Kultur
25.05.2017

Musikalische Märchen beim Sommernachtskonzert

Ein Gruß an Wien und die ganze Welt: Die Philharmoniker spielten wieder gratis in Schönbrunn.

Die Erfolgsgeschichte ging in die nächste Runde. Und doch war diesmal einiges anders. Sicher: Die Wiener Philharmoniker bildeten auch heuer wieder die musikalische Konstante beim seit 2004 bestehenden Sommernachtskonzert in Schönbrunn. Und dass jährlich Dirigenten, Solisten und Programm wechseln – heuer waren Dirigent Christoph Eschenbach und Starsopranistin Renée Fleming im Einsatz – ist jetzt auch noch nicht die große Neuigkeit.

Was aber bei diesem unter dem Motto " Märchen und Mythen"stehenden Gratis-Konzert der Wiener Philharmoniker doch ganz anders war? Einerseits die leider notwendig gewordenen massiven Sicherheitskontrollen, die bei fast 100.000 erwarteten Besuchern auch keine Kleinigkeit sind. Andererseits – und jetzt sind wir beinahe schon beim musikalischen Aspekt – auch die Position der Bühne.

Bessere Akustik

Diese wurde nämlich erstmals vor dem Schloss aufgebaut, wodurch sich neue, teils längere Zugangswege für die Besucher ergaben. Diese wurden aber immerhin dank einer kulinarischen Betreuung im ganzen Veranstaltungsbereich (auch eine Premiere) verkürzt.

Ziel der Neupositionierung der Bühne war übrigens auch eine deutliche Verbesserung der Akustik. Gelungen? Hier ist der im Sitzbereich platzierte Autor dieser Zeilen auf weitere Ohrenzeugenberichte angewiesen.

Was in Schönbrunn jedenfalls zu hören war: Die Wiener Philharmoniker sind beredete Märchenerzähler. Sei es bei der Ouvertüre zu Dvoráks "Carenval" oder bei einer Arie aus dessen Oper "Armida" oder bei dem berühmten "Lied an den Mond" aus der Oper "Rusalka". Dass hier die wunderbare Renée Fleming mit größer Innigkeit betörte, versteht sich.

Mehr Zauber

Ebenso logisch, dass Orchester wie Dirigent Eschenbach auch "ihren" Tschaikowsky (Auszug aus der "Dornröschen-Suite") oder "ihren Rachmaninow" ("Sumerki", wieder mit Fleming) im kleinen Finger hatten. Nach dem Vorspiel zu Humperdincks "Hänsel und Gretel" hatte dann Zauberlehrling Harry Potter bei "Hedwig’s Theme" von John Williams einen kurzen Auftritt, ehe "Danse infernale, Berceuse und Finale" aus Strawinskys "Feuervogel"-Suite wohl auch dem gewohnt alles live übetragenden ORF gute Quoten bescherten. Eine CD und DVD des Konzerts sind bereits in Vorbereitung. Nächstes Jahr leitet dann übrigens Valery Gergiev den Sommer ein.

Womit wir endlich beim Wetter, oft schon ein großer philharmonischer Spielverderber, wären. Das hat weitgehend gehalten. Mit allzu sommerlichen Temperaturen wurde die Märchenlandschaft aber nicht beglückt.