© Vladimir Shirokov

Kritik
02/20/2020

Netrebko und Eyvazov in Wien: Wunschkonzert mit zwei Liebenden

So war der Tourneeauftakt im Wiener Konzerthaus.

von Peter Jarolin

Keine Anna ohne Yusif, kein Yusif ohne Anna. Seit Opernsuperstar Anna Netrebko und der aserbaidschanische Tenor Yusif Eyvazov privat zueinandergefunden haben, gibt es beide Künstler oft nur mehr im Duett. Denn die Liebe will bekanntlich zelebriert sein – auch im Rahmen einer großen Tournee, deren Auftakt im Wiener Konzerthaus zu erleben war.

Und es war ein großartiger Auftakt (bei Kartenpreisen bis zu über 400 Euro), der das Beste aus beiden Welten vereinte. Soll heißen: Netrebko und Eyvazov hatten ausschließlich Hits im Gepäck. Arien und Duette, die sie mit sehr viel Spielfreude und Hingabe präsentierten. Eine Art italienisches Wunschkonzert zweier Liebender, das deren Fans schwelgen ließ.

Potpourri

Aus gutem Grund. Denn wieder einmal erwies sich Anna Netrebko als die führende Sopranistin unserer Zeit. Sei es bei der Arie der Elisabetta „Tu che la vanità“ aus Verdis „Don Carlo“, sei es als Leonore mit „Pace, pace“ aus Verdis „La forza del destino“ (besser kann man das einfach nicht singen) oder als Mimì (Puccinis „La Bohème“) und als Tosca (Puccini) – die letzteren Partien oft gemeinsam mit Yusif Eyvazov.

Denn Netrebkos herrlich samtener, dennoch zu allen Höhen und Spitzentönen fähiger, ungemein flexibler und bei Bedarf hochdramatischer Sopran sitzt in allen Lagen perfekt, verströmt Glanz und Wärme. Wundervolle Registerübergänge und traumhafte Piani sind bei Netrebko ja fast eine Selbstverständlichkeit.

Partnerschaft

Und Yusif Eyvazov? Der so oft (teils zu Unrecht) gescholtene Tenor hat in der vergangenen Zeit (nebst Gewichtsabnahme) auch hörbar an Gesangskultur gewonnen, stemmt die Töne nicht mehr allzu sehr, ist seiner Gattin inzwischen ein stimmlich adäquater Partner. Ja, ein paar Manierismen kann sich Eyvazov etwa bei „La donna è mobile“ (Verdis „Rigoletto“) und bei „Recondita armonia“ (Puccinis „Tosca“) nicht verkneifen. Vor allem jedoch in den Duetten ist er ein feinsinniger Mitspieler.

Mitspieler im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Szenen aus „Tosca“ und „La Bohème“ hat das Duo zumindest im Konzerthaus halbszenisch, mit großen Gesten und kleinen Requisiten gestaltet.

Als Gast durfte die russische Mezzosopranistin Elena Maximova kurz mitwirken; am Pult des soliden Orchesters der Ungarischen Staatsoper war Dirigent Michelangelo Mazza um Verve und Italianità bemüht. Dass die oft zwischendurch eingestreuten Zwischenspiele und Ouvertüren von der Dramaturgie her nur bedingt sinnvoll waren, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin ging es um Anna und Yusif, Yusif und Anna und um deren „Amore“ – auch das letzte Wort der Zugaben. Ovationen!

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