marco Di Sapia an. So geht Musik, so geht Fußball!

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.